Archiv für die Abteilung 'Kaputtalismus'

Die beste aller Welten (14): German Lullaby

Montag, 20. März 2017 20:56


Zur Erinnerung:

Wir dürfen sagen: Den Menschen in Deutschland ging es noch nie so gut wie im Augenblick.
[Bundeskanzlerin Merkel, Haushaltsdebatte, 23.11.2016]

Denn:

Tatsächlich brummte die deutsche Wirtschaft 2016 so erfolgreich wie lange nicht mehr. Waren und Dienstleistungen im Wert von 1,2 Billionen Euro brachte man im Ausland an den Mann – ein Plus von 1,2 Prozent zum Vorjahr. Da die Bundesrepublik aber gleichzeitig weniger im Ausland einkaufte, lag der Handelsbilanzüberschuß […] bei 253 Milliarden Euro – ein Rekordwert.
[Saarbrücker Zeitung, 23.2.2017]

Das Gebrumm hat zum Beispiel dies zur Folge:

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#FreeDeniz (2): Lumpazilitanei

Donnerstag, 16. März 2017 1:51

Der deutsche Journalist Deniz Yücel sitzt seit dem 14. Februar in türkischer Haft. Diese Freiheitsberaubung wird mit nichts als Lügen begründet. Doch erst nach Wochen und wachsendem außerparlamentarischen Druck hat unsere Regierung sich bequemt, das offenbare Justizverbrechen an einem eidlich Schutzbefohlenen wahrzunehmen.

Spiegel online meldete Dienstagnachmittag:

Deutsche Diplomaten dürfen weiter nicht mit Yücel sprechen – obwohl der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim dies Kanzlerin Angela Merkel persönlich zugesichert hatte.

Und was tut das Auswärtige Amt nun? Schmollen?

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Abteilung: Die Spezies hat‘s verkackt, Kaputtalismus, Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus, Schwammintelligenz | Kommentare (0) | Autor:

Die Spezies hat‘s verkackt (4): Epitaphe

Freitag, 24. Februar 2017 23:57

Keine Klageschrift heute, auch keine Strafmaßnahme. Bloß einige Zitate, die zum Untergang der Welt passen wie Grabinschriften. Denn daß die Verhältnisse, über die besonders die Bürger der westlichen Welt seit fast 200iJahren leben, sehr bald schon ein Ende finden werden – ob durch ökonomischen Zwang, atomaren Suizid oder den Kollaps der Biosphäre –: Dasesteht fest wie die Unmöglichkeit, eine Spezies zu retten, die sich ums Verrecken nicht helfen lasseniwill.

Epitaphe also, nicht gesucht, sondern zugefallen. Zum Beispiel aus dem Guardian vom 27. Januar 2017. Der Reporter Ed Pilkington war im „Rust belt“ von Michigan unterwegs und wollte von Trump-Wählern wissen, was sie an dem Unhold so toll finden. Im Grunde wenig, antworten die meisten. Aber sie hoffen sehr, daß Trump die Öl-Pipeline Keystone XL mit aller Macht und Gewalt weiterbauen läßt, denn von diesem Wahnsinnsprojekt erhoffen sie sich Wohlstand und Glück. Es spricht Wallace Kotharz, 74, Einwohner des Städtchens Macomb:

I believe in the pipeline; I also believe in global warming but you can’t have everything.

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Abteilung: Die Spezies hat‘s verkackt, Ironie off, Kaputtalismus | Kommentare (2) | Autor:

#FreeDeniz !

Mittwoch, 22. Februar 2017 23:16



Ganz gleich, was eins von den Arbeiten des Journalisten Deniz Yücel oder seinem Hausblatt hält – die mittlerweile acht Tage währende Einkerkerung Yücels ist zweifelsfrei ein Justizverbrechen und Solidarität mit diesem politischen Gefangenen eine Selbstverständlichkeit für alle, die ihren Kopf nicht im Anus spazierentragen.

Warum Protest gegen die Verknastung Yücels ein Gebot der Humanität ist, warum sich jede Süffisanz vor dem Opfer eines Willkürregimes verbietet, haben besonders eindrucksvoll Hasnain Kazim für Spiegel online, Samael Falkner für das Weblog Prinzessinnenreporter und Mely Kiyak für die Zeit aufgeschrieben.

Man hat weniger Ärger mit [Yücel], wenn man ihm seine Freiheit gibt. Und man hat weniger Ärger mit mir, denn ich kann niemals Ruhe geben, solange mein Kollege, Hate-Poetry-Bruder und Freund Deniz Yücel nicht frei ist

sagt Kiyak; nur Dummbeutel und Drecksäcke kämen auf die Idee, ihr nicht beizupflichten, sich ihrer Sache nicht uneingeschränkt anzuschließen.

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Abteilung: Ironie off, Kaputtalismus, Qualitätsjournalismus | Kommentare (3) | Autor:

Aufgelesen (4): Biermann, Merkel, NSA

Freitag, 17. Februar 2017 3:36


Das Unbelehrte an den albernen, gleichermaßen beleidigten und gestelzten resp. düpierten Gesten der Qualitätsjournalisten, das Publikum, das sie mit ihrer Masche vergrämten, wieder zu vergähnen, läßt sich klar erkennen, wo diese Qualitätsjournalisten eine Schreckschraube schönschreiben, die so plan- und gewissenlos, so opportunistisch usw. ist wie, fälltmirgradein: Kanzlerin Merkel. Sie, die Qualitätsjournalisten, möchten sie, die Schnurzundschönschwaflerin*, unbedingt behalten, weil die und sie im Wesen identisch einfältig sind. Und darum zeichnen die edlen Federn, wenn die Kanzlerin ihre Verachtung für das Amt und die Moral des Amts vor einem Parlamentsausschuß grienend preisgibt, so was Phantasmagorisches:

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Abteilung: Aufgelesen, Kaputtalismus, Qualitätsjournalismus | Kommentare (3) | Autor:

Trumpology (2)

Freitag, 10. Februar 2017 3:44

Washington D. C., Lafayette Square, 30.1.2017


Die Katastrophe namens Trump übertrifft solche Desaster wie „Dubya“ Bush auch deshalb um mindestens eine Potenz, weil Trump jede Kritik an seiner Politik als Herausforderung versteht, die Politik nicht etwa zu überdenken, sondern sinnlos zu verschärfen. Der Tölpelpräsident zog sich 2000–2008 bei Kritik lieber zurück und ließ Cheney und Rumsfeld machen, was dann zwar bestimmt nicht gut, aber annähernd kalkulabel war. Nicht mal „Darth Dick“ wäre eingefallen, die US-Justiz an sich in Frage zu stellen. Verarschen, ja, korrumpieren und ignorieren, ja, ja, ja – aber zerstören?

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Abteilung: Die beste aller Welten, Ironie off, Kaputtalismus | Kommentare (8) | Autor:

Trumpology

Sonntag, 29. Januar 2017 0:37

Minneapolis, 21.1.2017

In den vergangenen Tagen habe ich viel Zeit auf dezidiert linken US-Websites verbracht und noch mehr Stunden auf YouTube, zumal im Kanal von „Democracy Now!“ Denn die gleichermaßen stupide wie stumpfe Machtvorführung des neuen US-Präsidenten seit Tag 1 vermögen jene Menschen am besten zu erklären, die das Unheil unmittelbar erleiden und die im Aufstieg Trumps weder einen „Unfall“ noch eine russische Verschwörung sehen, wie es die neoliberalen Qualitätsquatschköpfe tun. Sondern im 45sten die Konsequenz eines Systems erkennen, das Colin Crouch „Postdemokratie“ nennt.

Bei den langen, zunehmend bangen Stunden am Monitor wurde mir erstmals klar, wie nah die USA daran sind, in eine echte Autokratie transformiert zu werden, und wie leicht die unzähligen Einschränkungen der Bürgerrechte unter Trumps Amtsvorgängern es dem Neonfaschisten bei seiner Mussolini-Nummer machen. Die Vereinigten Staaten durchzieht seit vielen Jahren ein tiefer sozialer und ideologischer Riß, nicht erst seit der Kandidatur des Unholds. Und das einzig Positive, was sich über den Jerk-in-chief sagen läßt, ist dies: Er legt offen, was die glänzende Rhetorik Obamas acht Jahre lang verschleierte. Das System hat schon vor langer Zeit versagt, nicht erst bei der Wahl im Herbst, sonst gäbe es den Unhold am Roten Knopf nicht, sonst wäre auch die korrupte, verlogene und beispiellos verhaßte Kandidatin Clinton nie möglich gewesen.

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Abteilung: Die beste aller Welten, Ironie off, Kaputtalismus, Zeuge der Geschichte | Kommentare (17) | Autor:

Die Spezies hat‘s verkackt (3)

Mittwoch, 25. Januar 2017 0:45

Nur eine Menschheit, der der Tod so gleichgültig geworden ist wie ihre Mitglieder:
eine, die sich selber starb, kann ihn administrativ über Ungezählte verhängen.
Theodor W. Adorno,
Minima Moralia, „Abdeckerei“ (1951)


Beweisstück 3: Pfleger
der Landschaft

Die Zerstörung aller Existenzgrundlagen im Auftrag von Wachstum und Rendite
verläuft auch deshalb so glatt und flott, weil die Spezies nicht kapiert, daß sie untrennbar der Natur angehört, über welche sie rücksichtslos verfügt. Weil Menschen weiterhin an die Technik als Lösung für alle Probleme, welche die Technik erschafft, glauben, kommt uns die Biosphäre wie etwas vor, das sich nach Belieben verschmutzen läßt – irgendeine Maschine wird den Mist schon wegmachen. Und er verschwindet auch, doch nur für unseren Augenschein. Er wird in die Elendsregionen der Erde exportiert oder kilometertief vergraben oder, beliebtester Trick, in den Ozeanen verklappt. Aber so lange der Warenweltbürger giftiges Wasser aus Plastikflaschen säuft, wird er sich an giftigem Plastik im Wasser so wenig stören wie an einer Verschwendung, die desto rasender grassiert, je weniger zum Verschwenden da ist.

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