Auf des Totentamms Kiste

Auswüchse pathischer Fixation (Symbolphoto)


Am 29. Dezember 2016 ist der „Museumsstifter und frühere Vorstandschef von Axel Springer“ (shz.de) Peter Tamm
im unerhörten Alter von 88 Jahren verstorben. Ein ehrlicher Seemannstod war dem Liebhaber aller Kriegsmarinen, voran der reichsdeutschen, nicht vergönnt.

Anläßlich des Untergangs einer der leider prägendsten Figuren der BRD-Nachkriegspresse hat KONKRET einen mehr als acht Jahre alten Beitrag des Studios Soko hervorgekramt und auf die Website der Redaktion gestellt.

Nun sehe ich mir meine alten Artikel gar nicht so gern wieder an, denn meistens finde ich darin etwas zu kritteln – Umständlichkeit, Inspirationsferne, Stilbrüche usw. In diesem Fall jedoch war ich ziemlich angetan von mir selbst, und weil das, wie gesagt, selten vorkommt, kann ich Ihnen guten Gewissens empfehlen, meine Bemerkungen zu dem Chef und Stifter neu oder ein zweites Mal zu lesen.

Und wenn Sie damit fertig sind, habe ich noch eine Fußnote aus der Gegenwart für Sie. Die Grünen haben nämlich in der untertänigen Kondolenzadresse des Hamburger Senats ohne Zögern signiert, der blutige Trödel in Tamms Museum sei eine, Achtung: „einzigartige und wertvolle [!] Sammlung zu 3.000 Jahren Seefahrtsgeschichte“.

Brav, brav.

Photo (Ausschnitt): „StreicholzSchiffsmodelle2005“ by StromBer (Own work)
[GFDL
or CC BY-SA 3.0],
via Wikimedia Commons


Donnerstag, 5. Januar 2017 3:41
Abteilung: Director's Cut, Sokolowsky anderswo, Zeuge der Geschichte

Kommentare und Pings geschlossen.

Ein Kommentar

  1. 1

    Ihr Beitrag ist ein schönes Beispiel für den von Georg Schramm so gern zitierten Satz Gregors I. über den Zorn, der der Vernunft hilfreich zur Hand geht.
    Wenn die Verachtung nicht speiend und keulend herausgepöbelt wird, sondern mit fein gewetztem Messer sich diszipliniert, hat der Verfasser dieser Dankrede seine Freude, Herr Sokolowsky. Behagend auch die subtile dramturgische Steigerung vom Pharaonengrab über das Tamm-Mausoleum bis hin zum alle Hybris beerdigenden Obsessionspalast.
    Mit dieser Aufmunterung frisch gestärkt, mache ich mich wieder an die Arbeit. Besten Dank dafür!

    Und Ihnen, lieber Andreas Schmid, besten Dank für diese größenwahnsteigernde Kurzrezension. (Nein, ich bin grad nicht ironisch.) KS