Archiv für die Abteilung 'Ironie off'

State of the Union, Vol. 2

Sonntag, 13. November 2016 21:06

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Bert Brecht wußte alles voraus, was uns Zeitgenossen entsetzt, und zwar bereits vor 86 Jahren, nämlich in Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. BB kannte den Trump längst, als der noch nicht mal ein Glitzern im Auge seines Vaters war:

Erstens, vergesst nicht, kommt das Fressen,
zweitens kommt der Liebesakt,
drittens das Boxen nicht vergessen,
viertens Saufen, laut Kontrakt.
Vor allem aber achtet scharf,
daß man hier alles dürfen darf.
(Wenn man Geld hat.)

Der Dichter sah den US-Wahlkampf 2016 vorher mit allen bestialischen Parolen:

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Abteilung: Ironie off, Kaputtalismus, Litterarische Lustbarkeiten, Zeuge der Geschichte | Kommentare (5) | Autor:

Somewhere under the rainbow

Dienstag, 12. Juli 2016 23:59

Für meine Otterin

In diesem Sommer, der seinen Namen nicht verdient, jedenfalls nicht hier oben auf 10° Länge/53° Breite –, in diesem elend verregneten, matschigen, farbarmen Sommer, der nur Fäulnis und Moder verbreitet und allein den Nacktschnecken, diesen Spottgeburten aus Matsch und Scheiße, behagt –, in diesem Sommer also gab es bisher nichts, was mir ein Gefühl von Sommerfrische eingab.

Doch heute abend, gegen 20 Uhr, bei der Jagd auf Pulmonata im Kleingarten, erschien dies hier am östlichen Himmel in makelloser Schönheit, und wie zum Trost für die vielen Tage ohne Sommers Glanz und Pracht sogar gleich zweifach (und natürlich hatte ich wieder bloß mein Smartphone und keine ordentliche Kamera dabei, doch die Erscheinung war majestätisch genug sogar für mindere Technik):

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Abteilung: Ironie off, Parzelle 73, Selbstbespiegelung, Sommerfrische | Kommentare (11) | Autor:

Im Erdschatten

Montag, 28. September 2015 21:28

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Aus dem Bett gewälzt um viertelnachvier, auf den Balkon gestolpert in Socken aus Wolle, und zwischen den Nachtwolken rollt, ein trunkenes Auge, der volle Mond über den Wipfeln: Wie mit Kupfer beschlagen, wirft er das wenige Licht, das er empfängt, matt von sich fort, und kein Mensch ist dort oben, hinabzusehn auf den schwarzen Kreis des Planeten, bestickt mit flickerndem Straß, auf Glut und Lohe am Rand der Biosphäre, diese Krone, verliehen vom Stern, der alles beherrscht, kosmische Apotheose, doch niemand im Meer der Ruhe, sich daran zu berauschen, uns zu berichten, und als die Herbstnacht in die Wollsocken sickert und zwischen den Wipfeln das gerötete Auge sich schließt, ist der Trabant, gestern nah wie ein Freund, fern wie das fernste Gestirn, denn ich weiß, daß auch in 18 Jahren, wenn der Lampion über Hamburg abermals schwelt, dort oben im Staub der Äonen niemand die Pracht des Erdscheins bestaunen wird, zumal ich nicht, mit Siebzig. Bald ist Morgen.

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Congratulazione, adorato dott. Jürgen Roth,

Montag, 16. Februar 2015 19:50

Der Gratulant (hier an einem der schönsten Orte Frankens) wehrt in ungespielter Bescheidenheit die Komplimente ab

Der Gratulant (hier an einem der schönsten Orte Frankens) wehrt in ungespielter, doch unnötiger Bescheidenheit die Komplimente ab

et bon anniversaire, geschätzter Kollege, Всего наилучшего!, verständiger Genosse, happy birthday, lieber Freund – laß mich mal auf den Hocker steigen, Großer, und Dich kräftig umarmen! (Was ichDir fürs frische Lebensjahr wünsche, bleibt im stillen, danngeht‘s auch in Erfüllung.)

Hat mein Weblog Leser, die Dich noch nicht kennen und schätzen? Sollte es so sein, habe ich etwas falsch gemacht. Darum weise ich jetzt nachdrücklich auf Dein und Matthias Egersdörfers herz- und hirnerweiterndes Buch Die Reise durch Franken hin. Das mir in diesem grauen Winter immer wieder mal wie ein guter Schnaps war, ein Trost nämlich und eine Stärkung.

Aber so ergeht’s mir ja stets mit Deinen Schriften, lieber Freund. Denn sie geben den ganzen Mann, sind witzig, hochintelligent, reflektiert, geradeaus; sanft und melancholisch angesichts des Schwachen und Bedrohten, erbarmungslos, doch niemals ungerecht gegen das, was man sich hierzulande von den Eliten, ja, was man sich in diesem albernen Land überhaupt an „Eliten“ bieten lassen muß.

Gleichsam in einer Nußschale aufgehoben sind Deine Stärken und Dein Stil, Deine tadellose Haltung und Dein vorbildliches Deutsch, alter Kombattant, in Deiner jüngsten, mirakulös zwischen Wehmut und Wut oszillierenden, simultan zu Tränen des Zorns und der Nostalgie aufrührenden Taz-Glosse über die Entseelung des Würzburger Hauptbahnhofs.

