Archiv für die Abteilung 'Unerhört nichtig'

Quo vadis, Qualitätsjournalismus? (1): Krempel

Dienstag, 6. November 2012 22:32

Am 6. November um 17.40 Uhr bringt die Online-Seite der Süddeutschen Zeitung, um eine echte Meldung verlegen, diese brechreizerregende Neuigkeit (engl. „Breaking news“) zur Präsidentenwahl in den USA:

Eine halbe Mausradumdrehung tiefer ergeht sich Alexandra Borchardt in einer Betrachtung über den „Politiker-Trend zu umgeschlagenen Hemdsärmeln“, die mindestens so komisch ist wie ein abgerissener Manschettenknopf:

Haben Sie was gemerkt? Nein? – Augenblick, ich zeige Ihnen die Seite im Zusammenhang:

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Erstmals im Bild: Große Köpfe von innen

Sonntag, 16. September 2012 23:51

Die Biene, die die Blüte freit,
dies erregt Herrn Sigmund Freud.

So dornig, verschlungen und trotzdem sortiert sieht es aus
in den Schriften gleichwie dem Gehirn von Karl Kraus.

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Bored beyond belief (8): mfG

Montag, 10. September 2012 22:30

Sonntagnachmittag beim Radeln durch Hamburg-Nienstedten, gleich neben der Carl-von-Clausewitz-Kaserne, werden wir an der S-Bahn-Unterführung solcherart begrüßt: 

„Scheißwurst“ ist klar: Das paßt auf mindestens jeden Zweiten in diesem Revier der Milliardäre und Obristen. Aber „Brudi“? Wofür steht das? Eine Abkürzung für „Brutaler Dickwanst“? Oder soll‘s die Koseform von „Bruder“ sein? Und zwar „Bruder“ im Sinn des US-amerikanischen „Brother“ bzw. „Bro“, mit dem sich die schwarzen Slum-Einwohner einst gegenseitig der Solidarität versicherten? Ist es schon so weit mit dem Klassenkampf? Daß die Oligarchen einander rauhe Namen geben resp. die „Brudi“-schaft beschwören, weil sie sich zusammenschweißen und geistig härten müssen wider die aufziehenden Stürme der Revolution?

   So viele Fragen, so wenig Klarheit. Vielleicht sieht „Brudi“ sein Graffito auf dieser Seite und klärt mich auf. Sofern es ihm die Sache leichter macht, darf er mich auch als „Scheißwurst“ adressieren. Wäre ja, siehe oben, nicht das erste Mal.

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Sommerfrische (4): 4 Sommerfrösche

Dienstag, 14. August 2012 14:01

… und ihre Post von unterwegs

Liebe Mom,

super Wetter, super Typen, super Animation auf meiner Tour! Stell Dir vor – gestern hab ich beim Quakaoke den ersten Platz gemacht! Mit meinem Lieblingslied „Dieser Weg wird kein leichter sein“. Sogar der Reiseleiter hat geweint.
Tja, jetzt weiß ich, warum. Nichts als Asphalt auf der Etappe heute. Na, super … Aber: Gegenüber soll es Fliegen geben wie die Fliegen!

Supergrüße, Susi

***

Sehr geehrtes TUI-Team,

ich möchte Sie darauf hinweisen, daß in der Ferienanlage „Good Quack“ am Westensee beileibe nicht alles so bestellt ist, wie es in Ihrem Prospekt beschrieben wird.
Die Laichplätze, um nur ein Beispiel zu nennen, sind durchaus nicht „ohne Probleme“ zu erreichen. Meine Frau hat sich im ungepflegten (!) Gestrüpp mehrmals verlaufen (s. beilieg. Beweisphoto).
Außerdem sind wir höchst unzufrieden mit der Luftraum-
überwachung der Anlage. Unsere ca. 200 Kinder mußten mehr als einmal ins Wasser flüchten, weil es einen Fehlalarm gab. Leider findet sich in Ihrer Broschüre kein Hinweis auf die Storchförmigkeit der Wolken am Westensee! Das ist eine Irreführung, die zweifellos ein gefundenes Fressen für die Presse wäre.
Sollten Sie unsere Kosten erstatten (keine Gutscheine!), sehen wir evtl. von gerichtlichen Konsequenzen ab.

Hochachtungsvoll, Dietmar Fröscher, Dr. jur.

***

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Man schreit deutsh (9): Olympisches Wortringen

Sonntag, 12. August 2012 21:44

GOLD
„Es ist schon trüb, das ist ganz klar.“
Thomas Lurz über das Wasser im Serpentine Lake
(10. August, 15.30 Uhr, ARD)

SILBER
„Positiv auch für sie? Ich mein‘ das jetzt im positiven Sinne.“
Sigi Heinrich während des Hochsprungwettbewerbs der Frauen
(11. August, 21.15 Uhr, Eurosport)

BRONZE
„Es ist eigentlich normal, daß es Enttäuschungen gibt bei Olympischen Spielen – aber auch Überraschungen.“
Oliver Frick zieht seine Olympia-Bilanz
(12. August, 18.56 Uhr, NDR Info)

BLECH
„Sein nächster Sieg muß sein, mit dieser Niederlage fertig zu werden.“
Hans-Wilhelm Gäb über Timo Boll
(zit. n. Stern.de, 31. Juli)

HOLZ
„Wenn Sie so schnell wie Yohan Blake werden wollen, essen Sie jeden Tag 16 Bananen.“
Wolf-Dieter Poschmann über das Geheimnis jamaikanischer Sprinter
(zit. n. Tagesspiegel.de, 10. August)

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Sommerfrische (3): Westentensee

Samstag, 4. August 2012 0:58

Vier Szenen mit Sonnenuntergang

Mitwirkende:
KAPITÄNIN DAISY
DIE LEICHTMATROSEN – TICK, TRICK, TRACK, TROCK, TRUCK UND TECK
DER SPANNER

***

1. Szene

KAPITÄNIN DAISY. Durchzählen!
DIE LEICHTMATROSEN. Eins! Zwei! Drei! Vier! Sechs! Sieben!
KAPITÄNIN DAISY. Wieso sieben? Seit wann seid ihr sieben?
DIE LEICHTMATROSEN (kringeln sich vor Lachen).
KAPITÄNIN DAISY. Ihr verflixten Schlingel! Wenn ich das dem Kapitän
erzähle, könnt ihr euch die Fahrt nach Felde morgen abschminken.
DIE LEICHTMATROSEN. Ach, nö! War doch bloß Spaß!
KAPITÄNIN DAISY. Spaß, Spaß … Ich hätt‘ auch gern mal Spaß! Aber wie
soll das gehen, mit solch einer Besatzung?
LEICHTMATROSE TROCK. Du-hu, Frau Kapatän … Darf ich noch mal ins
Wasser?
KAPITÄNIN DAISY. Um diese Zeit? Ich kann ja kaum noch meinen eigenen
Schnabel sehen. Nee, kommt gar nicht in Frage. Außerdem heißt es
Kapitän – Ka-Piii-Tän.
LEICHTMATROSE TROCK.  Oooch …
KAPITÄNIN DAISY. Schluß mit dem Geschnatter!

***

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Bored beyond belief (5): Am Zebrastreifen

Freitag, 3. August 2012 0:04

An ihrem Kinderrad sind Stützreifen befestigt, dabei sieht die Kleine aus wie eine Achtjährige. Mit dem Helm auf dem blonden Kopf wirkt sie noch größer. Ein Blick auf die Mutter verrät, woher das kommt – Erbmasse die
Fülle. Das Mädchen möchte über den Zebrastreifen preschen, wird jedoch von der Vorgesetzten zurückbefohlen. Das Kind zieht einen Flunsch, denn weit und breit ist kein Auto zu sehen. Mutti guckt stur nach links und nach rechts, marschiert mit langen Schritten los und ruft: „Jezz!“

   Das Mädchen kräht: „Vo‘hin waa‘s auch frei …“ Seine Stimme ist viel jünger als sein Körper: Höchstens sechs Jahre hat dieses Kind bislang hinter sich gebracht – das erklärt die Stützräder. Aber sechs Jahre sind bereits eine Welt entfernt von der Zeit, als Mamas zugleich Gottes Wort war. Es ist weiterhin Gesetz, das schon. Aber die hochgeschossene Kleine beginnt, die geltende Rechtsprechung in Frage zu stellen. Den Flunsch behält sie daher im Gesicht, als sie sich betont langsam in Bewegung setzt. Auf halbem Weg über den Zebrastreifen jedoch hat sie schon wieder vergessen, daß Mama spinnt, und freut sich, schneller radeln zu können, als die Mutter läuft.

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Sommerfrische (2): Seebrillenschlange

Mittwoch, 1. August 2012 23:01

– „Siehst du das?“

– „Was?“

– „Dieses grüne Leuchten im Wasser. Siehst du das auch?“

– „Wo?“

– „Na, da.“

– „Da?“

– „Nein, da!“

– „Ach, da. Ja … Oh. Nee. Nee, seh‘ ich nicht.“

– „Wo guckst du denn auch hin?! Da mußt du hingucken!“

– „Tu ich doch.“

– „Tust du nicht. Wo du nur immer deine Augen hast …“

– „Im Kopf, mein Spatz.“

– „Dann dreh sie mal nach außen, mein Schatz.“

– „Oh! Jetzt seh‘ ich‘s auch.“

– „Nee, jetzt isses weg.“

– „Oh.“

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