Schnipsel (2): 9. März 2018

Überwältigt vom Tempo, in dem die spätbürgerliche Gesellschaft ihren sittlichen und politischen Untergang betreibt, hat der Verwalter des „Abfall“ entschieden,seinen auktorialen Ehrgeiz beiseitezulegen und auf eine Gesellschaft, die im Zeitraffer zerbricht, mit Splittern und Fragmenten zu reagieren. Immer noch besser fassungslos zu stammeln als ohne Fasson zu schweigen. Deshalb: Schnipsel aus der Wahnwelt.

Wechselnde Mehrheiten ausgeschlossen

Habe ich gehofft, daß die Sozen den Seeheimer-Putschisten in die Suppe spucken würden? Ja. Ich bin nun mal ein Tor. Habe ich geglaubt, daß dafür eine echte Chance bestünde? Nein.

Viel zu grell, allen Widerspruch überdröhnend, beschworen sämtliche Qual.medien den Untergang der SPD bei baldigen Neuwahlen, die drohende Explosion der EU sowie die „Verantwortung“ des gemeinen Sozialdemokraten fürs Vaterland. Damit kriegt die Herrschaft den braven Genossen nämlich jedesmal: Lieber genehmigt der den Ersten Weltkrieg oder winkt die Hartz-IV-Tyrannei durch, als sich nachsagen zu lassen, Partei- über nationale Interessen zu stellen. Das typische SPD-Mitglied unterscheidet sich mittlerweile von seinem Analogon bei der CDU allenfalls durch Kleidung und Posen, aber auch das verwischt immer mehr; siehe z. B. Jens Spahn und Lars Klingbeil.

Die offene Propaganda sämtlicher Qual.medien für den Koalitionsvertrag war den Paten im Willy-Brandt-Haus jedoch nicht genug. Also bzw. selbstverständlich hielten die Antidemokraten Nahles, Scholz und Klingbeil kein einziges der Versprechen vom Sonderparteitag am 21. Januar. Die „Offenheit“ der parteiinternen Diskussion bestand u. a. darin, bei den Regionalkonferenzen ausschließlich Befürworter der Großen Kotzalition reden zu lassen und den Abstimmungspapieren eine numerisch drei-, politisch einseitige Stellungnahme zur finalen Entwürdigung der Sozialdemokratie beizulegen.

Die Facebook-Seite der Bundes-SPD ließ nicht einen Gegner des unseligen Bündnisses zu Wort kommen, der Platz für Werbevideos blieb Grauensgestalten wie K. Barley vorbehalten. Wer die Pein, diesen Funktionärsreplikanten zuzuhören, vorsichtshalber mied, wurde mit einer Serie virtueller Plakate zugekleistert, eines unwahrer, trivialer und gemeiner als das andere. Am obszönsten jedoch dieses:

Screenshot der SPD-Seite bei Facebook, Feb. 2018


Falls Sie den Text im Faksimile nicht entziffern können, seien Sie bloß froh. Hier sagt ein Bild tatsächlich mal mehr als tausend Worte, und zwar über die vollendete Entfremdung der SPD-Führung von der Realität, über die, einerseits, Primitivität der Manipulation und über die, nach Auszählung der Stimmzettel, andererseits nicht länger zu leugnende Ignoranz und Dienstbotengesinnung der meisten Spezialdemokraten.

Denen so wenig wie den Qual.medien Kopfschmerzen bereitet, was seit Sonntag Regierungsprogramm ist, nämlich die Ausschaltung des Parlaments, die Abschaffung einer Legislative im Sinn des Grundgesetzes:

Im Bundestag und in allen von ihm beschickten Gremien stimmen die Koalitionsfraktionen einheitlich ab. Das gilt auch für Fragen, die nicht Gegenstand der vereinbarten Politik sind. Wechselnde Mehrheiten sind ausgeschlossen.
Über das Verfahren und die Arbeit im Parlament wird Einvernehmen zwischen den Koalitionsfraktionen hergestellt. Anträge und Gesetzesinitiativen auf Fraktionsebene werden gemeinsam oder, im Ausnahmefall, im gegenseitigen Einvernehmen eingebracht. Die Koalitionsfraktionen werden darüber eine Vereinbarung treffen.
Koalitionsvertrag 2018, S. 177

Wer sich derart frech gegen die Verfassung verschwört, der braucht kein Ermächtigungsgesetz mehr. Die neuen Faschisten müssen sich das Bett nicht mal aufschütteln, das haben Merkels Innen- und Justizminister schon erledigt. Nur Stinkstiefel müssen die vom rechten Rand noch mitbringen. Aber da herrscht kein Mangel.

***

Demokratie gefährdet die Demokratie

Die Verrenkungen und der Selbstbeschiß, die Blödheit und Rabulistik zugleich, mit welchen die herrschende Klasse den Status quo konserviert, obwohl der verfault ist, können den Kenner der Historie kaum überraschen. Und trotzdem anwidern.

Denn wenn der „weltoffene“ Bürger gehobenen Standes die Grundlagen seiner Fettlebe bedroht sieht, wird‘s schmierig. Dann gilt der Verrat vormals sakrosankter Prinzipien als „staatsbürgerliche Klugheit“ oder „politische Vernunft“, dann ist keine Ausrede zu dumm, um sich und den anderen einzureden, es sei schon nötig, fürs Gute etwas Übles zu tun und die „Basics“, die bis gestern so entscheidend waren, zu verschrotten.

Dann wird begründete Kritik an der hiesigen Variante der Demokratie als „demokratiefeindlich“, werden interessante Vorschläge („Minderheitsregierung“) als „illusorisch“ diffamiert. Bleiben muß, um jeden Preis, was war; und die hehren Werte der Bourgeoisie sind ein Ramsch,wenn es um die wahren Werte geht, die mit den Zahlen und Wasserzeichen. Freedom & Democracy die „DNA“ zu nennen, die „unseren“ Staat kennzeichne, einmalig mache, die „uns“ auch von denen unterscheide, die nicht so wollen, wie „wir“ es gern hätten – das wird weiterhin getan, und wie. Aber es ist nur Marktgeschrei und Gewäsch. Die „universalen Werte“ sind einen Pofel wert, sobald die Herrschaft Sorgen ums Geld hat.

Wir lassen seit einem halben Jahr Leute regieren, die über keine, read my lips: keine parlamentarische Legitimation verfügen. Und wir besitzen dennoch die Schamlosigkeit, Nicolás Maduro einen Antidemokraten zu nennen –? Wir sehen wortlos zu, wie junge Leute in den Knast gestopft werden, weil sie sich bei einer Knüppelorgie wie Küken zusammenkrümmten, und wir haben zugleich die Frechheit, Putin zu erzählen, daß er Demonstranten gefälligst gewaltfrei behandeln soll –? Diese Schizophrenie hält niemand durch, ohne zu spinnen. Den Beweis liefert Michael Thumann, „außenpolitischer Korrespondent in der Hauptstadtredaktion“ der „Zeit“. Als Mann fürs Außenpolitische eine Meinung zum SPD-Hader über eine abermalige Koalition mit Merkel zu verbreiten, ist kühn, doch nicht untersagt. Halt ein Experte und so.

Michael Thumann, dieser Musterjournalist einer Musterpresse, deren Muster nie aus dem Rahmen fallen, aber ohne intellektuellen Wert sind –: dieser Thumann quallte Ende Februar in die „Zeit“ hinein :

Mir ist sehr unwohl dabei, daß in diesen Tagen ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung darüber bestimmt, ob wir nun jetzt endlich eine neue Regierung bekommen oder nicht. Ich bin mir auch nicht sicher, ob Abstimmungen wie der Mitgliederentscheid der SPD über die große Koalition unsere Demokratie wirklich besser machen – oder ob sie nicht am Ende (unabsichtlich) die Demokratie gefährden.
Zeit online, 26.2.2018

Ja, da staunen Sie, liebe Leserinnen und Leser – die Demokratie gefährdet, wer sie ausübt! Das wäre Ihnen sicherlich nicht so ohne weiteres oder Alkohol eingefallen. Aber Sie sind ja auch kein Qualitätsjournalist mit dem magischen Talent, die Dinge „einzuordnen“ und Sachverhalte zu „vermitteln“. Michael Thumann weiß – anders als Sie dumme Wurst –, daß die Befragung der SPD-Mitglieder keineswegs ein Akt innerparteilicher Demokratie, sondern ein perfides Unternehmen ist, das zwischen den Mauern des Kreml ausgeheckt ward. Man kann sich als denkender Mensch diesen Propagandamüll nicht ausdenken, mir jedenfalls wird sehr unwohl dabei:

Wozu [sic!] das führt, würden wir in Deutschland sehen, wenn die SPD-Mitglieder die Groko ablehnten: in die permanente Regierungsbildung – und die Abwesenheit aller Macht. Dann wird weder entschieden noch regiert, noch irgendetwas durchgesetzt.
Damit aber macht sich die Demokratie als Ganzes angreifbar. Ich kann das Grummeln von deutschen Putin-Fans [sic!] nicht vergessen, die ständig darüber klagen, daß bei uns ja nichts entschieden wird. Daß die Politikerinnen und Politiker keinen Plan haben und nicht zu Potte kommen. Daß ewig lange palavert wird. Aber bei Putin in Russland, tja, da sei das ganz anders.
a. a. O.

Also: Die AfD bekommt Auftrieb, wenn SPD-Mitglieder sich Gedanken über die Politik machen? Und: Putin gewinnt, weil es bei uns nicht wie unter Putin zugeht? Dieses Prachtstück aus der Meinungsmanufaktur wird künftigen Zeitungswissenschaftlern (sollte es sie geben) viel Vergnügen bereiten. Es ist das Bigotteste, zugleich Blödeste, was ich im Politikteil der „Zeit“ je gelesen habe, und das will was heißen.

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Terminal Osdorf-Nord

„Echte Wissenschaftler (die nicht auf Facebook posten) sprechen den Mehrheitsmeisen das Gespür für ‚transmaterielle Bedürfnisse‘ (Marcuse) rundweg ab.“ [Jürgen u. Thomas Roth: Kritik der Vögel, Berlin 2017, S. 90]

Was folgende, ebenso heimtückische und hinterrückse wie prahlerische und prutale Attacke von Kohlmeise Pippin auf Amselmann Django hinlänglich demonstriert:

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Kontrolle ist besser

Der klügste Leser, des‘ ich mich rühme, rüffelt den Blogger, weil der in einem Nachsatz zu einem Leserkommentar das Gerücht weiterverbreitete, Oskar Lafontaine habe einst große Stücke auf die Nahles gehalten. Eine Fake-News ersten Kalibers! Tatsächlich protegierte die gruselige Vollblutintrigantin aus der Eifel einst kein anderer als der „Hufeisen“-Lügner, Bombentyp und Jacuzzi-Schnacksler R. Scharping.

Das hätte ich besser wissen müssen; ich bitte das geneigte Publikum um Entschuldigung. Und rate in diesem Zusammenhang zu gesundem Mißtrauen gegen alle Weisheiten, die ich in den „Abfall“ schnetzle. (Doch das muß ich Ihnen nicht sagen.)

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Loslegen

Im sehr staatstragenden „Echo des Tages“, das WDR 5 und NDR Info allabendlich um 18.30 Uhr ausstrahlen und das ich ungern versäume, weil man ja wissen will, welche halben Wahrheiten aktuell verbreitet werden – in dieser viel zu gut gemeinten Nachrichtensendung wurde am 5. März vor allem über die kommende Regierung geredet. Dabei gaben Moderatorin Antje Diekhans und Korrespondentin Dagmar Pepping einander nichts an Infantilität und Kritiklosigkeit, was freilich auch komische Seiten hatte. Dito ein Beitrag von CSU-Hofberichterstatterin Julia Barth: wie sie der CSU einen Verjüngungsprozeß andichtet, das hat Nonsensqualität knapp unter Heino Jaeger; aber es ist ihr Ernst. Ein Qual.journalismus, den nur Männer noch dämlicher hinbekämen:


Als Hahn in diesem Hühnchenstall kräht kurz Juso-Chef Kevin Kühnert auf, und es ist zum Einschlafen bieder:


Die Jusos werden also die – garantiert – kommenden antisozialen Gemeinheiten „ganz eng mitbegleiten“? Nach einer „Erneuerung“ klingt das nicht. Sondern wie die Kapitulationserklärung jenes Typen, der nach der nächsten Bundestagswahl das Licht löschen muß.

PS. Drei Tage nach diesem Totalausfall des Journalismus verrichtet, wiederum im „Echo des Tages“, eine zum Erbrechen fröhliche Qual.journalistin das Hohe Amt der Public Relations für die frisch ausgekungelte Irgendwasministerin Franziska Giffey (SPD). Ist doch schön, dürfte die Unerträgliche, sollte sie‘s hören, denken, daß über unsere Regentschaft wieder so speichelleckerisch berichtet wird wie einst in der „Aktuellen Kamera“! Nein, einen Staatsfunk haben wir nicht. Aber eine Heerschar karrieregeiler, talent- und kritikloser Schranzen, Hohlköpfe und Sackpfeifen, die von ihren Nachrichtenchefs auch noch gelobt statt zum Teufel gejagt werden:

 

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Turn the radio on

Meine Verachtung gewisser Radioformate soll keineswegs ein Plädoyer für die Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems sein. Ich möchte wirklich nicht darauf verzichten. Dort sind immer noch viele Kolleginnen und Kollegen, die ihre Arbeit gewissenhaft und bedächtig erledigen. Etwa beim Deutschlandfunk, der mich mit dem Besten versorgt, was an Radioreportagen hierzulande zu haben ist.

Zum Beispiel dae Feature, das ich Dienstagabend beim Küchendienst hörte. Vor Faszination und Irritation legte ich mein Spültuch bald beiseite, setzte mich auf den einen Küchenstuhl, der nicht wackelt, und hörte nur mehr zu. Philine Sauvageot sprach für ihren Bericht „Unter Kontrolle – Wie Pädophile mit ihrer Neigung leben“ mit Männern, die sich geschworen haben, niemals ein Kind zu mißbrauchen. Hören Sie, bitte, unbefangen hin, prüfen Sie Ihr – verständliches – Vorurteil. Da sind Männer, die aus Gründen der Moral und der Menschlichkeit auf die Liebe verzichten, weil sie begriffen haben, daß ihre Art zu lieben nur durch Gewalt und Schrecken zu befriedigen wäre.

Was Sauvageot zu erzählen weiß über die Qualen, die Angst und das Dilemma dieser Männer, auch über deren Methoden zur Selbstdisziplinierung, und wie Sauvageot ihre eigenen Vorbehalte gegen die Pädophilen behandelt –: So stelle ich mir Journalismus mit Qualität vor. Dem sind Antworten nämlich wichtiger als die Fragen, und die Komplexität eines Problems löst er nicht, indem er es banalisiert wie, siehe oben, die informellen Regierungssprecherinnen vom „Echo des Tages“. Nehmen Sie sich mal die Zeit für ein ergreifendes, nicht leicht verdauliches Stück des öffentlich-rechtlichen Rundfunkbetriebs.

PS. Und auch den „Gladbeck“-Zweiteiler von Kilian Riedhof sollten Sie sich genehmigen, solange der Film in der ARD-Mediathek steht. Seit einer halben Ewigkeit habe ich nicht solch ein packendes, aufwühlendes, handwerklich vollkommenes TV-Stück gesehen, jedenfalls keines aus deutscher Produktion.

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Die Priorität deutscher Regierungspolitik …

… liegt nicht im sogenannten „Sechsten Massenaussterben“, über das Elizabeth Kolbert schrecklich anschaulich sagt:

If we assume, very conservatively, that there are two million species in the tropical rainforests, this means that something like five thousand species are being lost each year. This comes to roughly fourteen species a day, or one every hundred minutes.

Auch der rasende Wandel des Erdklimas steht in der To-do-Liste der alten neuen Regierung nicht unter Punkt eins – die Apokalypse kommt auf dem Wisch nicht mal vor. Ende Februar meldete „Zeit online“, in einem seltsam flapsigen Ton:

Arktis im Winter: So wenig Eis war nie.
Deutschland bibbert, in der Arktis aber taut es: Nie gefror dort weniger Meereis als diesen Winter. Der Point of no Return? Die Entwicklung könnte schon unumkehrbar sein.
Zeit.de, 28.2.2018

Na, wennste eh nix machen kannst, kannstes ooch lassen. – Und so widmet sich das ungewählte Regime lieber Angelegenheiten, die ihm das Grundgesetz ausdrücklich verbietet. Gestern las ich, wiederum auf „Zeit online“:

Regierung beschließt Ausweitung von Bundeswehreinsätzen.
Das Bundeskabinett will die Einsätze in Afghanistan, Irak und Mali aufstocken.
Zeit.de, 7.3.2018

Denn wenn die Welt schon untergeht, dann bitteschön im Krieg!
Gez. Ihre SPD.

***

Tacos in Beeville

If you put that in context with everything else we knew the Russians were doing to interfere with the election. And just the historical practices of the Russians, who typically, almost genetically driven to co-opt, penetrate, gain favor, whatever, which is a typical Russian technique. So we were concerned.“
James Clapper (unter B. Obama von 2010 bis 2016
Director of National Intelligence) am
28.5.2017 bei NBC

Die längst nicht mehr lächerlichen, die völlig wahnsinnigen Geschichten, welche uns über „Russiagate“ erzählt werden, diese nicht auf tönernen, sondern auf gar keinen Füßen stehende Verschwörungsspinnerei hat C. J. Hopkins in seiner furiosen Polemik „The Cult of Authority“ auf ein vollkommenes Gleichnis gebracht. Hopkins widmet sich einer Debatte, die Glenn Greenwald und James Risen, moderiert von Jeremy Scahill, neulich bei „The Intercept“ führten:

Watching Greenwald, Risen, and Scahill sitting there, like rational people, „debating“ whether Donald Trump might be part of some convoluted Russian conspiracy to destroy America and Western democracy, I felt like I was finally having one of those apocryphal LSD flashbacks. It was as if I was watching these respected journalists debating whether the face of Jesus may have actually appeared on a breakfast taco at a daycare center in Beeville, Texas.
Counterpunch, 7.8.2018

Der logisch analysierende Mensch, auch der in Beeville, Texas, fragt sich schon, warum die Ermittler, Journalisten und DNC-Politiker sich nicht den Steuererklärungen Donald Trumps widmen oder seinen jahrzehntelangen Geschäftsbeziehungen zu Mafiosi jeder, selbstverständlich auch russischer Provenienz. Stünden die Geldwäsche, die Unterschlagungen, die Hinterziehungen und vielen anderen Straftaten der Trump-Schwindelfirmen sowie die offene Bereicherung eines Präsidenten im Amt und der Nepotismus im Weißen Haus auf der Agenda Robert Muellers, „The Donald“ säße seit April 2017 im saudi-arabischen Exil.

Aber dieser reale Schmutz wird nicht aufgerührt. Vielleicht weil so viele Politiker und Sponsoren der Demokratischen Partei in New York City an Trumps dreckigen Deals mitverdienten? Doch ehe wir darüber was erfahren werden, sind die USA bereits eine lupenreine Tyrannei. Deren Grundsteine die angeblichen „Democrats“ mitgelegt haben, wie der würdige George-Carlin-Schüler Lee Camp in seiner Brandschrift „Six Ways the ‚Resistance‘ Gave Trump a Dictator‘s Toolkit“ ausführt:

Just to sum up, the Democrats have helped, voted for, and often argued in favor of all of the following:

1. Giving Trump unlimited war powers.
2. Giving Trump unlimited trade negotiation powers.
3. Giving Trump unlimited surveillance powers.
4. Giving Trump the power to lock someone up indefinitely without a trial or charges under the National Defense Authorization Act.
5. Giving Trump the power to assassinate American citizens without a trial or charges.
6. Giving Trump’s administration full control of our election system infrastructure.

If this is considered „resistance“, then I don’t want to be a part of it. I’d rather spent my time resisting the „Resistance“ and thereby taking this dictator‘s toolkit away from Donald Trump.
Truthdig, 5.3.2018

Trump muß und kann nur als Verbrecher, nicht als Verräter gestellt und verjagt werden. Die Mehrheitsverhältnisse in Kongreß und Senat ließen ein erfolgreiches Impeachment-Verfahren nicht mal zu, sollte an der „Collusion with Russia“ irgendwas dran sein. Und da findet Mueller seit einem Jahr buchstäblich nichts Verwertbares. Vielleicht ist dies den „Dems“ in Washington sogar recht.

Denn wie könnte irgendeiner von ihnen noch die U. S. of A. eine „exceptional nation“ (B. Obama) nennen und entsprechende Außenpolitik betreiben, wenn der Präsident als Mobster angeklagt wird und das Weiße Haus wie der Palast eines Bananendiktators dasteht? Dann doch gleich eine richtige Diktatur, haben die DNC-Verweser entschieden, und den dortigen wie den hiesigen Qual.medien ist diese Abschaffung der Demokratie schlicht schnuppe. In den todsicher kommenden Kriegen stört so was ja nur.

Daß die durchgeknallte „Russia! Russia! Russia!“-Kampagne mittlerweile gegen alles hetzt, was an wirklich linker Dissidenz noch übrig ist, hat der brillante Matt Taibbi im „Rolling Stone“ dokumentiert. Bernie Sanders z.iB. weiß selbstverständlich, daß Trump nicht wegen Facebook-Inseraten im Wert von 100.000 US-Dollar Präsident wurde, zumal 56 Prozent der oft nicht mal politischen „Ads“ erst nach dem Wahltag im asozialen Netzwerk erschienen. Senator Sanders weiß, wer tatsächlich schuld an Clintons Niederlage ist: John Podesta, James Comey und vor allem sie selbst. Doch lieber schließt Sanders sich den „Russia! Russia! Russia!“-Schlachtrufern an, als seine politische und zivile Existenz aufs Spiel zu setzen. Daß „The Bern“ mit seinem Kotau vor den Propagandisten und Diffamierungsartisten die Existenz der Menschheit aufs Spiel setzt, weiß er vielleicht nicht. Es machte seinen Fall jedoch nicht sympathischer, wäre Sanders ahnungslos. Nur trauriger. – Taibbi schreibt:

This Russians-are-in-our-precious-bodily-fluids insanity has progressed to the point where an anti-Russian documentary won the Oscar and host Jimmy Kimmel proudly declared, „At least we know Putin isn‘t rigging this competition!“
If you don‘t think that the endgame to all of this lunacy is a world where every America-critical movement from Black Lives Matter to Our Revolution to the Green Party is ultimately swept up in the collusion narrative along with Donald Trump and his alt-right minions, you haven‘t been paying attention.
That‘s because #Russiagate, from the start, was framed as an indictment not just of one potentially traitorous Trump, but all alternative politics in general. The story has evolved to seem less like a single focused investigation and more like the broad institutional response to a spate of shocking election results, targeting the beliefs of discontented Americans across the political spectrum.
The new blacklist“, RollingStone.com, 5.3.2018

***

The art of storytelling

Selten eine ödere (Jimmy Kimmel, s. o.!) Oscar-Show gesehen, selten mehr Ekel vor der Scheinheiligkeit und dem Kitsch dieser babylonischen Gala empfunden. Die Einschaltquote in den USA beweist, daß es den meisten Amis genauso wie mir ging:

The doomsday ratings scenario has hit the Oscars.
A record low 26.5 million people watched Sunday night’s telecast, a nearly 20 percent drop versus last year.
It also represents a startling drop off: As recently as four years ago, the Academy Awards had an audience of 43.7 million viewers.
New York Times, 5.3.2018

Ich allerdings habe nicht geswitcht, sondern mir sämtliche Peinlichkeiten angesehen, und, wahrlich!, ich sage euch, ich bin sehr froh, daß Martin Scorsese dem Schmierentheater diesmal fernblieb.

Trotzdem war er präsent und brachte – zusammen mit Kathryn Bigelow, James Cameron und Alejandro Iñárritu – in den nicht enden wollenden Show- und Schmalzbrei die einzige Minute wahrer Kinomagie und echter Illusion. In einer der elend langen Werbepausen war plötzlich ein Clip zu beobachten, den die drei Maestri und die Maestra gemeinsam für Rolex anfertigten. Von Uhren erzählen sie nichts. Diese Reklame ist gar keine. Sondern ein Juwel der Kürzestfilmkunst.

Die Genies porträtieren sich selbst, ihre cinematographische Ästhetik, ihre Utopie in wenigen, umwerfend gestalteten Sekunden. Was Cameron zum Schluß über das Filmemachen sagt, sollte für jede Kunst gelten. – Ich saß und ich sah und ich war gebannt; und seither dank Youtube x-mal wieder:

In einem zweiten Stück, einem superschnellen Making-of, das in wenigen, phantastischen Einstellungen die Dreharbeiten zu „Rolex celebrates the art of storytelling“ zeigt, beschreiben die Meisterregisseure einander voller Achtung und Bewunderung, jeder Satz ist Hymne. Wie zumal Monsignore Scorsese seinem Kollegen Cameron den Segen erteilt („He`s a visionary“) … Nun, ich hatte und habe bei diesem Clip eine Gänsehaut, die schöne Variante:

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Mea culpa

Knapp vor bzw. über dem Kommentarformular eine aufrichtige Bitte um Pardon an alle Kommentatoren, die erst heute ihre Anmerkungen veröffentlicht sehen. Es gibt Zeiten, da möchte ich mit dem Blog einfach nichts zu tun haben. Nehmen Sie es, prego, nicht persönlich!

Besoffene u./o. faschistische u./o. blödsinnige Kommentare werden freilich weiterhin grußlos gelöscht. – Was wollen diese Leute überhaupt hier? Haben die gar keine Angst, sich den linksgrünen Siff einzufangen? Oder eine Überdosis Fremdwörter? Und einen Arschtritt noch dazu? U. A. w. n. g.

Admin „Abfall“

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12 Kommentare

  1. 1

    Als Fotoredakteurin sofort erkannt! Die SPD kauft auch die Fotos für die Rentnerwerbung SEHR billig ein, nämlich bei Colourbox (steht unten links auf der Facebook-Seite). Und Colourbox ist eine sogenannte Microstockagentur, Fotos kosten nur ein paar Cent. Hier ein Blick auf deren Preise:
    https://www.colourbox.de/products
    Und hier kann man übrigens die beiden Stock-Rentner-Fotomodelle mit ihrem fiktiven Enkel sehen:
    https://www.colourbox.de/bild/bild-1016814
    Finde ich schon peinlich.
    Gruß, Martina

    Peinlich ist geprahlt. Andererseits: Zu einer billigen Propaganda passen billige Bilder, und nach der Wahlkatastrophe vom September ist nicht mehr viel Geld in der Parteikasse. Beim nächsten Mal wird die SPD wahrscheinlich mit Instagram-Schnappschüssen des Ortsverbandsvorsitzenden Wanne-Eickel-West an den Start gehen. KS

  2. 2

    Natürlich wieder mal ein guter Text. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, meinen Senf dazu zu geben: Nahles, Gladbeck-Geiseldrama, Fraktionszwang.
    Die gruselige Vollblutintrigantin aus der Eifel hat eine radikale 360-Grad „Wende“ hingelegt.
    Zum Fraktionszwang im Koalitionsvertrag belehrte mich neulich ein Kommentator in einem anderen Blog, daß das doch nicht verbindlich sei und führte als Beweis das Verhalten des Landwirtschaftsministers Ch. Schmidt an, der im EU-Parlament angeblich gewissenskonform für die Verlängerung des Glyphosateinsatzes votiert hat. Ich würde sagen, daß es eher der Auftrag von Monsanto bzw. der Landwirtschaftsloby war, der sein Gewissen ausschaltete.
    Zu Gladbeck kann ich mich an das skrupellose, rücksichtslose und frei von jeglicher journalistischer Ethik gezeigte Verhalten des Bambi- und Grimmepreisträgers (Preise sind wie Hämorrhoiden, irgendwann kriegt jeder einen) Frank Plasberg erinnern.
    Vor Jahren gab es im Netz noch Bilder, die ihn seinerzeit mit Blouson und Vokuhila in der Reportermeute in Köln neben dem Täterfahrzeug zeigten. Heute ist er auf keinem der original mitgeschnittenen Videos auf Youtube mehr zu sehen. Sauber Arbeit. So verwischen Täter ihre Spuren.
    Infos dazu hier (nur 3 Min.):
    https://www.youtube.com/watch?v=IHI_DQcKt5Y
    Heute steht er zu seinem Verhalten. Es gäbe nichts zu entschuldigen, es sei Teil seiner Biografie. Entschuldigungsfloskel: Hätte er es nicht gemacht, hätten es andere gemacht.

    Die übliche Ausrede seit 1945. Plasberg ist ohne Frage eine der widerlichsten, reaktionärsten Figuren im widerlichen, reaktionären Massenmedienbetrieb unserer Tage. Kein Gewissen, keine Selbstkritik, keine Ahnung. Ein Karrierezombie, wenn je einer war. Kann man irgendwo drauf wetten, daß Plasberg Sprecher einer AfD-Bundesregierung sein würde, wäre es demnächst so weit? Ich tät – ohne ein Risiko einzugehen – sofort 100 Euro beim Buchmacher hinterlegen. Vielleicht der schlimmste, scheußlichste „Journalist“, den ich mit meinen Zwangsgebühren stopfen muß. A natural born Brschloch. – Danke für den Link! KS

  3. 3

    Vielen Dank für die Radiotips! Ich höre zu wenig Radio. Solche Stücke gleichen tatsächlich das Grauen etwas aus, das auf den guten Sendeplätzen verbreitet wird, und ich gelobe, meine Gebühren mit einem etwas leiseren Knurren zu entrichten.
    Vielen Dank auch für das neue Video aus dem moralischen Leben der Tiere! Es ist sehr hübsch und bietet mir darüberhinaus Anlaß/Ausrede/Vorwand, von meiner jüngsten Begegnung beim Radeln zu berichten:
    Vor einigen Tagen nämlich sah ich am Wegrand Hermann L., das Hermelin, noch im strahlend weißen Winterkleid (hochelegant, bestimmt italienisch!), wohl skeptisch und wider besseres Wissen spähend, ob der zaghaft anbrechende Frühling nicht vielleicht doch einen roten Silberstreif am Horizont trüge. Stattdessen näherte sich leider ein Traktor, laut donnernd und schamlos braune Gülle verspritzend, worauf sich Hermann L., das Hermelin, rasch und indigniert verzog – vermutlich in seinen Bau, um eine Kolumne zu schreiben.

    Sie erzählen solche Anekdoten vermutlich nur, um mich abgrundtief neidisch zu machen (und Sie sind damit erfolgreich). Ich habe Sie, Herr Remane, durchschaut! – Davon abgesehen: Ich beneide Sie abgrundtief um dieses Erlebnis. Seufz! (Den echten Hermann L. vergliche ich allerdings eher mit einem lachsfangenden Grizzlybären. Aber dann wär natürlich Ihr schönes Wortspiel kaputt.) KS

  4. 4

    Danke für die Schnipsel! Ein verdammt gutes Format, besonders „für eine Gesellschaft, die im Zeitraffer zerbricht“. (!)
    Fürs erste nur etwas zum „Gladbeck“-Zweiteiler, den ich mir in der Mediathek angesehen habe, weil ich mir unser Fernsehprogramm kaum noch zumuten mag. Ein sehr guter Film. Ich bin erschüttert durch das Leid der Geiseln, die Armseligkeit der Entführer, den unglaublichen Dilettantismus der Behörden und die unerträgliche Penetranz der Presseleute. Die zuständige Polizei hat völlig versagt; ihr Gerangel um die Kompetenzen, bzw. das Weitergeben der Verantwortung an das nächste Bundesland – so etwas gibt es wohl nur in diesem Land, auch, aber nicht nur (!) geschuldet den verschiedenen nicht koordinierten Zuständigkeiten.
    Das Mindeste wäre gewesen, ein paar Krankenwagen und Psychologen am Ort zu haben! Alle hätten Hilfe gebraucht. Die Nachrichtensprecherinnen sprechen ständig von Zynismus im Zusammenhang mit den Geiselnehmern, dabei sind sie es, deren Aussagen zynisch sind. Außer den Geiseln und deren Angehörigen gehört mein Mitgefühl auch den beiden verzweifelten, ganz offensichtlich psychisch gestörten und total überforderten Entführern, die wohl nie eine Chance hatten, vor allem nicht auf Bildung. Ihre Aussage: „Besser tot als wie ohne Geld“ hat mich umgehauen. Sie ist außerdem ein Hinweis auf die wahren Schuldigen diesse Dramas. Wie verzweifelt muß man sein, um einen solchen Ausweg zu wählen. Ich weiß, dies wird Ärger geben. Egal.

    Nein, das wird keinen Ärger geben, denn Sie haben völlig recht: In der Gladbeck-Geiseltragödie kommt alles zusammen, was die Verlogenheit und das Asoziale des Spätkapitalismus ausmacht. Genau darum ist der ARD-Zweiteiler so sehenswert. Merci für Ihre Gedanken dazu! KS

  5. 5

    Ich muß hier mal wieder einen Dank loswerden.
    Ich freue mich, daß meine letzten Kommentare nicht als „besoffene“ Kommentare erkannt wurden. Geschrieben wurden sie aber nach für solche Bezeichnung ausreichender Menge an Bierkonsum.
    Wenn ich, wie gestern, nach 14 Stunden in der Geldbeschaffungsmaßnahme Möbelpackerei unterwegs bin (nein, ich mache das nicht jeden Tag), dann freue ich mich schon auf dem angetrunkenen Heimweg, solche Radiofeatures wie das verlinkte über Pädophile hören zu können, wenn ich zuhause bin. Denn dann kann sich mein Gehirn wieder anschalten, auf eine Art, die im Laufe des Tages nicht gefordert war, die ich aber brauche. Ohne einfache Antworten, sondern mit schwierigen Fragen – denn das sind die interessanten Fragen.
    Ich grübel noch immer über das Feature und finde sehr weitreichende Zusammenhänge. Vielleicht fällt mir dazu mal was kluges zu schreiben ein. Wenn nicht, dann ist das nicht schlimm. Auf jeden Fall bedanke ich mich für den Link, und bedanke mich für das Blog.
    Es ist mir sooo scheißfucking wichtig, dass ich solches sofort nach Feierabend haben kann, daß ich es kaum beschreiben kann.
    Danke!

    Lieber Karsten – wenn ich nicht wüßte, daß ich so aufmerksame, nachdenkliche und neugierige Leser habe wie z. B. Dich – ich würde überhaupt nichts empfehlen. Du mußt Dich also für gar nichts bedanken. Besser sollte ich mich bedanken!
    Und zwar bei Dir und meinem kleinen, großartigen Publikum, das außerordentlich interessiert, außerordentlich kritisch, und (was den Umgang mit mir betrifft) außerordentlich freundlich ist.
    Merci Dir und allen anderen, die hier zulesen! KS

  6. 6

    @altautonomer
    Ich will nicht klugscheißen, aber wenn eines meiner Lieblingszitate gebracht wird, dann darf es nicht entkräftet werden. Das geht nämlich eher so:
    „Preise sind wie Hämorrhoiden. Früher oder später bekommt sie jedes Arschloch.“

    Weißt Du, lieber Karsten, denn auch, wer das gesagt hat? Dem Mann/der Frau gebührt ein Lob. KS

  7. 7

    Lieber Blogger, Ihr Blog ist ein kleiner Sonnenstrahl des unbeugsamen Geistes im Dauerschatten von Propaganda und interessengeleiteten Halbwahrheiten. Ihr pauschales Lob für den Deutschlandfunk kann ich aber so leider nicht teilen.
    Zwar war die von Ihnen empfohlene Sendung ein hervorragendes Beispiel von gutem Journalismus. Aber solche Beiträge sind auch im Dlf selten. Wer heute (16.03.18) das Interview angehört hat, das Jasper Barenberg mit Mathias Platzeck (SPD) führte, konnte mal wieder feststellen, dass bei wichtigen tagespolitischen und insbesondere bei außenpolitischen Angelegenheiten der Dlf stramm auf Regierungs- und NATO-Linie marschiert und z. B. Leute wie Platzeck, die das angeordnete Rußland-Bashing verweigern, nur gelegentlich auch mal zu Wort kommen läßt, um sie vorzuführen und ihre Argumente zu widerlegen. Was dem Herrn Barenberg allerdings in diesem Fall schlecht gelang, weil Herr Platzeck ruhig und sachlich blieb, während der Journalist immer aufgeregter versuchte, ihm endlich die erwünschte Haßbotschaft abzunötigen.
    Danke im Vorabbereich für jedes neue „Schnipsel“!

    Lieber Edmund Weber, die Diskrepanz zwischen den (oft) hochinteressanten, handwerklich sauberen Reportagen im DLF und dem Tagesgeschäft, wie Barenberg es betreibt, ist mir nicht entgangen. Pauschal loben wollte ich den DLF sicherlich nicht; wenn ich z. B. die „Informationen am Abend“ höre, platzt mir zuverlässig jedesmal der Kragen. Worum es mir geht: Die öffentlich-rechtlichen Sender sind nicht so schlecht, wie sie gemacht werden, sondern immer noch zu einem gewissen Pluralismus fähig. Die journalistisch sauberen, im besten Sinn kritischen Beiträge zu loben, könnte dabei helfen, den Siegeszug der Opportunisten, Zombies und selbsternannten Regierungssprecher in den Anstalten aufzuhalten oder wenigstens zu bremsen. Aber vielleicht mach ich mir da was vor.
    Für Ihr großes Lob an mein Blog danke ich erfreut! KS

  8. 8

    Haha!, lieber Kay, ich fürchte, ich soll hier ein wenig aufs Glatteis geführt werden, mit einer Frage, die auch als Fangfrage durchgehen kann: „Dem Mann/der Frau gebührt ein Lob.“?
    „DEM Mann/DER Frau“?, weil Billie auch ein Frauenname ist (Holiday z. B.)?
    Nein, ich WEISS es nicht wirklich. Ich habe es nur erzählt bekommen. Das ist ja mit Zitaten immer ein wenig kritisch. Man denke nur an Einstein und die 10% unseres geistigen Potentials. Am Ende ist das Zitat so sehr durch den Wolf gedreht, da Luc Besson einen völlig behämmerten Film drüber drehen kann.
    Seit ich mich erinnern kann, wird das Hämorrhoiden-Zitat dem Herrn Wilder zugeschrieben, und ich gebe zu, dies neulich zwecks copy and paste auf die Schnelle wikipedelt zu haben. Die wirklich beste Fassung sagt nämlich nicht Arschloch, weil dabei Beleidung mitschwingen würde.
    Die beste Fassung sagt: „Preise sind wie Hämorrhoiden. Früher oder später bekommt sie jeder Arsch.“

    Ich wollte Dich nicht aufs Glatteis führen; ich kannte den Urheber des schönen Bonmots tatsächlich nicht. – Inzwischen hat mir der klügste Mann östlich des Pecos versichert, daß der fiese Satz in der Tat von Billy Wilder gesagt wurde. KS

  9. 9

    Nachtrag zum Billy-Wilder(?)-Zitat: Ob wirklich jedes Arschloch irgendwann einen Preis kriegt fragt sich noch. Dafür gibt’s einfach zu viele. (Arschlöcher, meine ich.) Abgesehen davon ist nicht jeder, der heutzutage und hierzulande einen Preis für irgendwas kulturell Überbauliches kriegt, automatisch ein Arschloch. Und wohl auch nicht jeder, der als Preisverleiher in einer Jury rumhockt. Allerdings ist in einer Gesellschaft, die von Arschlöchern dominiert wird, damit zu rechnen, daß die Mehrzahl der Preise von Arschlöchern an Arschlöcher vergeben wird.
    Wer kein Arschloch ist und trotzdem einen Preis kriegt, darf sich natürlich trotzdem ein bißchen freuen. Aber er sollte vielleicht so reagieren wie einst ein DEFA-Kameramann, der, mit dem Nationalpreis der DDR bedacht, anmerkte: Das Geld ist ja ganz schön. Aber die Schande!

    PS. So oft hab ich in einem so kurzem Kommentar noch nie „Arschloch“ hingetippt. Eigentlich müßte ich ja jetzt einen Preis dafür kriegen.

    Das „Arschloch des Monats“ allerdings nicht, darauf ist Jens Spahn abonniert. KS

  10. 10

    Und ich hätte meinen potentiellen Hämorrhoidenträger darauf verwettet, daß Du alter Movie-Buff das wüßtest.

    Nein, auf so was bin ich gedächtnistechnisch nicht trainiert. Ich merke mir lieber die wichtigen Daten: Kameraleute, Komponisten, Kulissenbauer usw. Ich kann VORTRÄGE darüber halten, wie stark und nachhaltig z. B. Gordon Willis die Hollywood-Ästhetik veränderte. Aber eher filmfremde Bonmots wie das Billy Wilders merke ich mir eher nicht. Ich hab leider nur ein Gehirn. KS

  11. 11

    „Wenn es um das Leben von Tieren geht, da sind einige, die jetzt für Abtreibungen werben wollen, kompromißlos. Aber in dieser Debatte wird manchmal gar nicht mehr berücksichtigt, daß es um ungeborenes menschliches Leben geht.“
    „Mit Hartz IV hat jeder das, was er zum Leben braucht“.
    Jens Spahn, Lebensschützer und Armutsexperte, 2018
    Der Typ bräuchte in den kommenden Monaten eigentlich nichts weiter abzusondern, meinethalben könnte man ihm sofort das Prädikat „Premium-Arschloch des Jahres“ verleihen. Wär ich ein ähnlich großes, dann würd ich jetzt frei nach Sophokles behaupten, ich hielte es für das Allerbeste, diese unangenehme Manifestation (menschlichen?) Lebens wäre ungeboren geblieben. (Wär ich ein noch größeres Arschloch, dann würd ich sogar sagen, daß diese Figur, indem sie vor „Werbung für Abtreibung“ warnt, sich selbst ad absurdum führt – ich kann mir grad kaum eine überzeugendere Abort-Reklame vorstellen als das froschgesichtige Nachwuchsdummschwätzerchen von der CDU … Entschuldigt diesen billigen Vergleich, liebe Frösche – ich find euch eigentlich sehr hübsch! Und das, was ihr euch so alles zusammenquakt, mögen manche als mißtönend empfinden, jedoch ist es sicher nicht so furchtbar verlogen.)
    Aber der Jens Spahn, der lebt nun halt schon mal und muß sich keine Sorgen mehr machen, abgetrieben zu werden. Auch sonst muß er sich nicht sonderlich sorgen: jüngst Ministerchen geworden hat er nun, was er zum Leben braucht: grob geschätzt ungefähr das 40-fache des aktuellen Hartz IV-Satzes. Deshalb wird er wohl auch dem Rat des Silen aus Nietzsches „Geburt der Tragödie“ nicht folgen wollen: „Das Zweitbeste aber ist für dich – bald zu sterben.“ Mit dem Zweitbesten sind Hartz IV-Empfänger ohnehin vertrauter: ihre Lebenserwartung ist geringer als die der übrigen Bevölkerung, dafür ist ihre Suizidrate höher.
    Bitte mich nicht falsch zu verstehen: Sogar Typen wie dem Spahn wünsche nicht das Allerbeste (nach Sophokles) oder Zweitbeste (nach Nietzsche). Ich wünsch ihnen gar nichts. Oder vielleicht doch etwas: daß sie kriegen, was sie verdient haben. Und damit mein ich jetzt nicht ihr Nettogehalt.

    Was mich an reaktionären Scheißtypen wie Spahn am meisten verwirrt, ist dies: Hätte es die 68er und die nachfolgenden – äußerst mühseligen, jahrzehntelangen – Kampagnen der Linken gegen die Unterdrückung z. B. schwuler Männer nicht gegeben, dieser reaktionäre Scheißtyp Spahn könnte heute nicht mit seinem Mann friedlich zusammenleben. Der reaktionäre Scheißtyp Spahn würde nicht mal zugeben können, schwul zu sein. Daß er als Schwuler nicht öffentlich diskriminiert wird, hat er ausschließlich den Linken und den echten Liberalen zu verdanken. Die Partei, für die er den Einpeitscher spielt, hat Männer wie ihn immer nur verfolgt, hat sich immer gegen deren Menschenrechte gesperrt. Es waren die Linken und die echten Liberalen, die Spahn das Leben erleichterten, nicht die Rechten, deren Anwalt er heute markiert.
    Und solch ein Mann, der allen Grund hätte, es den Linken und den echten Liberalen nachzumachen, spielt sich reaktionärer auf als, zum Beispiel, Horst Seehofer?! Was ist denn das für ein mieses, pardon: A***loch?! Wie VERKOMMEN ist dieser Spahn? Wie FEIGE (bei näherem Hinsehen), wie VERRÄTERISCH? Ich bin ein ziemlich guter Menschenkenner. Aber bei bigotten Kreaturen wie diesem Spahn kenn ich mich nicht mehr aus. KS

  12. 12

    Es gibt doch noch was, das ich dem Spahn wünsche: die Wiederherstellung des § 175 (Gültigkeitsbereich beschränkt auf deutsche Parlamentarier mit nachweislichen Gedächtnisstörungen) und, falls ihn das nicht zum Nachdenken bringt: Wie wär’s denn mit einer Zwangsverheiratung mit der SPD-Nahles? Oder, noch besser, mit der Weidel von der AfD? Mit der Auflage, der betreffenden Person alljährlich ein Kind zu machen. Ganz konservativ, in der guten alten Missionarsstellung, keinesfalls a tergo. Und in jedem Jahr, in dem der Typ das nicht auf die Reihe kriegt, werden ihm die Ministerbezüge gestrichen, und er kriegt bloß noch Hartz IV.
    Andererseits ist diese Art Koalitions- resp. Kopulationsvereinbarung vielleicht doch keine so gute Idee: Man stelle sich vor, was schlimmstenfalls herauskäme, wenn sich sowas tatsächlich vermischte. Manches bleibt doch besser ungeboren.

    Und manches bleibt besser unvorstellbar: so etwa die Kopulation von dem da mit der da. „The horror, the horror!“ („Apocalypse now“) KS

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