Zeitenwendreime (3)


Auch dies ist Gottes Ebenbild
Auch dies ist sein Geschöpf
Auch dies war mal ein schönes Kind
Auch dies ward warm gestillt

Was da mal war – verweht im Wind
Was einstens war – entzwei
Was federweich war – panzerhart
Was Lächeln war – ein Grind

Hier steht des Guten Widerpart
Hier steht der Weltbetrug
Hier steht gelbblau die letzte Nacht
Hier steht es stramm und starrt

Es gafft uns an die Niedertracht
Es blafft uns an der Tod
Es klafft vor uns die Null, das Nichts
Es rafft uns in die Schlacht

Auch dies ist Gottes Ebenbild.
Ich hoffe, daß er ihr’s vergilt.

Photo: Screenshot eines Tweets
der EU-Kommissionspräsidentin
U. v. d. Leyen vom 17.6.2022


Sonntag, 26. Juni 2022 0:52
Abteilung: Kaputtalismus, Lieder ohne Werte, The real pulse of Europe

5 Kommentare

  1. Jean-Gert Nesselbosch
    Sonntag, 26. Juni 2022 17:58
    1

    Lieber Herr Sokolowsky, danke für das schöne und sehr passende und berührende Gedicht. Ich glaube allerdings nicht, dass Niedertracht und Betrug bei Frau von der Leyen im Spiel ist. Wahrscheinlich ist Frau von der Leyen ziemlich authentisch. Sie gehört zu denen, die schon immer wirklich genau so wie Vati sein wollten, und das bei reinem Gewissen. Die Verwalter der Realpolitik, des angeblich alternativlos Richtigen. Und *das* sind ja die eigentlich schwierig zu handhabenden Gegner. Den Schurken zweiter Klasse (Trump, Salvini, das ganze AfD-Gedöns etc.) ist dagegen ja recht einfach zu begegnen. Alles Gute !

    Lieber Herr Nesselbosch, merci für Ihr Kompliment! – Sie haben sicherlich recht mit Ihren Bemerkungen zum Typus U. v. d. Leyen. Ich aber auch. Diese ehrgeizzernagte, keiner Korruption abgeneigte Frau war mal ein nettes kleines Mädchen von vier, fünf Jahren, und sicherlich Lichtjahre davon entfernt, zu werden, was Ihr feiner Vater vorlebte. Die Diskrepanz zwischen dem Kind und der Frau Kommissarin wollte ich mal versifizieren (verifizieren kann ich sie natürlich nicht). Um so zu werden, wie sie heute ist, bedurfte es eines Verrats an ihrem humanen Potenzial, das ich schon mit den Worten „Niedertracht“ und „Betrug“ beschreiben kann. Glaube ich.
    Andererseits glaube ich natürlich nicht, daß Leyen ein Ebenbild Gottes ist; so wenig, wie ich an einen Gott glaube. Doch in Gedichten ist alles möglich. KS

  2. 2

    Großartig! Oder, wie der Brite sagt: Greatarty!

    Thanks beautifully! KS

  3. 3

    Ein sehr gelungenes Portrait. Sowohl im Bild, als auch im Text.
    Welche Bedeutung hat der ausgefranzte Rand? Soll das ein Zeichen sein? Auf jeden Fall passt es irgendwie.
    Etwas beängstigend aber der Satz:
    „Es rafft uns in die Schlacht“
    Noch können wir hoffen, dass es sich hierbei „nur“ um eine Schlacht im Wirtschaftskrieg handelt. Aber auch das scheint nicht mehr sicher.

    Lieber Detlef, ich danke für Ihr Lob. – Der ausgefranste Rand soll nur verdeutlichen, daß ich das Bild bzw. den Tweet zitiere. Die ästhetische Wirkung, die Sie ansprechen, ergab sich nebenbei.
    Ich lese soeben, daß die Nato ihre „schnellen Eingreifkräfte“ von bisher 40.000 auf 300.000 (!) Soldaten erhöhen will. Beim Wirtschaftskrieg wird es unter solchen Umständen nicht mehr lange bleiben. KS

  4. 4

    Trefflich eingefangen. Das Reifen der Saat vom unbedarften Sprößling zum vollendeten Diabol. Es hat den Anschein, wo immer auch Gott sich aufhält, sein dunkler Schatten ist nicht weit davon.
    Weltbetrug und Niedertracht, Schlacht und Tod, wie passend.
    Ich gehe mal davon aus, Ihre Reime sind Ihnen nicht leicht von der Feder gegangen. Sich mit „Röschen“ zu befassen, muß bedrückend sein.
    Diese Figur ist ein einziges Desaster, jeder ihrer Auftritte eine einzige Qual.
    Diese Frau hat Medizin studiert, wollte mal Gynäkologin werden, hat die Ausbildung zur Fachärztin dahingegeben,vulgo geschmissen.
    Warum bloß?
    „Röslein“ hat Besseres gefunden, ihre wahre Bestimmung. Das Gegenteil von Genesen, Zerstörung, Vergiftung und Untergang.
    Wie kann man nur so werden?
    Beste Grüße in Ratlosigkeit
    Hagnum

    Das ist die Frage, die auch mich beschäftigt: Wie wird ein Mensch so? Und ich finde keine Antwort. – Das Reimen war übrigens leichter, als Sie denken. Schwer war es, den Takt zu wahren. KS

  5. 5

    Hay hay, der Kay
    da wird er laut
    gleichwie sein Vater
    immer haut

    Der Papi, stand er ewig stramm
    dem Kay es nicht einbläuen kann
    die Schande zwar obschon so groß
    so lässt er doch sein Blag noch los

    Wie wär geholfen Vater-Land!
    Den Kay zu säufen eigner Hand

    Hay Hay, der Papi tut es nicht
    Sokolowsky grient uns ins Gesicht.

    Was haben Sie denn genommen? Oder ist das Ihr Normalzustand? KS

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