No comment?

Vor gut einem Jahr schaltete ich die Kommentarfunktion in meinem Weblog ab. Ich hatte dafür gute Gründe und ich fühlte mich anschließend wie um einen Mühlstein erleichtert. Seit meinem ersten „Abfall“-Posting am 6. Juni 2012 hatte ich den Ehrgeiz, daß mein Blog eine arschlochfreie Zone sein soll. Aber wie‘s so geht im Leben, ging es nicht gut aus, denn irgendwann kaperten einige Figuren von ebenso miesem Charakter wie megalomanem Geltungsdrang die Kommentarspalte und klebten sich hinein wie die Kletten. Mit ihrem von jeder Rücksicht auf Grammatik, Interpunktion, Semantik und Etikette freien Gemöhre kosteten sie mich mehr und mehr Nerven sowie Lektoratsaufwand und bereiteten mir schließlich einen Verdruß, der auch durch die vielen freundlichen, klugen, gesitteten Kommentare nicht mehr ausgeglichen wurde.

Die Aussicht, weiterhin mit bigotten Schlaumeiern und falschen Autonomen, die sich in meinem „Abfall“ breitmachten, Zeit zu vergeuden, Zeit, von der ein Mann Ende 50 so viel nicht mehr übrig hat –: Diese Aussicht war mir zu trüb in ohnehin düsteren Tagen.

Heller sind die Tage seither leider nicht geworden. Aber inzwischen hoffe ich, daß in der langen kommentarfreien Zeit die schlimmsten Nervensägen, das heißt, die Klienten, die mein Blog bloß als Vehikel für ihr neunmalblödes Geblök erachteten, sich für immer getrollt haben und schon gar nicht mehr wissen, daß es mich und meine Art Notizbuch gibt. Auch in der No-comment-era blieb ich übrigens stets interessiert an Botschaften der lieben Leserinnen und werten Leser. Ein bißchen Feedback erreichte mich per E-Mail und es war in jedem Fall eine Freude.

Ich vermisse mittlerweile die klugen und witzigen, im schönsten Sinn kritischen Anmerkungen unter meinen Notaten. Es waren nämlich mal diese klugen, witzigen, im schönsten Sinn kritischen Kommentare die Regel, und die halbgebildeten, geistlosen, penetranten Peteschen die Ausnahme. Wer dieses Blog immer noch liest (ja, grüßgott, Sie sind gemeint!) – trotz meiner Feindschaft gegen das Seuchen-Voodoo, trotz den Liedern ohne Werte und trotz der Einseitigkeit der Kommunikation –, der und die (und ggf. das) weiß wohl, glaube ich, wie er oder sie (oder ggf. es) sich hier zu benehmen hat, weil Takt und Respekt meinem Wunschpublikum eine Selbstverständlichkeit und keine lästige Pflicht sind.

Ab sofort darf deshalb die Leserinnen– und Leserschaft dem „Abfall“-Blogger wieder öffentlich die Meinung geigen. Lassen Sie es uns nach langer Pause abermals miteinander versuchen, und lassen Sie mich, bitte, meinen Entschluß nicht bereuen! Damit es für Sie wie für mich ein Vergnügen und kein Ärgernis wird, habe ich vier Bedingungen, die sich, wie ich meine, von selbst verstehen:

♦   Kommentare, die keinen vollständigen Satz enthalten, werden wortlos gelöscht.

♦   Kommentare mit Hyperlinks auf andere Websites veröffentlicht der „Abfall“-Admin nur, wenn der Kommentator erläutert, was da zu finden ist und weshalb ein Mausklick sich lohnt.

♦   Der Blogger erwartet von den Kommentatoren ein Mindestmaß an Manieren. Duzen läßt er sich nur von Kindern, Freunden und Verwandten. Auch untereinander sollten die Kommentatoren das Sie pflegen. Andernfalls: „Abfall“-Abfall..

♦   Sollte Ihr Kommentar hier nicht erscheinen, obschon Sie die Spielregeln befolgten, liegt entweder ein technischer Fehler vor oder der Admin auf der faulen Haut. Bitte warten Sie 24 Stunden ab, ehe Sie nachfragen.

Und jetzt kann’s meinetwegen losgehen.


Freitag, 3. Dezember 2021 23:34
Abteilung: Inside "Abfall", Selbstbespiegelung

6 Kommentare

  1. 1

    Ich habe das Troll-Problem in meinem Blog genauso gelöst. Dort steht auch immer über der Kommentarfunktion dick und fett darüber „Charta gelesen?“ Notorische Spammer lassen sich davon zwar nicht beeindrucken, aber wordpress bietet ja neben der generellen Moderation auch die Funktion, dass das erste Posting nicht automatisch freigeschaltet wird und die sind deswegen auch kein großes Problem. Bei mir hat letzteres ausgereicht, dass bis auf den erstmaligen Kommentar eines Users keine permanente Moderation notwendig ist. Es gibt natürlich Spezialisten unter den Trollen, die immer gerade so das Moderations-Radar unterfliegen, aber da kann man sich intelligentere Regeln ausdenken, dass es nicht in Willkür und Zensur ausartet wie im heise-Forum.

    Ich moderiere jeden Kommentar, und meine Moderationsregeln sind denkbar einfach: Wer sich nicht benimmt, hat vergeblich geschrieben. KS

  2. 2

    Lieber Kay Sokolowsky,
    Ihre Entscheidung freut mich. Die Freude wäre doppelt groß, wenn Sie auch noch eine höhere Beitragsfrequenz angekündigt hätten. Ich hoffe auf Ihre Nachsicht, wenn ich gestehe, dass ich nicht vorrangig wegen dem, was Sie schreiben, so sehnsüchtig auf einen neuen Beitrag warte, sondern eine bübische Freude daran habe, wie Sie es ausdrücken. Sprache auf höchstem Niveau ist rar geworden und Sie liefern dergleichen zuverlässig. Das ist keine Speichelleckerei, sondern ein symbolisch gezogener Hut.
    Herzlich, Andreas Schmid.

    Lieber Andreas Schmid, vielen Dank für Ihr großes Kompliment, das ich keineswegs für Speichelleckerei, sondern eine sehr angenehme Anerkennung halte! Da ich mich mit zwei ziemlich aufwendigen – wie heißt das neudeutsch? – „Projekten“ beschäftige, wird die Blog-Frequenz auch weiterhin niedrig bleiben. Daß hier überhaupt etwas erscheint, liegt nicht zuletzt an solchen Lesern wie Ihnen. KS

  3. 3

    Dankeschön für die Kommentarfreigabe! Ich freu mich so darüber, wiewohl ich – momentan – nichts Substantielles zu kommentieren habe, weil, irgendwie, sprachlich paralysiert und in Dauerschockstarre ob des kollektiv-methodischen Wahns in diesem Land, nixdestotrotz möchte ich meiner Freude spontan Ausdruck verleihen. Nochmal danke, auch für Ihre jüngsten Texte, die helfen so sehr beim Durchhalten während dieser Finsternis, beim drohenden Absaufen in eine existentielle Vereinsamung, einem Phänomen, was mir mein Leben lang fremd war und nun beginnt, ungute Gestalt anzunehmen. Egal. Schön, dass es jemanden wie Sie gibt. Bitte schreiben Sie weiter.

    Herzlichen Dank für Ihren liebenswürdigen Kommentar! Wenn ich ein bißchen dabei helfen kann, die politisch gewollte Vereinsamung, besser: Atomisierung aufzuhalten, hätte ich mehr erreicht, als ich mir eigentlich zutraue. KS

  4. 4

    Hallo Herr Sokolowsky
    Vielen Dank für Ihre Entscheidung. Ich lese Ihr Blog regelmäßig, bin nicht immer Ihrer Meinung, aber lerne dadurch andere Sichtweisen kennen. Die Kommentare sind für mich das „Salz“ in der Suppe, weil durch diese meine Sicht auf die Dinge noch mehr erweitert wird.
    Bitte weiter so!

    Lieber Steffen, ich bin auch nicht immer meiner Meinung. Aber, mit dem klugen Michael Sailer zu reden, Meinungen sind sowieso Schnickschnack. KS

  5. 5

    Guten Tag Herr Sokolowsky,
    wie schön, dass die Kommentarfunktion zurückkehrt. Allein schon, weil ich ohne sie vermutlich nie über die „KidsLife“-Homepage gestolpert wäre.
    Sie – oder eher: Ihr Schreiben – habe ich übrigens vor etlichen Jahren in der „konkret“ kennengelernt und weiß sogar noch, was ich damals las: Ein launiges Stück mit dem Titel „Aus der Blechstanze“, eine „Wahlkampfrede für alle Fälle“. Was auch stimmte: So gut wie jeder beliebige Politiker war mit der ihm oder ihr eigenen Gestik, Mimik und Sprechart beim Aufsagen dieses Gefasels vorstellbar; in 9 von 10 Fällen passend wie Arsch und Eimer.
    Da ich keine der Zeitschriften abonniert habe, in denen Ihre Texte veröffentlicht werden, entgeht mir so manches. Bleibt also die Freude, an dieser Stelle hier ab und zu Weiteres, Abseitiges, Gereimtes, Persönliches zu finden, und immer wieder Beiträge, die, wie der oben genannte, das Personal der herrschenden Klasse auf’s Korn nehmen.
    Mit Grüßen aus der kinderbedingten Quarantäne, bedingt durch – man glaubt es in diesen Zeiten ja kaum – … die Windpocken.

    Auch Ihnen einen guten Tag, Jonas A. – Wenn ich Sie dazu gebracht habe, „KidsLife“ kennenzulernen, war dieses Blog wenigstens einmal zu etwas nutze.
    Ihre netten Worte zu meinen Texten freuen mich, und ich danke dafür. Ich hoffe, daß Ihre Familie die Quarantäne (und die Windpocken) gut übersteht! KS

  6. 6

    Sehr geehrter Herr Sokolowsky
    (Ich bin etwas älter als Sie und kann mich nicht mit der hier geläufigen Form der Anrede, “Hallo“, “Lieber“, usw. anfreunden, deswegen verzeihen sie mir bitte meine altmodische Anrede.)
    Daß die Kommentarfunktion wieder freigeschaltet ist, freut mich sehr.
    Meine Frage an Sie: gilt diese Freischaltung auch für Beiträge während Ihres “Lockdowns“ der Kommentare? Das wäre für mich sehr interessant.
    Ich möchte mich jedoch bereits, vorrangig, als Leser outen, schreiben liegt mir nicht, da das (mein!) geschriebene(s) Wort oft missverständlich erscheinen mag.
    mit freundlichem Gruß,
    EutinOH

    Sehr geehrte/r EutinOh, mir kann es bei der Anrede gar nicht altmodisch genug zugehen, also habe ich Ihnen auch gar nichts zu verzeihen. Vielmehr danke ich.
    Die Kommentarfunktion in den Postings der vergangenen zwölf Monate bleibt deaktiviert. Ich wollte in dieser Zeit keine Kommentare lesen und halte es für etwas bigott, jetzt welche zuzulassen. KS

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