Archiv für die Abteilung 'Qualitätsjournalismus'

Zwei Reden und die Welt dazwischen

Montag, 24. Oktober 2016 2:43

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Für so was gibt‘s den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 25.000 Taler:

Auch als ich längst eine eigene Wohnung hatte, behielt ich dieses Ritual bei: Ich betrachtete den Friedenspreis vom Fußboden aus. Irgendwie schien das auch angemessen zu sein. Seit der Preisverleihung an David Grossman saß ich dort, wo Sie jetzt sitzen.

Und für so was gibt‘s bestenfalls eine Aufwandsentschädigung:

Durch meinen Roman Ich hasse dieses Internet zieht sich unter anderem der Gedanke, daß es doch seltsam ist, wenn Menschen mit Hilfe von Twitter und Facebook andere dazu bringen, sich beschissen zu fühlen, indem sie sich in diesen sozialen Netzwerken zu Moralpredigten aufschwingen. Vom Tippen über das Versenden, Speichern und Zustellen bis zum Lesen geschieht das auf Geräten, die unter unmenschlichen Bedingungen und zu katastrophalen Löhnen gebaut wurden. Die Leute, die sich hier in Rechtschaffenheit hüllen, beteiligen sich an einem weit größeren und weit schädlicheren Übel als die Menschen, die sie anprangern.

Mit so was darf man sich vor den Bundespfaffen stellen und den Mund artig aufmachen:

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Abteilung: Kaputtalismus, Litterarische Lustbarkeiten, Qualitätsjournalismus | Kommentare (6) | Autor:

Im Norden nichts Neues

Samstag, 22. Oktober 2016 22:26

Die Online-Ausgabe der Hamburger Morgenpost versucht, mich zu erschrecken:


Der Pausenclown der Mopo drischt passend dazu Phrasen, die zum Wegrennen sind:
Er verkleidet sich als furchteinflößender Grusel-Clown, lauert Passanten auf und erschreckt sie zu Tode
– was sie zum Glück alle überleben.
Ein bislang unbekannter Täter sorgt derzeit für Angst und Schrecken in Rostock. Nicht der einzige Fall im Norden.
Und vor allem nicht der erste! Hier, im Hamburger Inland, waren die „Grusel-Clowns“ schon vor knapp zwei Jahren unterwegs, ja allgegenwärtig! Sehen Sie beispielsweise den da, sinister aus dem Gebüsch starrend:

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Abteilung: Bored beyond belief, Qualitätsjournalismus, Unerhört nichtig | Kommentare (4) | Autor:

Scheck das mal ab!

Dienstag, 13. September 2016 0:21

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Screen der Homepage von „Kunscht!“ (SWR – einer der besten Bilderwitze in diesem Blog, wie ich meine. Dabei im Bann des Zufalls entstanden. Wenngleich … Was meinen Sie?)


Zwischen den Texten, die ich in den vergangenen zwölf Monaten unter die Leute brachte, war einer der besseren bzw. richtig guten der über den Literaturverkäufer Denis Scheck in KONKRET 1/2016. Anläßlich der Welturaufführung von „Kunscht!“ am 15.9., einem neuen wöschentlichen Kunschtmagaschin des S(ch)WR mit Scheck, hat die KONKRET-Redaktion beschlossen, meine nicht mehr ganz junge Polemik online
zu plazieren.

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Abteilung: Qualitätsjournalismus, Sokolowsky anderswo | Kommentare (12) | Autor:

Deutsche Leibkultur (3): Nachtisch

Sonntag, 10. Juli 2016 18:09

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Wer das Gewinnen, nein, Siegen so gewohnt ist, daß er bei Fußballturnieren am liebsten „Ssieg!“ schreit (mit einem gepaukten „Rumms-rumms-rummspapapa-rumms“ vorweg), dem fällt das Verlieren verständlicherweise nicht so leicht wie, sagen wir mal, den Anderen, also allen, die nicht wir Deutsche und deshalb allesamt geborene Verlierer sind. „Ssieg!“ ist dem Deutschen in den Charakter gestempelt wie der Geschmack, von dem hier neulich die Rede war, oder das Seelische, um das es vor knapp einer Woche hier
ging.

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Abteilung: Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus, Schwammintelligenz | Kommentare (5) | Autor:

Deutsche Leibkultur (2): Fladen der Freiheit

Donnerstag, 7. Juli 2016 19:36

Pizza-Freiheit_Aufmacher

Vorgestern wurde hier geklärt, warum heute abend in Marseille die Deutschen gegen die Französlinge gar nicht unterliegen können (Seele!) bzw. wer schuld sein wird, sollte das Undenkbare Wirklichkeit werden (Rizzoli!). Vor dem „vorweg genommenen Finale“ (zit. n. so gut wie allen Qualitätsmedien) wollen wir uns schnell (na ja) um zwei der ragenden, wo nicht gar ragendsten Merkmale deutschen Wesens kümmern, die Toleranz und die Genußfreude.

Allein Spiel-, Spaß- und (es gibt kein anderes Wort dafür:) Volksverderber bestreiten, was seit dem Märchen vom Sommer 2006 die ganze Welt weiß, auch wenn sie‘s vielleicht nicht kapiert hat: Die größten Sportsfreunde aller Zeiten sind zwischen Rhein und Oder daheim. Ihrer reinen Liebe zu Fairness und/oder „Respect“ (UEFA) kommt allenfalls ihr guter Geschmack gleich (dazu Näheres unten).

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Abteilung: Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus, Schwammintelligenz | Kommentare (4) | Autor:

Deutsche Leibkultur (1): Soul foot

Montag, 4. Juli 2016 23:38

Aufmacher_Leibkultur_(c)_Netto-Prospekt_EM-2012

Die kyffhäuserhohe Überlegenheit deutschen Wesens über alles, was kein deutsches Wesen, also: Unwesen ist, manifestiert sich nicht nur in Weltkriegen. Sondern auch bei Fußball-Europameisterschaften – wie etwa, extraschön, Michael Rosentritt für den Tagesspiegel
notierte:

(Vielleicht) ist es genau das, was den Deutschen auf dem Weg zum Titel noch gefehlt hat. Ein Niederringen Italiens! […] Sicher, der Sieg im Elfmeterschießen von Bordeaux nach intensiven 120 Minuten wird den Spielern von Joachim Löw in den Knochen stecken. Aber, und das ist das Feine daran, er wird eben auch in den Köpfen stecken. Eben Spuren hinterlassen, in Leib und Seele. Das stärkt, das läßt Spieler ausreifen, das lebt fort. Was soll jetzt noch kommen?

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Abteilung: Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus, Schwammintelligenz | Kommentare (2) | Autor:

Round midnight: Ich habe Post (Update, 9. Mai)

Samstag, 23. April 2016 0:01

Vorgestern fragte ich mein geschätztes Publikum, was die Redaktion und den Chef der ARD-Tagesthemen bewogen haben mochte, einen Bericht über das zerpflückte „BKA-Gesetz“ so zu illustrieren, und was das überhaupt bedeuten soll:

Tagesthemen, 20.4.2016 (Screenshot ARD-Mediathek/Ausschnitt)

Tagesthemen, 20.4.2016 (Screenshot/Ausschnitt)

Kai Pichmann antwortet mir:

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Abteilung: Qualitätsjournalismus, Round midnight | Kommentare (3) | Autor:

Round midnight: Sie haben Pest

Donnerstag, 21. April 2016 0:30

Es wird Ihnen gestern zweifellos nicht entgangen sein, daß die Überwachungsstaatsaffäre namens „BKA-Gesetz“ vom Bundesverfassungsgericht erheblich zurechtgestutzt wurde – und mit dem Gesetz sein glühendster Verfechter, Thomas de Maizière.

Wie nun würden Sie, wären Sie Chefredakteur der ARD-Tagesthemen, die Aufmachermeldung über den erfreulichen Prozeßausgang illustrieren lassen? Mit der Sauertopfvisage des Ministers? Oder mit einem Photo der monströsen BKA-Zentrale in Wiesbaden? Vielleicht hätte es auch ein Cartoon getan: Verfassungsrichter haut dem Bundestrojanerpferd mit einem Paragraphensymbol den Kopf ab, oder so ähnlich dämlich. Aber lange nicht so seltsam wie das, was dem amtierenden Chef von ARD-Aktuell, Kai Gniffke, eingefallen bzw. bei der Abnahme nicht weiter aufgefallen ist. Schauen Sie selbst:

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Abteilung: Qualitätsjournalismus, Round midnight | Kommentare (0) | Autor: