Archiv für die Abteilung 'Kaputtalismus'

Die jämmerlichste der Parteien

Freitag, 2. Februar 2018 21:09

Es ist ein Unglück, daß die SPD
Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt.
Hieße sie seit dem 1. August 1914
Reformistische Partei oder Partei des kleinern Übels
oder Hier können Familien Kaffee kochen oder so etwas –:
vielen Arbeitern hätte der neue Name
die Augen geöffnet, und sie wären dahingegangen,
wohin sie gehören: zu einer Arbeiterpartei.
So aber macht der Laden seine schlechten Geschäfte
unter einem ehemals guten Namen.
Kurt Tucholsky (1932)


Wie töricht ich im Grunde bin, weiß nur ein Mensch besser als ich, und der ist, zum Glück, meine Frau. Eitel wie alle Autoren verleugne ich gern meine fundamentale Torheit. Um gelegentlich und schmerzhaft auf sie gestoßen zu werden. Zum Beispiel während des Sonderparteitags der SPD am 21. Januar in Bonn – wie gespannt war ich auf das Resultat und wieviel Hoffnung vergeudete ich darauf! Wie (was mir noch weniger schmeichelt), wie vergeßlich, geradezu ignorant benahm ich mich bei meinem Selbstbetrug, wie idiotisch war dies Vertrauen in eine Restintegrität der Sozial-, Achtung: Demokratie!

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Abteilung: Kaputtalismus, Qualitätsjournalismus | Kommentare (15) | Autor:

Aphone Aphorismen (10): Lüttje Lage

Dienstag, 23. Januar 2018 21:08


Dieser Satz ist kein Bonmot, keine Satire. Sondern eine empirisch überprüfbare These.

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Abteilung: Aphone Aphorismen, Die Spezies hat‘s verkackt, Kaputtalismus | Kommentare (2) | Autor:

Die obszönste der Parteien

Samstag, 13. Januar 2018 0:05

Ein O-Ton-Porno


Wer einer Partei treu bleiben will, muß oft seine Meinung ändern.
N. N.


Der Martin gibt sich hin:

Spitzenkandidat Martin Schulz erteilte einer Weiterführung der Großen Koalition mit CDU und CSU eine klare Absage. „Es ist völlig klar, daß der Wählerauftrag an uns der der Opposition ist“, sagte er.
n-tv.de, 24.9.2017

Schulz betonte, er strebe keine Große Koalition an, keine Minderheitsregierung, kein Kenia-Bündnis und keine Neuwahlen. „Ich strebe gar nix an. Wißt ihr, was ich anstrebe?“, fragte er.
Tagesschau.de, 24.11.2017

SPD-Chef Martin Schulz dementierte am Freitag Berichte, wonach es grünes Licht für Gespräche über eine große Koalition gebe. „Sie ist schlicht falsch“, betonte Schulz nach Gremiensitzungen.
Tagesspiegel.de, 1.12.2017

Die Stimmung der Chefs nach der letzten, 24-stündigen Marathonsitzung ist gelöst. „Ich glaube, daß wir hervorragende Ergebnisse erzielt haben“, sagt der SPD-Vorsitzende Martin Schulz, der als erster sprechen darf.
FAZ.net, 12.1.2018

SPD-Chef Martin Schulz schließt nicht mehr aus, bei einer Regierungsbildung mit der Union einen Kabinettsposten zu übernehmen.
Augsburger Allgemeine, 12.1.2018

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Abteilung: Kaputtalismus, Qualitätsjournalismus | Kommentare (14) | Autor:

Die Katastrophenkanzlerin (3): Infamie

Sonntag, 24. Dezember 2017 19:18


Ich hab’ manchmal Mühe, die recht diffizile, äh, Struktur
dieses demokratischen, föderalistischen Staatsgebildes zu begreifen,
und, ähm, mir erscheinen dann manchmal auch eben Lösungswege
durch die verschiedenen Ebenen und ihre Kompetenzen
ziemlich schwierig. Und wenn ich dann so ’n gewisses Sachproblem sehe,
was gelöst werden muß, und dann türmen sich eigentlich immer
nur so Instanzenhindernisse auf, dann werde ich manchmal unruhig
und denke: Meine Güte, das hätte man doch so in so ’nem
zentralistischen Staat ganz einfach gelöst, kleiner Befehl,
und schon wär’ die Sache erledigt.
Angela Merkel (4.4.1991)*

Seit einem Dutzend Jahren simuliert Angela Merkel das Regieren. Sie könnte diese Vorführung bis zum Tod und vielleicht darüber hinaus durchhalten; und die Dekaden verstrichen; und weiterhin rätselten die Politologen, wes Gehaltes der Große Plan der Kanzlerin sei; und immer noch schriebe keiner in der Qual.presse die schlichte Wahrheit hin: Merkel hatte nie einen Plan und will auch keinen. Nur einen Wunsch hat sie: dem deutschen Kapital eine freundliche Gehülfin zu sein und der CDU das Bundeskanzleramt als eine Art Erbimmobilie zu sichern. Das ist schon alles.

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Abteilung: Kaputtalismus, Qualitätsjournalismus | Kommentare (6) | Autor:

Die Spezies hat‘s verkackt (9)

Dienstag, 28. November 2017 17:21

Mit jedem Eintrag in diese Abteilung des „Abfall“ bedrängt mich stärker die Frage nach dem Sinn vons Janze. Denn jeder neue Beleg für die Vernichtung der Biosphäre läßt mich weniger hoffen, es könnte sich je was ändern, läßt mich mehr daran zweifeln, es sei der Menschheit gegeben, sich zu besinnen. Ich frage mich, ob ich mit diesen Postings noch warnen oder bloß der Archivar sein soll, ob die Spezies zu retten oder der Appell an ihren Selbsterhaltungstrieb blanker Selbstbetrug ist.

Ich bestreite nicht, daß meine wachsende Skepsis, die Verhinderung des „Ökozids“ (Peter Bertholdbetreffend, auch biographische Motive hat. Ich bin nicht mehr der Jüngste, ich weiß über die flächendeckende Gemeinheit und Torheit des Homo s. mehr, als mir lieb ist, und ich habe leider auch tiefe Einblicke in die Erbärmlichkeit und die Endlichkeit menschlichen Seins nehmen müssen. Neulich las ich irgendwo, daß sich jedes Jahr rund 10.000 Deutsche das Leben nehmen, und mein erster Gedanke war: Wie, nur 10.000?

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Abteilung: Die Spezies hat‘s verkackt, Kaputtalismus | Kommentare (17) | Autor:

Die Katastrophenkanzlerin (2): In Europa

Montag, 20. November 2017 0:36


Sie macht Politik mit dem Wind“, schreibt Dirk Kurbjuweit,
mit – noch einmal Hannah Arendt – dem
„Flugsand unwahrer Behauptungen aller Art“.

Jürgen Roth*

Berechtigt ist die Frage, ob Unheil, Unglück, Ungemach, die nach einem Dutzend Jahre Kanzlerinnenschaft entstanden sind, ursächlich der Unerträglichen anzulasten seien. Sie trägt eine Schuld, doch nicht als einzige: Hier stimme ich zu.

Merkels Trick aber war immer, so zu tun, als hätte sie überhaupt nichts verschuldet, als wäre sie, obzwar Regentin, Opfer der Verhältnisse. Eine Frau voller Wohlwollen, bedrängt von einem Heer aus Übelmännern, eine Samariterin, die so gern alles täte, uns das Leben „gut und gerne“ zu erleichtern, es jedoch der Umstände halber nicht immer vermag … Aus diesem Schwindel entstand der Populärmythos „Mutti“.

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Abteilung: Kaputtalismus | Kommentare (9) | Autor:

Programmempfehlung

Donnerstag, 16. November 2017 21:51

Der geschätzte Freund und Kollege Fritz Tietz hat für den Deutschlandfunk ein Feature realisiert, das ich mir gespannt anhören werde, morgen abend, ab 20.10 Uhr. Zum einen bin ich sehr interessiert, weil es hier um die Wirklichkeit geht, nicht umidas, was die Kanzlerin gernIgut hätte. Zum anderen, weil der TV-Veteran Tietz hier sein Debüt als Radio-Autor gibt. Ich zweifle nicht daran, daß es ihm glanzvoll gelingen wird. Zum letzten werde ich hinhören, weil Fritz Tietz mich für das Stück interviewte und ich schon aus Eitelkeit wissen will, was Sokolowsky so und wie erzählt hat. Erst danach guck ich mir das Manuskript an (spicken gilt nicht)!

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Abteilung: Die beste aller Welten, Kaputtalismus, Sokolowsky anderswo | Kommentare (3) | Autor:

Nie wieder Frieden

Sonntag, 12. November 2017 22:17

Laß deinen Kanzler, deine Diplomaten
durch dieses Meer von Blut und Tränen waten!
Fluch, Kaiser, dir und Fluch auch deiner Brut,
hinreichend Blut, ertränk sie in der Flut!

Karl Kraus: Die letzte Nacht (1917)


Einerseits.
Am 10. November stellten die Präsidenten Macron und Steinmeier sich hoch über die Gedenkstätte auf dem Hartmannswillerkopf
und weihten ein weiteres Museum jener „Menschheitsschande“ (Karl Kraus) ein, die Erster Weltkrieg heißt. Im Bulletin des Deutschlandfunks lese ich:

Steinmeier sagte […], das massenhafte Sterben an diesem Ort stehe für den Irrsinn des Krieges. Ursache des Übels sei der Irrglaube an die Überlegenheit der eigenen Nation gewesen.

Nein! du Null im Anzug – Ursache des Übels waren Kapitalismus und Imperialismus. Nationalismus diente vor allem der Dekoration.

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Abteilung: Die Spezies hat‘s verkackt, Kaputtalismus, The real pulse of Europe, Zeuge der Geschichte | Kommentare (11) | Autor: