Im Erdschatten

Mondfinsternis_28-09-15_01_(c)_Kay_Sokolowsky


Aus dem Bett gewälzt um viertelnachvier, auf den Balkon gestolpert in Socken aus Wolle, und zwischen den Nachtwolken rollt, ein trunkenes Auge, der volle Mond über den Wipfeln: Wie mit Kupfer beschlagen, wirft er das wenige Licht, das er empfängt, matt von sich fort, und kein Mensch ist dort oben, hinabzusehn auf den schwarzen Kreis des Planeten, bestickt mit flickerndem Straß, auf Glut und Lohe am Rand der Biosphäre, diese Krone, verliehen vom Stern, der alles beherrscht, kosmische Apotheose, doch niemand im Meer der Ruhe, sich daran zu berauschen, uns zu berichten, und als die Herbstnacht in die Wollsocken sickert und zwischen den Wipfeln das gerötete Auge sich schließt, ist der Trabant, gestern nah wie ein Freund, fern wie das fernste Gestirn, denn ich weiß, daß auch in 18 Jahren, wenn der Lampion über Hamburg abermals schwelt, dort oben im Staub der Äonen niemand die Pracht des Erdscheins bestaunen wird, zumal ich nicht, mit Siebzig. Bald ist Morgen.

Mondfinsternis_28-09-15_02_(c)_Kay_Sokolowsky


Montag, 28. September 2015 21:28
Abteilung: Ironie off, Selbstbespiegelung

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