Archiv für die Abteilung 'Bored beyond belief'

Bored beyond belief (10): Hotel Kubrick

Sonntag, 4. November 2012 1:08

Wenn ich mir jetzt einen Baseball kaufe und ihn den lieben Tag lang gegen die Wand schmeiße … Wenn ich nie mehr etwas anderes schreibe als: „All work and no play makes Kay a dull boy“ … Wenn ich mit Barkeepern rede, die gar nicht da sind, und wenn ich eine mehr als bedenkliche Beziehung zu Feueräxten entwickle … Dann liegt es nur daran, daß ich in der Nacht zum 2. November im „Overlook“ übernachtet habe. Ja, genau, in dem Hotel aus Stanley Kubricks „The Shining“.

Zugegeben, die Herberge, in der ich mich aufhielt, heißt in Wirklichkeit nicht so, und sie steht auch nicht in den verschneiten Rocky Mountains, sondern im verregneten Hannover. Aber warum Jack Torrance jeden Bezug zu Welt und Wirklichkeit verliert, nachdem er das „Overlook“ betreten hat – das habe ich nun erst richtig begriffen.

Weiterlesen

Abteilung: Bored beyond belief, Moving Movies, Selbstbespiegelung | Kommentare (4) | Autor:

Bored beyond belief (9): Schön daneben

Samstag, 13. Oktober 2012 1:55

Zu den drei vernutztesten, durch Mißbrauch und Ignoranz verschmutz-
testen Wörtern des philosophischen Lexikons zählt neben dem „Mythos“ („Mythos Apple“, „Mythos Blond“, „Mythos Arschloch“) und der armen Philosophie selbst („Markenphilosophie“, „Unternehmensphilosophie“, „Nachtisch-Philosophie“) die „Ästhetik“.

Weiterlesen

Abteilung: Bored beyond belief, Kaputtalismus | Kommentare (1) | Autor:

Bored beyond belief (8): mfG

Montag, 10. September 2012 22:30

Sonntagnachmittag beim Radeln durch Hamburg-Nienstedten, gleich neben der Carl-von-Clausewitz-Kaserne, werden wir an der S-Bahn-Unterführung solcherart begrüßt: 

„Scheißwurst“ ist klar: Das paßt auf mindestens jeden Zweiten in diesem Revier der Milliardäre und Obristen. Aber „Brudi“? Wofür steht das? Eine Abkürzung für „Brutaler Dickwanst“? Oder soll‘s die Koseform von „Bruder“ sein? Und zwar „Bruder“ im Sinn des US-amerikanischen „Brother“ bzw. „Bro“, mit dem sich die schwarzen Slum-Einwohner einst gegenseitig der Solidarität versicherten? Ist es schon so weit mit dem Klassenkampf? Daß die Oligarchen einander rauhe Namen geben resp. die „Brudi“-schaft beschwören, weil sie sich zusammenschweißen und geistig härten müssen wider die aufziehenden Stürme der Revolution?

   So viele Fragen, so wenig Klarheit. Vielleicht sieht „Brudi“ sein Graffito auf dieser Seite und klärt mich auf. Sofern es ihm die Sache leichter macht, darf er mich auch als „Scheißwurst“ adressieren. Wäre ja, siehe oben, nicht das erste Mal.

Abteilung: Bored beyond belief, Kaputtalismus, Unerhört nichtig | Kommentare (0) | Autor:

Bored beyond belief (7): Jesus lebt in Ottensen

Freitag, 7. September 2012 23:57

… und ER hat eine Sprühdose, und, siehe!, ER hat sie gerichtet auf eine Eisentür in der Borselstraße, um uns zu richten:

Das ist eine Offenbarung! Bzw. offenbar die zeitgemäße (SMS! Twitter!) Kurzfassung jenes rätselhaften Befehls aus der Bergpredigt: „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.“ (Matthäus-Evangelium V, 37)

   Eines aber wüßt‘ ich schon gern: Macht auch Jesus jetzt in Medien? Ja, ja? Wie alle anderen in diesem gentrivertierten Quarree zwischen Barner- und Gaußstraße? Das wär‘ vom Übel. Denn dann ginge sogar der HERR auf den Schrägstrich. Nein, nein!

Abteilung: Bored beyond belief, Kaputtalismus | Kommentare (0) | Autor:

Bored beyond belief (6): Na ja … so ähnlich

Sonntag, 2. September 2012 0:51

An wen erinnert Sie dieser Mann?

a   Colonel Kurtz in „Apocalypse Now“.

b   Marlon Brando in „Apocalypse Now“.

c   Die Szene in „Apocalypse Now“, in der Captain Willard alias Martin Sheen zum ersten Mal das Gesicht von Marlon Brando in seiner Rolle als Colonel Kurtz sieht.

d   Kay Sokolowsky.

Unter den richtigen Einsendungen (a – c) verlosen wir unser Wohlwollen. Alle anderen Schlauberger seien verflucht; und bis zum Ende ihrer überflüssigen Tage sollen sie jammern und klagen: „Das Grauen! Das Grauen!“

Photo: Martina Sokolowsky

Abteilung: Bored beyond belief, Selbstbespiegelung | Kommentare (0) | Autor:

Bored beyond belief (5): Am Zebrastreifen

Freitag, 3. August 2012 0:04

An ihrem Kinderrad sind Stützreifen befestigt, dabei sieht die Kleine aus wie eine Achtjährige. Mit dem Helm auf dem blonden Kopf wirkt sie noch größer. Ein Blick auf die Mutter verrät, woher das kommt – Erbmasse die
Fülle. Das Mädchen möchte über den Zebrastreifen preschen, wird jedoch von der Vorgesetzten zurückbefohlen. Das Kind zieht einen Flunsch, denn weit und breit ist kein Auto zu sehen. Mutti guckt stur nach links und nach rechts, marschiert mit langen Schritten los und ruft: „Jezz!“

   Das Mädchen kräht: „Vo‘hin waa‘s auch frei …“ Seine Stimme ist viel jünger als sein Körper: Höchstens sechs Jahre hat dieses Kind bislang hinter sich gebracht – das erklärt die Stützräder. Aber sechs Jahre sind bereits eine Welt entfernt von der Zeit, als Mamas zugleich Gottes Wort war. Es ist weiterhin Gesetz, das schon. Aber die hochgeschossene Kleine beginnt, die geltende Rechtsprechung in Frage zu stellen. Den Flunsch behält sie daher im Gesicht, als sie sich betont langsam in Bewegung setzt. Auf halbem Weg über den Zebrastreifen jedoch hat sie schon wieder vergessen, daß Mama spinnt, und freut sich, schneller radeln zu können, als die Mutter läuft.

Weiterlesen

Abteilung: Bored beyond belief, Kaputtalismus, Unerhört nichtig | Kommentare (0) | Autor:

Bored beyond belief (4): Mein Wappenbier

Dienstag, 3. Juli 2012 22:11

Weissu, geh‘ch nichsahnd mit Diäk un Mattina duäch Lünebuäch bein Hanseadntüddel an Samssach, unnessis voll da wie inne Keksdosä, un einglich sinn wiä schon auffen Weech ssun Bahnof, weissu, un plösslich seh‘ch da diess Schilt, unnich denk: Das gipps ja nich! Da mussich
doch hin!
Aso geh‘ch quä duächie Menschnmassn ssun Sstand un, hähä, dann sstand ich ässma. Ich happ natürch gekuck, oppa irngwo n Dachs sswischn Bedienunneng rumläuf, aba där waa wo‘ schon in Feiäahmd. Oda in Braukessel, man weisses nich, man ssteck nich drin – leidä, hähä. Happich diä einglich ma gesacht, dassich übä meine eingen Witsse am liepssen lach? Happich nich? Na, nu weissus. Dassiss aba nich, wei‘ch so eidel bin! Sonnän wei‘ch dann die Poännde immä kapia. Wo waan wiä? Genau. Weissu, wass miä bei so Vocksfessn immä auffen Zeigä geht? Du sstehs sstännich rum.

Weiterlesen

Abteilung: Bored beyond belief, Selbstbespiegelung, Unerhört nichtig | Kommentare (0) | Autor:

Bored beyond belief (3): Endlich Sommer!

Freitag, 22. Juni 2012 15:28

Beim Wettsingen an diesem Mittag hatte Dagmar den Amselmann mit seinem Fimmel fürs Atonale und Lothar, das Rotkehlchen, das lieber Robin genannt werden wollte, eindeutig in die Schranken verwiesen. Nein – sie hatte sie fertig gemacht. Plattgebügelt. Zer-schmet-tert! Ein Bad in der Sonne hatte sie sich mehr als verdient.

   Eine Weile plierte die Singdrosselin aus dem nackten Geäst der schiefen Kiefer nach dem nettesten Platz auf dem Rasenfleck. Dann flatterte sie hinab aufs Gras, dem es leider gar nicht gut ging, weil die Kiefer tod-
krank war und pfundweise saure Nadeln abwarf.

Weiterlesen

Abteilung: Bored beyond belief, Erzählungen, Timmis Freunde, Unerhört nichtig | Kommentare (0) | Autor: