Daniel Bahr muß jetzt ganz tapfer sein
Sonntag, 12. Mai 2013 19:28
Busfahren ist nicht nur gut fürs Klima, sondern bisweilen auch lehrreich. Am Freitagabend sitze ich mit meinen Einkaufstüten voller, wie heißt das heutzutage? Nährmittel? – und ziemlich schlaff im Bus nach Hause. Es chauffiert eine Frau um die 40, die einen gewissen ruppigen Charme ausstrahlt, wie ich alter Proletenkultist ihn außerordentlich zu schätzen weiß. Hinter ihr steht eine etwas ältere Frau; eine Kollegin auf dem Weg in den Feierabend, was ich dank meiner übermenschlichen Kombinationsgabe aus einem Nebensatz („die Linie hier möcht‘ ich auch mal haben – so schön ruhig“) entnehme.
Abteilung: Bored beyond belief, Kaputtalismus | Kommentare (0) | Autor: Kay Sokolowsky

… heißt ein als Zeitung getarnter Werbeprospekt, den die 
Es gibt gute Gründe, mit der Menschheit nichts mehr zu schaffen haben zu wollen. Man muß für seine Misanthropie nicht unbedingt Argumente – Kolonialismus, Weltkrieg, Holocaust –


Warum die Freie und Handelsstadt Hamburg 1881 von Fritz Schaper eine Statue Gotthold Ephraim Lessings anfertigen ließ, ist mir lange ein Rätsel gewesen. Lessing steht für alles, was ein Hamburger Pfeffersack haßt: Humor, Herzenstakt, humanistische Bildung. Er mochte die kleinen Leute, die Verachteten und Verstoßenen, sie waren ihm sogar – man lese die Minna von Barnhelm! – viel lieber als die Herrschaften mit den dicken Taschen und Backen. An den Herrgott, wie so ein Handelsmann ihn sich vorstellt, hat er nie glauben mögen, dazu war ihm der Schöpfer viel zu lieb. Wie sehr er auf ein Jenseits ohne mitgeführte Privilegien und Vorurteile hoffte, das steht groß und erhaben in Nathan der Wei