Archiv für die Abteilung 'Aufgelesen'

Aufgelesen (5): Kretschmann & Friends

Freitag, 23. Juni 2017 23:45

Screenshot YouTube

Seit ich 2008 für Feindbild Moslem zu recherchieren begann, weiß ich Online-Foren und Instant-Leserbriefe – nein, nicht zu schätzen, aber: ernstzunehmen. Kurz nach Erscheinen meines zu früh erschienenen Buchs donnerte der Erfolg von Sarrazin, Pegida und AfD herein. Mich überraschte dieser völkische Aufruhr nicht, wiewohl er mich bestürzte.

Dank dem Gequatsch und Gehechel der Web-Bierzelte fand und finde ich weit vor jeder soziologischen Erhebung heraus, wieisich die Republik stahlhart Steuerbord bewegt. Daher lese ich bei bestimmten Themen die anonymen Wortmeldungen aufmerksamer als die dpa-Durchsagen, denen sie ankleben. Und werde mit mathematischer Verläßlichkeit daran erinnert, warum mit Deutschen kein vernünftiger Staat zu machen ist.

Es gibt freilich und zum Glück auch Solisten, Stimmen der Vernunft. Eventuell treibe ich mich im Mahlstrom der mediokren Maulfurzer nur deshalb herum, um diese raren KameradInnen des Geistes auszufiltern. Die digitalen Medien mögen asozial sein, aber die Asis, mit denen ich sympathisiere, haben noch immer nicht kapituliert, reden gegen die Dummbeutel an, und ein Satz von ihnen desintegriert tausend Satzkotzbrocken von denen.

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Abteilung: Aufgelesen, Kaputtalismus | Kommentare (4) | Autor:

The real pulse of Europe (3): Austria

Mittwoch, 14. Juni 2017 23:13

Fundstücke*, den Zustand der
abendländischen Werte betreffend.

Gastbeitrag von Kai Pichmann

Auch in Österreich hat der Mensch so seine Menschenrechte. Der zugereiste Mensch hat dort auch welche, allerdings weniger als der eingeborene; es sei denn, der Zugereiste ist EU-Bürger oder zahlender Besucher von Schönbrunn oder Führers Teehaus. Ist er das nicht, so wird sein Recht, Aufenthalt und Wohnsitz frei zu wählen, durch das „Bundesgesetz über die Gewährung von Asyl“ aufgehoben und in eine Art Gnadenakt umgewandelt. Da dies Gesetz aber bloß im Ausnahmefall Gnade vor Aufenthaltsrecht ergehen läßt, wird der ungebetene Gast in der Regel recht bald wieder verabschiedet. Die Verabschiedung besorgt dann die uniformierte Exekutive gemäß § 46 FPG:

Fremde, gegen die eine Rückkehrentscheidung, eine Anordnung zur Außerlandesbringung, eine Ausweisung oder ein Aufenthaltsverbot durchsetzbar ist, sind von den Organen des öffentlichen Sicherheitsdienstes im Auftrag des Bundesamtes zur Ausreise zu verhalten.

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Abteilung: Aufgelesen, Kaputtalismus, The real pulse of Europe | Kommentare (0) | Autor:

The real pulse of Europe (2): France

Donnerstag, 8. Juni 2017 0:10

Fundstücke*, den Zustand der
abendländischen Werte betreffend.

Annika Joeres referiert auf Zeit.de, was Amnesty International über die Menschenrechtslage in Frankreich herausgefunden hat. Dort ist bereits seit dem 13. November 2015 der Notstand ausgerufen, obwohl so etwas in einem wahrhaft demokratischen Staat jene Ausnahme sein müßte, die verboten gehört. „Das Außergewöhnliche wird Alltag“ lautet der fast beschwichtigende Titel über Joeres‘ Artikel. Im Text wird allerdings nichts beschönigt. Es ist ein rechtes Gruselkabinett:

Im vergangenen Jahr wurden beispielsweise Demonstrationen verboten, obwohl die Bürger etwa gegen den Bau eines Flughafens oder gegen ein umstrittenes Arbeitsgesetz auf die Straße gehen wollten. Nach einem Bericht von Amnesty hätten die Behörden seit den Pariser Anschlägen 155 Erlasse gegen öffentliche Versammlungen verfügt und 574 Menschen die Teilnahme an Demonstrationen gegen die geplante Arbeitsmarktreform verboten.

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Abteilung: Aufgelesen, Kaputtalismus, The real pulse of Europe | Kommentare (0) | Autor:

The real pulse of Europe (1): Spain

Samstag, 3. Juni 2017 1:23

Ab jetzt in unregelmäßiger Reihenfolge:

Fundstücke*, den Zustand der
abendländischen Werte betreffend.