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Abteilung: Ironie off, Litterarische Lustbarkeiten, Selbstbespiegelung | Kommentare (1) | Autor:

Epiphanie

Freitag, 13. Februar 2015 18:58

Gustav Holst, Olaf Stapledon, Stanley Kubrick, aber besonders dem SDO-Team
im Nasa Goddard Space Flight Center gewidmet


Vor fünf Jahren, am 11. Februar 2010, startete das Solar Dynamics Observatory (SDO)
in einen geostationären Orbit knapp 36.000 Kilometer über Südkalifornien. Seither beobachtet die Sonde eine unnahbare Gottheit, die von den Menschen unter vielen Namen angebetet wurde (und seit neuerer Zeit in, natürlich: Kalifornien, in einigen Bergwäldern, wieder wird): Ra, Huitzilopochtli, Lugh, Mitra, Utu, Helios, Sol … Unsere Heimatsonne. Der brave Forschungsrobot sandte bislang 200 Millionen gestochen scharfe, weit über den Frequenzbereich menschlicher Augen hinausreichende Bilder heim. Daraus entstanden Zeitrafferfilme, deren spektakulärste und atemverschlagendste die Nasa nun zu einem Jubiläums-Clip montiert hat.

Verdunkeln Sie den Raum. Schalten Sie die Telephone stumm. Drehen Sie die Computerlautsprecher auf; der hymnische Score (der sehr nach Jerry Goldsmith klingt) ist es wert. Klicken Sie auf „Play“ und „Full screen“. Entspannen – und den Blick bitte nicht abwenden:

Wenn Sie jetzt weiterlesen, haben Sie den Film wahrscheinlich bis zum letzten Take und Takt gesehen, und falls es etwas dauerte, bis Sie wieder in meine Art Notizbuch zurückkehrten, dann vermutlich, weil Sie wie ich die Nässe aus den Augen wischen mußten. Gestern versprach ich Ihnen, Bekenntnis abzulegen. Hier kommt es.

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Abteilung: Discovery Channel, Ironie off, Moving Movies, Selbstbespiegelung | Kommentare (3) | Autor:

Der schreckliche Iwan (12): Null und nichtig

Samstag, 7. Februar 2015 23:00

640px-Division_durch_Null_Aufmacher_(c)_XenonX3Die „51. Münchener Sicherheitskonferenz“ (MSC) ist erst Sonntagabend vorbei, aber niemand muß bis zu ihrem Ende warten, um zu wissen, welche Botschaft sie in die Welt senden soll: Frieden schaffen mit Bergen von Waffen. Der Vorsitzende der MSC, Wolfgang Ischinger, hat mit seinem Adlatus Tobias Bunde bereits am Freitag für die Frankfurter Allgemeine aufgeschrieben, was nötig sei, um den Bürgerkrieg* in der Ukraine zu beenden:

Wer jetzt eine diplomatische Lösung (…) will, muß das Kalkül der Separatisten und ihrer russischen Unterstützer verändern. Die Vorschläge einer amerikanischen Expertengruppe zielen genau darauf ab. Sie wollen Kiew die Möglichkeit geben, sich selbst zu verteidigen, keine neuen Offensiven ermöglichen.
Dazu brauche die ukrainische Armee unter anderem moderne Kommunikationssysteme, Panzerabwehrwaffen, Drohnen und Radarsysteme.“

Der feine Herr Poroschenko hat diesen Etikettenschwindel – es gibt keine Waffen, die ausschließlich defensiv gebraucht werden können – dankbar übernommen. Bei seinem Auftritt vor der MSC** forderte der Schokoladenoligarch „erneut Waffenlieferungen aus dem Westen. ‚Wir sind eine souveräne Nation, wir haben das Recht, uns zu verteidigen‘, sagte Poroschenko. Es gehe nicht um tödliche Waffen, sondern um Waffen zur Verteidigung.“ (Spiegel online)

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Die beste aller Welten (10): Land of the free

Sonntag, 18. Januar 2015 21:43

Anfang Dezember wurde die Dokumentation eines US-Senatsausschusses über die Foltermethoden der CIA veröffentlicht. Der Bericht erscheint in deutscher Fassung morgen beim Westend Verlag. Auszüge des Reports sind auf der Website der Frankfurter Rundschau nachzulesen:

Verhörmethoden wie Schläge oder das „Walling“ (Gefangene werden gegen eine Wand geschleudert) wurden in Kombination eingesetzt, häufig verbunden mit Schlafentzug und Nacktheit. (…)
Die Methode des Waterboardings war körperlich schädlich; sie verursachte Krampfanfälle und Erbrechen. Abu Zubaydah zum Beispiel wurde „völlig unansprechbar, und aus seinem offenen, vollen Mund quollen Blasen“. (…)
Bei mindestens fünf Gefangenen wurden eine „rektale Rehydrierung“ oder rektale Einläufe vorgenommen, ohne dass dafür eine dokumentierte medizinische Notwendigkeit bestand. Die CIA setzte die Gefangenen in „Bäder“ mit Eiswasser. Die CIA versetzte mehrere Gefangene in den Glauben, sie würden den Gewahrsam der CIA nie mehr lebend verlassen, und einem Gefangenen wurde suggeriert, er werde die Einrichtung nur in einer sargförmigen Kiste verlassen. (…)
Während des gesamten Programms zeigten mehrere CIA-Gefangene, die den verschärften Verhörmethoden der CIA und länger dauernder Isolation unterworfen wurden, psychische und verhaltensmäßige Auffälligkeiten wie Halluzinationen, Paranoia, Schlaflosigkeit sowie Versuche der Selbstverletzung und Selbstverstümmelung.

And the star-spangled banner in triumph shall wave.

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Deutschland, deine Mitte

Montag, 12. Januar 2015 23:15

Spiegel online meldet soeben:

„So viele kamen noch nie: An der Pegida-Kundgebung in Dresden haben laut Polizei 25.000 Menschen teilgenommen, die Veranstalter sprechen gar von 40.000.“

Ich war noch nie im Leben in Dresden. Gründe dafür gibt es viele. Seit heute sind es ca. 25.000.

 

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