Archiv für die Abteilung 'Man schreit deutsh'

Kennzeichen D O : Skepsis

Donnerstag, 19. März 2015 23:59

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Ein Ziel des alten demokratischen Sozialismus und Liberalismus ist in Dortmund heute erreicht: die Säkularisierung oder, besser, Dechristianisierung des Orts. Wenn die eindrucksvollste Kirche der Stadt, St. Marien, mitsamt ihren berühmten spätmittelalterlichen Altartafeln des Conrad von Soest an einem Montag geschlossen bleibt – dann hat die Inhaberin der Filiale resigniert vor dem Verschwinden christlicher Transzendenz aus dem Weichbild der Stadt.

Die unmittelbare Nachbarin des Baus, die Kirche St. Reinoldi, ist zu großen Teilen eine neuestzeitliche Replik. Noch vor der Reformationszeit hatte der Bau des Originals begonnen, und er ward erst im Barock vollendet. Es genügte eine Nacht, um dieses Denkmal christlichen Bürgersinns zu pulverisieren. Nach seiner Zertrümmerung durch englische und amerikanische Bomben am 6.iOktober 1944 lag es da wie ein Symbol für den niedergeworfenen deutschen Imperialismus und Mordwahn. Er war ein passendes Symbol, dieser Tempel, und gerecht getroffen.

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Abteilung: Die beste aller Welten, Man schreit deutsh, Selbstbespiegelung, Sokolowsky anderswo, Stadtstreicherei | Kommentare (0) | Autor:

Man schreit deutsh (16): Traditionspflege

Freitag, 13. März 2015 23:59

5_RM_1938_back_(c)_NobbiPEs fand in Westdeutschland nie eine echte Abrechnung mit den abermillionen Tätern des Dritten Reichs statt; auch in der DDR nicht. In Bonn machten begeisterte Nazis Karriere bis hinauf zu Bundeskanzler und -präsident – gleich zwei höchste Repräsentanten der BRD waren vormals überzeugte Hitlergrüßer und Endsieger.

Die perverse Normalität, in der sich die Deutschen nur wenige Jahre nach ihren Zerstörungsorgien und Blutmessen wieder einrichten durften, wurde so wenig wie möglich durch Fragen nach dem nationalen Charakter gestört. Der durfte bleiben, was er seit 1871 war: eine einmalige Mischung aus Minderwertigkeitsgefühl und Großkotzigkeit, Geiz und Gehorsam, durchgerührt mit viel Schmierentheatersentimentalität und -humor, Muffigkeit plus Putzfimmel.

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Man schreit deutsh (15): Ganz die Alten

Donnerstag, 12. März 2015 23:59

Die europäische Welt hat keine Angst mehr vor den Deutschen, weil wir 1968 aufgebrochen sind, weil wir das Law-and-Order-Denken herausgeblasen haben aus diesem Land, weil wir, eine andere Generation, diese deutsche Gesellschaft gründlich zivilisiert haben.“
Antje Vollmer

Fahne_(c)_Kay_Sokolowsky

Und so schreiben sie, die von grünen Schleim-, Schaum- und Quatschköpfen wie A. Vollmer gründlich Zivilisierten –; so grölen diese Aufgeblasenen, vor denen halb Europa wieder Angst hat –; so pöbeln sie, weil die griechische Regierung sie daran zu erinnern wagt, daß die Deutschen sich seit 70 Jahren davor drücken, einen erpreßten Großkredit zurückzuzahlen –; so geifern und kreischen und spinnen sie, die gründlichsten aller Zivilisierten –; so halten sie eine Tradition aufrecht, um die uns die Welt beneidete, bestünde sie allein aus schizophrenen, bigotten, selbstgerechten, jede genehme Propagandalüge sofort schluckenden und wiederkäuenden Chauvinisten wie diesen Deutschen –; so trottelschlau, so unterirdisch überheblich, so speienswert führen die unverschämten Kinder und Enkel der viehischsten Verbrecher der Geschichte sich nicht etwa in den Online-Foren von Bild.de auf, sondern als Kommentatoren bei Zeit online [alle Kursivierungen sind von mir]:

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Abteilung: Kaputtalismus, Man schreit deutsh | Kommentare (4) | Autor:

Trefflich gescherzt (3 u. 4)*

Samstag, 7. März 2015 17:52

Spatzenhaus_Storch_(c)_Kay_Sokolowsky


(Für Ästheten:) „Jetzt noch ein Adler auf die Flagge genäht, und die Sache
wird rund.“

(Für Ornithologen:) „Bei denen piept‘s wohl!“

* Wg. Zweifach-Pointe als Wochenendausgabe zu betrachten.

Abteilung: Bored beyond belief, Man schreit deutsh, Unerhört nichtig | Kommentare (0) | Autor:

Man schreit deutsh (14): Gesichtskontrolle

Donnerstag, 26. Februar 2015 23:59

Symbol-Bild

Symbol-Bild

Die jenseits der Grenzen vonn1932 widerwärtige, chauvinistische, diskriminierende Selfie-Kampagne, die der feinenHerr Diekmann in seinem sauberen Blatt gestartet hat –;

diese Aufforderung annjeden Trottel und Scheißkerl, an jede Idiotinnund verhinderte BDM-Scharführerin, sich vor die herzlose Brust ein Stück Abortpapier zu halten, auf dem gedruckt steht: „NEIN – keine weiteren Milliarden für die gierigen Griechen!“ –;

dieser weitere Beweis (neben Milliarden früheren) für die Geldgier und die Gefährlichkeit eines Dreckerzeugnisses, das im Kampf gegen schwindende Auflagen nichts unversucht läßt, um Verstand, Sitte, Mitleid, kurz: die Humanitas zu schänden –;

dieses Aufknütteln der niedrigsten Instinkte von Leuten, deren höchstes Gefühl im Hosenstall von Effjott Wagner steckt, deren größte Lust in den Blutspurbildern von Bild liegt, deren menschlichste Regung sich als Sabbern über erstunkene Skandale äußert –;

———————————- dieser Aufruf zu Volkes Erwachen hat, wie alles Teuflische, allerdings ein Gutes: Der häßliche Deutsche bekommt wieder ein Gesicht, in das man spucken kann.

PS. Mal sehen, wann Bild-Ikone Alice Schwarzer ihr Selfie einreicht. (Oder ist es schon da? Ich klick nicht auf Bild.de, ich hab Angst vor ansteckenden Geisteskrankheiten.)


Photo (Ausschnitt): By Codeispoetry (Own work) [GFDL
or CC BY-SA 3.0],
via Wikimedia Commons

 

 

Abteilung: Kaputtalismus, Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus | Kommentare (1) | Autor:

Man schreit deutsh (13): Culture Grub*

Dienstag, 24. Februar 2015 23:59

Den Stolzdeutschen erkennt man daran, daß er seine schöne Mutter Sprache schändet, wann und wo immer es ihm das Maul aufreißt. Je mehr Vaterland in einem teutschen Menschen steckt, desto weniger Liebe bleibt, scheint‘s, übrig für das Wertvollste, was der Zufall der Geburt ihm geschenkt hat. Bei den lupenreinen Nazis schlägt Gleichgültigkeit gegen Vokabular, Genus, Grammatik, Syntax und Tempus in Haß um: Haß auf die enorme Integrationsfähigkeit des deutschen Wortschatzes, Haß auf die Komplexität und Tiefe des Idioms, Haß auf alle, aus deren Mund das Deutsche nicht wie das Bellen eines Rottweilers, sondern so betörend klingt, wie diese Sprache es zuläßt, wenn ein Sprecher ihr schöne Augen macht statt sie zu würgen.

Und daher kann folgender Satz natürlich nur in dem Programm einer Nazipartei (in diesem Fall: „Die Rechte“) stehen:

Die Deutsche Kultur mit seinen zahlreichen Prägungen ist in der ganzen Vielfalt zu erhalten und zu fördern.

Da ist mir um der Deutschen Kultur ja nicht mehr zu fürchten.

* Ein Seitenstück zum Blogpost von gestern

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Aufgelesen (2): Gegeninformationen

Montag, 23. Februar 2015 23:48

Spiegel online berichtet heute, daß „die Behörden“ in Nordrhein-Westfalen ein Verbot des braunen Haufens „Die Rechte“ prüfen. An Belegen für die Verfassungsfeindlichkeit der Truppe mangelt es nicht. Denn ihr Anführer heißt Christian Worch, wurde einst angelernt vom Hitler-Wiedergänger Michael Kühnen, ist seit bald 40 Jahren natioaktiv, durfte sich ein paar Wochen im Knast als Märtyrer der Bewegung aufplustern, leugnet den Holocaust und bringt auch sonst alles mit, was man von einem, mit Karl Kraus zu sprechen, Arischgesicht erwarten darf.

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Abteilung: Aufgelesen, Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus | Kommentare (3) | Autor:

Zu Gast: Jutta Ditfurth

Donnerstag, 19. Februar 2015 23:54

Jutta Ditfurth hat auf meinen Blogpost „Freiheit? Wie Sie meinen“ geantwortet. Sie mußte dafür den Umweg über Facebook nehmen – nicht aus eigener „Doofheit“ (also bitte!), sondern wegen der doofen Technik. Der Admin bittet um Pardon; musser ma bei. – Ditfurths soeben veröffentlichte, ausführliche Erklärung zum Fall E. (Hyperlinks unten) sei allen empfohlen, die Jürgen Elsässer (und Ken Jebsen) mal aus der Nähe begutachten möchten. Ist natürlich nicht jedermanns Sache. – Hier kommt Frau Ditfurth:

Jutta_Ditfurth_(c)_Philipp_von_Ditfurth

Jutta Ditfurth (Photo: Philipp von Ditfurth)

Ich habe mich sehr über Deinen Kommentar gefreut, vielen Dank, Kay Sokolowsky. Ich habe versucht, mich auf deinem Blog zu bedanken, klappte wohl nicht. Kam irgendeine komische Anforderung und ich war zu doof. Ein Hinweis noch: Du und alle anderen Menschen, ihr dürft den islamhassenden, homophoben, antifeministischen Rassisten Jürgen Elsässer als das bezeichnen, was er auch noch ist; nur ich darf ihn nicht, obwohl hoch verdient, einen „…“ nennen, solange ich vor Gericht nicht gewonnen habe. Heute habe ich eine aktuelle Erklärung zum Prozeß veröffentlicht, mit Informationen über Elsässer, auf Deutsch und Englisch.

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Abteilung: Kaputtalismus, Man schreit deutsh | Kommentare (2) | Autor: