Versuch einer klassischen Merkregel (143)

Montag, 30. Juni 2014 10:15


Alles, was du heut besorgst,
nervt dich nicht am nächsten Torgst.

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Die beste aller Welten (8)

Freitag, 27. Juni 2014 0:15

In der Hamburger Morgenpost steht am 26. Juni dies auf Seite 8:

Emotionaler Verhandlungstag im Yagmur-Prozess. Als gestern Handy-Fotos des zu Tode geprügelten [dreijährigen; K. S.] Mädchens gezeigt wurden, weinte die angeklagte Mutter. […]

Auf den ersten Blick ganz normale Eltern mit einem ganz normalen Kind. Auf einigen Bildern aber sind dunkle Flecken in Yagmurs Gesicht und an den Beinen zu sehen. […]

Selbst eine Richterin ließen die Aufnahmen nicht kalt. Sie wirkte erschüttert, als die Bilder gezeigt wurden, und legte kurz die Hände vor das Gesicht.


Und das darf man in derselben Ausgabe auf den Seiten 6 und 7 lesen:

Anfang Mai war Gigi-Daniel Filip (26) aus Rumänien nach Neu-Wulmstorf (Landkreis Harburg) gekommen. In der Hoffnung auf ein gutes Auskommen, auf einen guten Job. Einen Job in der Fleischfabrik „Schwarz Cranz“ von „Wurstkönigin“ Kristin Schwarz. Doch nun steht Filip vor dem Nichts. Von seinem Gehalt hat er keinen Cent gesehen, wie er sagt.

„Ich kann meine Miete nicht mehr bezahlen, sollte für Mai eigentlich 700 Euro Gehalt bekommen“, sagt Filip […]. Viele Stunden habe er in der Wurstfabrik geschuftet, nun fühle er sich übers Ohr gehauen. […]

Neben Gigi-Daniel Filip fühlen sich auch andere Mitarbeiter um ihren Lohn betrogen. Und sie befürchten, daß sie von ihrem hart verdienten Geld nicht viel sehen werden. Denn gestern kam heraus: Das Subunternehmen „Birservice GmbH“ ist insolvent. […]

Gestern räumte ein Sprecher der Wurstfirma allerdings ein, daß man bereits im Oktober vergangenen Jahres über die schlechten Zustände in einer der Arbeiter-Unterkünfte von „Birservice“ informiert worden sei. Warum man die Zusammenarbeit nicht umgehend beendet hat, erklärt er so: „Frau Schwarz [die Wurstkönigin; K. S.] hat alle Unterkünfte inspiziert und diese eine schließen lassen. Sie hat sogar selbst neue Matratzen gekauft.“


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Ich bekenne Farben (3)

Samstag, 21. Juni 2014 19:14

Fan-Set_Aufmacher_03_(c)_Kay_SokolowskyIn Folge eins und zwei konnten Sie, lieber Leser, liebe Leserin, miterleben, wie ich das „Mega Familien Fan-Set“ Stück für Stück auspackte und dabei eine Kostbarkeit der anderen folgte. Sie wurden Zeugen, wie die herrlich unverkrampften, typisch spaßdeutschen Schlachtenbummler-Accessoires aus mir, einem notorischen Spielverderber, einen fröhlichen Schlandfan machten.

Nun aber ist es an der Zeit, die prächtigen Produkte auch praktisch zu erproben! Was fängt man zum Beispiel mit den drei Trillern im pfiffigen Fußball-Dessin an? Wenn ich die zu Hause benutze, riskiere ich einen ernsten Zwist mit meiner geräuschsensiblen Gattin. Draußen auf der Straße wiederum hört mich kein Mensch, selbst wenn ich in alle drei Quetschflöten gleichzeitig blase – vor dem Haus regieren nämlich Kanonenböller und Preßlufthörner.

Karton_unten_(c)_Kay_SokolowskyDie Rückseite des Fan-Set-Kartons bringt mich auf eine Idee von gewisser Brillanz. Ebenso überraschend wie geschmackvoll als Deutschlandfahne gestaltet, läßt sich die stabile Pappe zusammen mit den Trillerpfeifen auch als Schautafel benutzen. Etwa um die Abseitsregel zu erklären. Ich nehme zunächst zwei Situationen vorweg, die beim Match Deutschland gegen Ghana heute abend zu erwarten sind.

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Monster. Magie. Makel

Mittwoch, 18. Juni 2014 15:49

In der Juni-Ausgabe der Zeitschrift Konkret wird Kay Sokolowsky schwer nostalgisch bei der Beurteilung des „Godzilla“-Remakes (oder, besser, -Reloads) von Gareth Edwards.

Via Facebook teilt anschließend Leser Christian Bechmann dem Autor folgendes mit:

Bechmann_Facebook_(c)_Kay_Sokolowsky


Sokolowsky hat sich über dieses ungewöhnlich schöne Kompliment gefreut wie nicht gescheit.

Ein paar Minuten später allerdings hat er begonnen, sich Sorgen zu machen: Was, wenn Herr Bechmann diesen „Godzilla“-Quatsch für theuer Geld ansehen geht und hernach stinksauer das Kino verläßt? (Denn um den neuen Big G. mögen zu können, sollte man zunächst die uralten Monsterkisten lieben, was Herr Bechmann ja gar nicht tut.) Muß der Autor dann dem genasführten Leser die Ticketmaut erstatten?

Sokolowsky hat zweifellos noch zu lernen, mit großem Lob umzugehen.

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Ich bekenne Farben (2)

Montag, 16. Juni 2014 14:38

Fan-Set_02_Aufmacher_(c)_Kay_SokolowskySie, liebe Leserin, lieber Leser, wollen gewiß endlich erfahren, worum es sich bei dem seltsamen Gegenstand handelt, mit dem ich Sie im ersten Teil dieser sagenhaft spannenden Serie allein und ratlos ließ. Sie müssen sich noch etwas gedulden.

Wer den Kitzel seiner Nerven aber nicht länger erträgt, der wird wohl bereits am Scroll-Rad der Computermaus drehen. Diesen elenden Spickern sei mitgeteilt: Die Kommentarfunktion ist für euch gesperrt. Solltet ihr das Kommentieren dennoch versuchen, wird es Konsequenzen haben. Fürchterliche, nicht zu beschreibende, unabsehbare Folgen. Dann rappelt‘s im Karton!

À pro pos: Zuletzt wurden Sie Zeugen, wie ich aus dem „Mega Familien Fan-Set“ eine Plastiktüte zog, die eventuell alles enthält, was nötig ist, um aus einem Ignoranten wie mir ein vollwertiges Mitglied der Volksgemeinschaft zu machen. Dann packen wir doch mal aus:

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Ich bekenne Farben (1)

Sonntag, 15. Juni 2014 2:08

Fan-Set_Aufmacher_(c)_Kay_Sokolowsky

Anläßlich der Fußball-Europameisterschaft 2012 habe ich mich hie und da sowie dort nicht eben freundlich über das ultranationale Gebaren deutscher Fans und der Fan-Industrie geäußert.

Die exzessive Verwendung der deutschen Flagge und ihrer Farben wurde von mir mit Worten kommentiert, die an Freundlichkeit stark zu wünschen übrig ließen. Ich führte mich auf wie ein Pestwurz, ein Intimpilz, ein ekler Spielverderber.

Nun jedoch, mit der Copa do Brasil, soll damit Schluß sein. Ein Ende der dauernden Nörgelei, des Defätismus und der Vaterlandsfeindseligkeit! Ist ja nur ein Spiel – hat doch nichts mit „Poledik“ (Volker Kauder) zu tun! Und für irgendeine Mannschaft muß man schließlich sein, sonst macht so eine WM gar keinen Spaß! Also warum nicht ausnahmsweise das deutsche Team supporten? Sind zweifellos nette Jungs, Multikulti überdies, können fabelhaft kombinieren und abschließen – weshalb nicht die?

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Frank Schirrmacher: Das könnte bleiben

Donnerstag, 12. Juni 2014 23:44

Der Tod des FAZ-Feuilletonchefs und -Mitherausgebers Frank Schirrmacher ist bedauerlich wie jeder Tod, und auch sonst besteht gewiß kein Grund zur Freude, daß dieser umtriebige Mann uns plötzlich entrückt ist.

Er war ein Schmock in jeder Faser seines Wesens, ein Meinungs- und Deinungsmacher von Geburt, ein Mann, dem noch so viel Kritik begegnen mochte – er dachte gar nicht daran, daraus zu lernen. Irgendwie imponiert mir solch ignorantes Verhalten – so wie mir damals, mit zehn, im Freibad die etwas älteren Jungs Eindruck verschafften, die vom Fünferbrett Arschbomben vorführten.

Ich bedauere aufrichtig, diesen quirligen Herrn Schirrmacher niemals persönlich kennengelernt zu haben. Ich glaube, daß wir uns leibhaftig richtig interessant ins Gewölle gekommen wären. Und ich halte es für eine metaphysische Frechheit, daß der bestimmt nicht dumme Herr Schirrmacher in einem Alter abtreten mußte, das bei echten Blödbratzen (Leni Riefenstahl, Helmut Schmidt) erst ein Startsignal für die zweite Karriere war. Schade um den Kollegen. Beileid den Hinterbliebenen.

Mein Respekt vor dem Verblichenen soll Ausdruck finden durch die Wiederveröffentlichung einer Parodie, die ich 2006 für die „Wahrheit“-Seite der Taz verfaßte. Sie paßt gruselig gut zum wirklich nicht lustigen Anlaß. (Meine Richtschnur fürs Schreiben von Parodien besteht seit 30 Jahren darin, daß der Parodierte kein kompletter Idiot sein darf, daß er satisfaktionsfähig sein muß. Schirrmacher konnte sich brillant aus jeder Bredouille flunkern. Auch deshalb werde ich ihn vermissen.)
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Kreatiphe Orthogravie (3): Franzl auf Luftreise

Montag, 9. Juni 2014 1:21

Lustzerrissen_Aufmacher_08-06-14_(c)_Kay_SokolowskyÜber Basics gleichwie Poetik der unbedingt löblichen, weil die Sprache ins Wackeln bringende Fehl- und Flasch-, pardon: Falschschreibung habe ich mich hie und da bereits geäußert.

Deshalb heute nur wenige Morde, pardon: Worte. Der nach Dr. Freud genante, pardon: benannte Lapsus linguae tritt selbstverständlich ebenso häufig beim Schreiben wie beim Sprechen auf, vielleicht sogar häufiger. Denn die Schrift erfordert komplexere Hirn- und Handoperationen als das Alltagsgelaber („Alles gut?“ – „Selba?“) mit seinen zweidreihundert Phrasen sowie vierfünf Standardgesten. Es passieren daher auch schneller und mehr Fehler beim Dreieinhalbfingersystemficken, pardon: -tippen als beim akustischen Kommunikationsversuch. 999 von 1.000 dieser Regelverstöße sind weiter nichts als Ausweise für Halbalphabetismus und Wurschtigkeit. Manchmal aber birgt die Auster kein Labberfleisch, sondern eine Perle.

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Abteilung: Bored beyond belief, Kreatiphe Orthogravie, Unerhört nichtig | Kommentare (0)