Trefflich gescherzt (5)

Donnerstag, 26. März 2015 22:42

Florian Harms, Chefredakteur von Spiegel online, bloggt sich aus über die Stärken seines Schwätz-Shops, verglichen mit „einigen Angeboten“, in denen „elementare journalistische Standards vernachlässigt oder gänzlich ignoriert werden“ (neinnein, das war noch nicht die Pointe, es kommt gleich besser:)

[Guter] Journalismus macht keine Kompromisse. Er hat
P r i n z i p i e n. […]
Unser Anspruch ist es, jeden Tag, auch unter dem Zeitdruck eines minutenaktuellen Mediums, so exakt, ausgewogen, transparent und w a h r h a f t i g wie irgend möglich zu berichten.

(Ach, hörnse uff, Männecken, ick kannich mehr! – Kommse, eina jeht noch! – Na jut.)

In diesem Sinne berichten wir kritisch, aber fair, leidenschaftlich und mit dem M u t zu unkonventionellen Meinungen, dabei unvoreingenommen, u n a b h ä n g i g und unbestechlich und, w e n n  e s  d a s  T h e m a  z u l ä ß t , gern auch originell.

(Hamma, Meista! – Newahr?)

Alle Hervorhebungen sind von mir. KS

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Dem Publikum zur gefälligen Beachtung

Dienstag, 24. März 2015 23:37

SW_Testbild_auf_Philips_TD1410U_Ausschnitt_(c)_Eckhard_EtzoldAus Gründen akuten
Konditionsmangels
(der sich in Übermüdung,
Reizbarkeit, Weltekel, aber
auch -untergangsvisionen
äußert) muß und werde ich
die „Abfall“-Entsorgung
für einige Tage einstellen.
Sie dürfen selbstverständlich
weiterhin und gern auf der
Deponie stöbern gehen.

(Der Blogger sagt hastig
Tschüs und Bisbald, bevor die Metapher zu riechen beginnt.)

Photo: „SW_Testbild_auf_Philips_TD1410U“ by Eckhard Etzold,
licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Germany license,
via Wikimedia commons

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Man schreit deutsh (18): Land und Meute

Montag, 23. März 2015 23:59

Haß ist vielleicht nicht die Folge, oft jedoch der Grund einer Hirnerweichung. Haß führt zu Halluzinationen, Sehstörungen, Inkosequenz und fast immer in den Nationalismus. Da veröffentlicht Zeit online heute (hüstel) einen nicht mal langen Bericht über illegale Steuervergünstigungen, die der griechische Staat laut EU-Kommission zurückzufordern habe. Es geht speziell um indirekte Subventionen in unbekannter Höhe, die dem Hafenbetreiber des Container-Ports von Piräus sowie der chinesischen Miteignerin Cosco Pacific gewährt wurden.

Es ist an diesem Artikel nichts mißzuverstehen. Die Privatisierung wurde 2008 in die Wege geleitet. Die vermuteten Steuererlasse verdankte Cosco dem EU-Lakaien Samaras. Die neue griechische Regierung hat die weitere Privatisierung des Hafens von Piräus gestoppt. Und dann steht da das:

Bereits im Jahr 2009 hatte die Kommission Beschwerden erhalten, denen zufolge Griechenland dem Hafenbetreiber rechtswidrige staatliche Beihilfen gewährt habe.

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Man schreit deutsh (17): hummmmmoooooooa

Sonntag, 22. März 2015 23:59

WW2_Massacre_Memorial,_Chortiatis,_Thessaloniki,_Greece_00 _Ausschnitt_(c)_Christaras_A

Arno Orzessek, 48, versucht sich gelegentlich als Romancier – ich weiß nicht, wie glücklich – und lebt davon, für das Deutschlandradio in Kultur zu machen. Heute hat er sich in der Feuilletonsendung „Nachspiel“ als Satiriker erprobt und dabei mein altes Credo, die Satire dürfe alles, zum Schwanken gebracht.

Orzessek empfiehlt in seiner Glosse den Griechen, die Marken- und Nutzungsrechte für die Olympischen Spiele zu reklamieren, die angeblich einzige „Welt-Marke, die untrennbar mit Griechenland verbunden“ sei. Da bleibt einem der Hals im Lachen stecken. Offenkundig inspiriert vom völkischen Furor, den die Erinnerung der Tsipras-Regierung an offene Rechnungen aus der deutschesten aller Zeiten entfesselt hat, läßt der bemerkenswert zäh auf Tanzfuß tuende und konsequent komikfreie Text nichts aus, was die Ressentiments der Hörer und den eigenen schöngeistig posierenden Chauvinismus bestätigt.

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Kennzeichen D O : Hoffnung

Freitag, 20. März 2015 23:58

Kennzeichen_DO_Religion_09_(c)_Kay_Sokolowsky… und zwar in zwei Richtungen. Erstens: Es kann noch einige Tage dauern, doch in naher Zukunft werde ich endlich ausplaudern, was mich am vergangenen Sonntag nach Dortmund trieb und sogar eine lange Nacht und einen weiteren halben Tag in der Stadt der Stahlbarone Harkort und Piepenstock verbringen ließ. Nehmen Sie das folgende Photo bitte bis dann als weiteren Hinweis auf das, was mir vor allem eine Reise nach Dortmund wert war:

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Kennzeichen D O : Skepsis

Donnerstag, 19. März 2015 23:59

Kennzeichen_DO_Religion_05_(c)_Kay_Sokolowsky

Ein Ziel des alten demokratischen Sozialismus und Liberalismus ist in Dortmund heute erreicht: die Säkularisierung oder, besser, Dechristianisierung des Orts. Wenn die eindrucksvollste Kirche der Stadt, St. Marien, mitsamt ihren berühmten spätmittelalterlichen Altartafeln des Conrad von Soest an einem Montag geschlossen bleibt – dann hat die Inhaberin der Filiale resigniert vor dem Verschwinden christlicher Transzendenz aus dem Weichbild der Stadt.

Die unmittelbare Nachbarin des Baus, die Kirche St. Reinoldi, ist zu großen Teilen eine neuestzeitliche Replik. Noch vor der Reformationszeit hatte der Bau des Originals begonnen, und er ward erst im Barock vollendet. Es genügte eine Nacht, um dieses Denkmal christlichen Bürgersinns zu pulverisieren. Nach seiner Zertrümmerung durch englische und amerikanische Bomben am 6.iOktober 1944 lag es da wie ein Symbol für den niedergeworfenen deutschen Imperialismus und Mordwahn. Er war ein passendes Symbol, dieser Tempel, und gerecht getroffen.

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Kennzeichen D O : Glaube

Mittwoch, 18. März 2015 23:59

Kennzeichen_DO_Religion_04_(c)_Kay_SokolowskyEigentlich sollte heute an dieser Stelle etwas über das reichhaltige Kulturangebot der Reviermetropole Dortmund stehen. Doch weil soeben der BVB von Juventus mit drei-zu-null im eigenen Stadion „abgekocht“ (Kicker online) wurde, kümmern wir uns jetzt um die Religion der Dortmunder, ihr Höchstes und Schönstes, die Borussia.

Zeichen der Devotion sind in jeder Straße zu besichtigen. Was ihrer verpaarten „Perle“ den harten Jungs mit dem weichen Keks zu sagen „zu schwul“ schiene, das gestehen sie hier, im „Lütge Eck“, seit 1909:

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Kennzeichen D O : Geschichte und Gegenwart

Dienstag, 17. März 2015 23:41

Nenne mir fünf größe Söhne Dortmunds! – „Nur fünf?“ – Wir haben nicht die ganze Nacht Zeit, fünf müssen genügen. – „Darf ich die sympathischen bevorzugen?“ – Meinetwegen. Du könntest übrigens auch fünfzig von der guten Sorte runterleiern – die reichten noch lange nicht aus. – „Wofür?“ – Wogegen. Gegen die Strahlkraft des Einen. Den Schatten des Giganten. – „Jetzt machen Sie mich aber neugierig!“ – Das war Absicht. Leg, bitte, los.

„In Ordnung. Also. Der vielleicht bedeutendste Dortmunder, der Gründer des nach ihm benannten Verlagshauses: Friedrich Arnold Brockhaus. Dann: Emil Annecke, einer der wahrhaft aufrechten Demokraten bei der Revolution 1848, mußte leider in die USA emigrieren. Drittens: Der Sozialdemokrat Heinrich Hansmann, der den großen Bergarbeiterstreik von 1889 tapfer anführte. Ein leider weithin Vergessener als nächster: der Arbeiterdichter und Proletarierverbündete Erich Grisar. Und zum Schluß ein heimlicher Liebling von mir: der Komödiant Rudolf Platte, ein hinreißender Loser und Schlappschwanz auf der Bühne. Leider auch im Leben: Er paktierte mit den Nazis. Deswegen heimlicher Liebling.“

Nun, das ist gewißlich eine illustre und teils imposante Schar. Doch sie alle verblassen vor dem größten Sohn Dortmunds, verrauchen vor seinem Licht, seinem Namen in Ewigkeit, Amen! Vor IHM, dem

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