Aus einem Artikel von Hans-Christian Rössler über die Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit in jenem Euroschäubleausteritätslabor unter offen korrupter, postfranquistischer, in Brüssel wohlgelittener Führung:

„Es gibt keine Unschuldsvermutung wie im Strafprozess. Alles, was die Polizei angibt, gilt als wahr. Der Beschuldigte muss das Gegenteil beweisen“, sagt der Anwalt David Amelang López. In dem Gesetz, das Geldstrafen bis zu 600.000 Euro vorsieht, geht es nicht nur um den Respekt vor den Beamten: Ohne Erlaubnis dürfen sie nicht während eines Einsatzes fotografiert und diese Bilder im Internet veröffentlicht werden. Es verbietet auch, direkt vor den Parlamenten zu demonstrieren und Protestplakate an Gebäuden anzubringen, wie es Umweltschützer von Greenpeace immer wieder tun. Wer versucht, Zwangsräumungen von Wohnungen zu verhindern, macht sich ebenfalls strafbar. Auch spontane Sitzstreiks und Zeltlager sind verboten, wie es sie monatelang an der Madrider Puerta del Sol gegeben hatte. Zugleich können Polizisten eine Geldstrafe von 601 Euro gegen alle verhängen, die in der Öffentlichkeit Alkohol trinken.
[FAZ.net, 2.6.2017]

Für wen die 600 Euro sind, kann ich mir denken. Aber der alberne Euro obendruff – ist das Schmerzensgeld? Für die armen Büttel, die ganz wund sind vom Bürgerschikanieren?

* Sachdienliche Hinweise nimmt der „Abfall“-Admin gern entgegen.

Photo: „EU flag-map“, by Own [Public domain],
via Wikimedia Commons

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Abteilung: Aufgelesen, Kaputtalismus, The real pulse of Europe | Kommentare (2) | Autor:

Aufgelesen (5): Dr. Köhler übers Vadderland

Mittwoch, 8. März 2017 0:36


Jeden Tag les ich allerlei, das mir allen Mut nehmen will. Ich finde aber auch täglich etwas, das mein Herz stärkt.

Folgendes zum Beispiel ist ein ABC-Schüler-Merksatz, wenn es je einen gab – der große Peter Köhler hat ihn ins neue KONKRET-Heft graviert:

Nun mag Patriotismus in anderen Ländern harmlos sein. In Deutschland ist Patriotismus ein Verbrechen gegen die Menschheit.

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Aufgelesen (4): Biermann, Merkel, NSA

Freitag, 17. Februar 2017 3:36


Das Unbelehrte an den albernen, gleichermaßen beleidigten und gestelzten resp. düpierten Gesten der Qualitätsjournalisten, das Publikum, das sie mit ihrer Masche vergrämten, wieder zu vergähnen, läßt sich klar erkennen, wo diese Qualitätsjournalisten eine Schreckschraube schönschreiben, die so plan- und gewissenlos, so opportunistisch usw. ist wie, fälltmirgradein: Kanzlerin Merkel. Sie, die Qualitätsjournalisten, möchten sie, die Schnurzundschönschwaflerin*, unbedingt behalten, weil die und sie im Wesen identisch einfältig sind. Und darum zeichnen die edlen Federn, wenn die Kanzlerin ihre Verachtung für das Amt und die Moral des Amts vor einem Parlamentsausschuß grienend preisgibt, so was Phantasmagorisches:

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Abteilung: Aufgelesen, Kaputtalismus, Qualitätsjournalismus | Kommentare (3) | Autor:

Mit großer Verspätung: Kniefall vor Kirk

Dienstag, 14. Februar 2017 0:10

Eine lebende Legende im März 2011


Als der eminente Schauspieler Kirk Douglas
am 9. Dezember 2016 seinen 100. Geburtstag beging, war unter den ehrenden Gästen auch Steven Spielberg. Der mächtigste Regisseur, der je gelebt hat, verneigte sich vor dem würdigen Greis so tief, wie es nur geht, als er in seiner Laudatio erklärte:

I wanted to come here and say I‘ve been shooting movies and television shows for now 47 years and I‘ve worked with the best of them and you’re the only movie star I ever met.
[The Telegraph, 10.12.2016]

Douglas verdiente die Huldigung vollauf. Als Darsteller und Produzent hat er dem diabolischen Studiosystem des alten Hollywood Spielfilme abgetrotzt, deren Eindringlichkeit Douglas‘ physischer Präsenz vielleicht noch mehr zu verdanken ist als der Integrität der Inszenierung.

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Abteilung: Aufgelesen, Moving Movies, Zeuge der Geschichte | Kommentare (3) | Autor:

Zeuge der Geschichte (6)

Sonntag, 18. September 2016 23:58

fichtelgebirgskasperle_teufel_1_c_oelbauer


Als ich, etwas verspätet, vom Ableben des römisch-katholischen Exorzistenpaters Gabriele Amorth* las, dachte ich: Na, da hol ihn doch der Teufel!

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Abteilung: Aufgelesen, Zeuge der Geschichte | Kommentare (1) | Autor: