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Der Albigtraum

Montag, 8. Mai 2017 23:32

SPD-Plakat 1918


Nach seiner Demütigung bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein stellte Noch-Miniprä Torsten Albig sich vor die Kameras und quakte:

Wenn ich wüßte, was falsch war, hätte ich es nicht gemacht. Im Moment weiß ich nicht, was schieflief.
[Tagesspiegel.de, 7.5.2017]

Vielleicht sollte Albig sich mal selber zuhören; auch wenn‘s eine Qual ist, Phrasendreschern wie ihm das Ohr zu schenken. Jedenfalls hatte Albig bereits vor zwei Jahren den Wählern mitgeteilt, für wie überflüssig er SPD-Leute in Regierungsverantwortung hält. Damals schwärmte er im Interview mit NDR 1 über die Kanzlerin:

[Er] glaube, daß es schwer sei, gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu gewinnen. „Ich glaube, sie macht das ganz ausgezeichnet – sie ist eine gute Kanzlerin.“

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Die G20-Penner

Samstag, 6. Mai 2017 21:30

Am 7. und 8. Juli dieses Jahres wird in Hamburg der „G20-Gipfel“ hochgestapelt. Weil das Treffen der 20 mächtigsten Hackfressen der Erde auf dem Messegelände dieser Freier- und Handelsstadt stattfinden soll – und leider nicht auf einer jener Schwerölrußschleudern mit Plantschwanne, die am Kreuzfahrerkai festmachen –, muß die City der Cité hermetisch abgeschirmt werden. Die Kosten für den Spaß kann man nur ahnen. Jedenfalls hat die Bundesregierung schon mal 235 Millionen Euro zugesagt. Cansu Özdemir, die Fraktionschefin der Linken in der Hamburger Bürgerschaft, erinnert daran, daß der G20-Summit in Toronto 2010 nach Kehraus und Kassensturz 900 Millionen Euro verschlang.

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Aus Berechnung homophob

Mittwoch, 27. Mai 2015 23:59

Was an der Entscheidung der Iren für eine Ehe, die jeder mit jedem eingehen darf, neben der fortschrittlichen Tendenz besonders charmiert, ist die Erklärungsnot, in der nun die Fundamentalisten und Schwulenhasser hierzulande sich befinden. Offensichtlich hat „das Volk“, auf das besonders die Reaktionäre so gern sich berufen, keine Probleme damit, wenn ein Mann einen Mann oder eine Frau eine Frau heiratet und solche Paare dieselben Privilegien beanspruchen können wie die Heten. Völlig zu Recht verlangen die aufgeklärten Politiker in Deutschland deshalb einen Zensus wie in Irland oder – damit der üble Status quo (an dem „eingetragene Lebenspartnerschaften“ im Kern nichts ändern) zügigst ein Ende finde – einen Kabinettsbeschluß. So wäre die Große Koalition wenigstens ein Mal für was gut.

Weil aber Schwulen- und Lesbenhaß besonders in der CDU/CSU eine politische Heimat haben, wird weiterhin bloß Kosmetik betrieben, beteiligt sich die elende SPD weiterhin an der legalen Diskriminierung Homosexueller, sind Menschen, die das eigene Geschlecht dem anderen vorziehen, weiterhin von Artikel eins des Grundgesetzes ausgeschlossen. Das könnte ein Skandal sein, wenn die hiesige Öffentlichkeit es wollte, aber in Deutschland war die Öffentlichkeit selbst stets der größte Skandal.

Und darum gibt es mal wieder gar keinen Aufschrei und keine Initiative, antidemokratisches Denken in Partei und Parlament zu ächten, wenn Thomas Strobl – MdB aus Heilbronn, Rechtsanwalt in jedem Sinne, Landesvorsitzender der CDU Baden-Württemberg, stellvertretender Vorsitzender der CDU Deutschland, Mitglied im Vorstand von „ProStuttgart21 e. V.“ sowie im politischen Beirat des Bundesverbandes mittelständischer Wirtschaft –. wenn also dieser Strobl in die Mikrophone erbricht, es dürfe nicht passieren, daß im Bundestag ohne Fraktionszwang über die allseits offene Ehe abgestimmt wird. Denn „das Parlament muß berechenbar bleiben“.

So berechenbar wie z. B. zwischen 33 und 45 –? Die Frage sollte der Kerl schleunigst beantworten. Aber unsere Qualitätsmedien kommen nicht mal auf die Idee zu fragen. – Ich weiß jedenfalls, weshalb ich beleidigt bin, wenn mich einer für einen Journalisten hält.

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Man schreit deutsh (16): Traditionspflege

Freitag, 13. März 2015 23:59

5_RM_1938_back_(c)_NobbiPEs fand in Westdeutschland nie eine echte Abrechnung mit den abermillionen Tätern des Dritten Reichs statt; auch in der DDR nicht. In Bonn machten begeisterte Nazis Karriere bis hinauf zu Bundeskanzler und -präsident – gleich zwei höchste Repräsentanten der BRD waren vormals überzeugte Hitlergrüßer und Endsieger.

Die perverse Normalität, in der sich die Deutschen nur wenige Jahre nach ihren Zerstörungsorgien und Blutmessen wieder einrichten durften, wurde so wenig wie möglich durch Fragen nach dem nationalen Charakter gestört. Der durfte bleiben, was er seit 1871 war: eine einmalige Mischung aus Minderwertigkeitsgefühl und Großkotzigkeit, Geiz und Gehorsam, durchgerührt mit viel Schmierentheatersentimentalität und -humor, Muffigkeit plus Putzfimmel.

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Aufgelesen (2): (Halb) Hamburg hat gewählt

Dienstag, 17. Februar 2015 21:59

Abfall_Wahl_Aufmacher_(c)_Kay_Sokolowsky

Angewandte Postdemokratie (Symbolphoto)

Die Aussicht, künftig einen sprechenden Honigkuchen als Zweite Bürgermeisterin ertragen zu müssen, ist keine schöne. Aber ich habe einen ertappten Kokser mit Neigung zum Größenwahn überstanden, dann sollte eine mopsfidele Nichtraucherin gerade noch zu schaffen sein. Das denkt der Scholzomat ebenfalls, und deshalb will er mit niemand sonst über eine Koalition reden als mit den Dümmsten, Schmiermittelkompatibelsten, und das sind, trotz harter Konkurrenz durch das Suding-Syndikat, nachweislich die Grünen.

Es brauchte nämlich nur ein paar Minuten nach der ersten Hochrechnung, bis die Bundesvorsitzende des Freundeskreises Poroschenko, stop, Quatsch, der Grünen, Simone Peter, ins Mikrophonbüschel quakte: „Wir werden uns nicht billig verkaufen.“ Hier werden ökonomische und politische Sphäre nicht vermischt, sondern vereint. Trotzdem dürfte Frau Peter ihr Armutszeugnis für ein trotziges Statement halten. Im Selbstbetrug lassen sich die Grünen nun mal von keinem was vormachen; außer, vielleicht, von ihren Wählern. Wo die parlamentarische Demokratie vergammelt, wo republikanische Werte begeistert der Verwertung zugeführt werden, ist nichts leichter (und billiger) zu kaufen als eine Partei. Den aktuellen Tarif entnehmen Sie demnächst der Tagespresse.

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Für Hermann „Latinum“ Gremliza

Mittwoch, 6. November 2013 23:38

Wenn einer keinen Schimmer, aber viele Sprechblasen im Schädelkasten hat, und wenn er trotzdem vorgaukeln möchte, eine Art Bildung zu besitzen und sogar mal ein Buch durchgeblättert zu haben – dann muß er einen Satz wie den folgenden in Gips meißeln, eine Sentenz, in der das Nichtgelernte, das Nichtkapierte und das Nichtzuvereinbarende wie im Teilchenbeschleuniger kollidieren. Es handelt sich hier um exakt jene explodierende Halbbildung, die Theodor W. Adorno bereits vor 50 Jahren das Grauen gelehrt hat:

Trotzdem erstaunlich, wie wenig man heutzutage unterm Scheitel haben muß, um bei der größten der Parteien Diskussionsaufrufe verfassen zu dürfen. Denn von wem sonst als von denen hier –

Q

– sollte ein Satz stammen, der übersetzt etwa so lautet: „Laßt uns reden über … ‚Beruf und Kinder: Wohin gehst du?‘ – Es ist ja schon schwierig, einen Beruf zu fragen, wohin er geht. Aber noch schwieriger wird es, zu zweidreivier Kindern, die einem gegenüber stehen, zu sagen: „Wohin gehst du?“ – Wer freilich Hartz IV gut findet, der kann es mit der Grammatik auch mal etwas gelassener nehmen. Da erwartet niemand mehr mentale Spitzenleistungen.

Wie gaga, geistfern, gnomenköpfig die Partei August Bebels, Karl Kautskys und Willy Brandts unter Gerhard Schröder, Franz Müntefering und Andrea Nahles geworden ist, dokumentiert Albrecht Müller auf seinen – bei dieser Gelegenheit dringend empfohlenen – „Nachdenkseiten“ zwar viel gründlicher und engagierter, als unsereins Faulpelz es je vermöchte. Aber vor lauter politischer Auseinandersetzung vergessen Müller und seine Mitstreiter leider oft, zu oft, sich über die Streberdämlichkeit, die Beamtenwitzischkeit der verbliebenen Jenossen lustigzumachen. Obwohl sich aus dem bräsig der modischen Sprache hinterhereiernden Sprachmodus dieser Wichteltuer so gut wie alles andere erklärt.

Die komplette Pressemitteilung kann übrigens wer sich vor gar nix fürchtet hier nachlesen. Es locken Satzschmankerl wie dies: „Zu Beginn der Veranstaltung wird es einen Impulsvortrag … geben.“ Und nun wundere man sich bitte nicht, wenn die Parteibasis – nach einem Impulsvortrag Sigmar Gabriels – Anfang Dezember mit großer Mehrheit der großen Koalition und also der Selbstauflösung der Sozialdemokratie in Deutschland zustimmt. Aber vorher gibt‘s ein Flugblatt mit der Headline: „SPD: Quo vadis?“

Hoffentlich dahin, wo die Sonne nie scheint.

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