Zum 75sten eines vorbildlichen Mannes

Freitag, 20. November 2015 22:32

Lieber Hermann L. Gremliza,

alles Gute, Glück und, muß auch sein, Gesundheit wünsche ich Dir zu Deinem schön runden Geburtstag!

Wer immer mich fragt, was der Stilist, Satiriker, Analytiker, Herausgeber Gremliza mir bedeutet, dem oder der kann ich nur antworten: „Man rühmt nicht die Luft, die man atmet.“ Dazu allerdings eine Fußnote:

Auf der Liste mit den nicht sehr vielen Dingen, auf die ich mir was einbilde, steht recht weit oben dies: „Du“ zu Dir, lieber Hermann, sagen zu dürfen. – Vor ziemlich genau 30 Jahren hatte ich zum ersten Mal ein neues Konkret in der Hand. Deine Kolumne war mir etwas unheimlich, weil ich nicht alles darin verstand. Den „express“ aber, den begriff ich sofort, und wenn ich meine Lieblingspointen noch mal und wieder las, sogar richtig. Seinerzeit stellte ich es mir gern vor, mit diesem laserskalpellscharfen Autor irgendwann einmal auf „du“ zu sein. Dieser Wunsch wurde mir erfüllt – möge es auch mit Deinen so gehen.

Vivat und feier schön!

Dieser Geburtstagsgruß ist Teil eines großen Gebindes, in dem Autoren von Konkret dem vorbildlichen Mann die Ehre erweisen. Und weil ich bisher noch nie einen Grund sah, den Kollegen Dietmar Dath zu loben, will ich ihm für seine Glückwunschadresse an HLG nun ein besonders großes Kompliment entbieten: Ein bezauberndes Stück hat Dath da gedichtet! (Und ich muß evtl. ein Vorurteil überdenken.)

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Die Beste aller Welten (13): A Day in the Life

Freitag, 20. November 2015 1:18

Es gibt Tage, da reicht mir das gallige Wort von den „Charaktermasken“ nicht mehr aus, um die Verwalter der verwalteten Welt zu beleidigen. Dann möchte ich unflätig werden und die ganze Bande bis hinauf zum lieben Gott anbrüllen wie Gunnery Sergeant Hartman seine Rekruten in „Full Metal Jacket“.

Gestern war einer dieser Tage. Zuerst lese ich dies, in der Online-Ausgabe der FAZ über ein verrentetes Mitglied des VW-Vorstands:

Für Personalvorstand Horst Neumann sind Altersbezüge im Wert von 23,7 Millionen Euro vorgesehen. Der Gewerkschaftler (!) will einen Teil davon stiften. (…)
Die Stiftung soll Doktoranden, Forschungsprojekte und wissenschaftliche Publikationen zum Thema Arbeit in Geschichte, Gegenwart und Zukunft fördern und damit einen konkreten Beitrag zur Verbesserung von Arbeit sowie des Arbeitsmarktes leisten. (…)
Neumann wird die Stiftung aus eigenen Mitteln mit einem Kapitalstock von 2 Millionen Euro und mit jährlichen Zustiftungen ausstatten – geplant sind insgesamt rund 10 Millionen Euro Stiftungskapital bis 2022. Neumanns Altersversorgung hat dem Geschäftsbericht zufolge einen Barwert von 23,7 Millionen Euro.

Man kann nur hoffen, daß der Horst mit dem Rest über die Runden kommt! Versteuern muß er jedenfalls kaum was, und der Arbeitsmarkt für Arbeitsmarktforscher wird sich zweifellos verbessern.

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Postdemokratie wird Präfeudalismus

Dienstag, 17. November 2015 0:22

Biedermeier_Fliegende_by_Goerdten_Wikimedia

Idealbürger, Spon-Version


Der Frankreichkorrespondent von Spiegel online, Nils Minkmar, machte sich am Sonntag seine Art Gedanken über die Massaker in Paris und den „Preis der Freiheit“. Ich erspare Ihnen viel, indem ich den Gesinnungsaufsatz zum größten Teil überspringe und mich auf den letzten Absatz beschränke. Darin meditiert Minkmar über den Selbstmord der Demokratie zwecks Abwehr von Selbstmordattentätern (die Hervorhebungen sind von mir):

Nach der Französischen Revolution, nach Napoleon und dem Ende der alten europäischen Ordnung gab sich Europa auf dem Wiener Kongreß eine neue Gestalt. Sie hielt sehr lang, es folgte vielleicht nicht die glanzvollste, aber auch nicht die übelste unserer historischen Epochen. So werden wir einen Ausweg aus diesem Elend suchen müssen: Mit Ausdauer, klaren Werten und flexiblen Mitteln.

Der Druck des Abgabetermins und eine verständliche Ratlosigkeit angesichts des Blutbads vom Freitag reichen nicht aus zur Erklärung, warum Minkmar der Politik und dem Publikum den Überwachungsstaat, die Schlafmützengesellschaft, die Untertanennation wie eine Erlösung empfiehlt. Bei diesem demokratiefeindlichen „Ausweg aus dem Elend“ ist auch Überzeugung am Werk. Die „klaren Werte und flexiblen Mittel“, von denen NilsiMinkmar schwärmt, stammen direkt aus dem Handbuch der feudalen Repression.

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Trefflich gescherzt (6)

Sonntag, 15. November 2015 15:16

Lolcat_(c)_KorukoVolker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion, hat Spiegel online einen herausragenden Witz zur Verfügung gestellt, den auch wir dem geneigten Publikum keinesfalls vorenthalten wollen:

Es gibt zu allem eine Alternative, das ist eine alte Lebensweisheit. Aber in vielen Fällen ist sie sehr viel schlechter. Angela Merkel ist eine herausragende Kanzlerin.

Und Volker ein herausragender Kauder.

Photo (Ausschnitt): „Lolcat“ by Koruko (Own work) [CC BY-SA 3.0],
via Wikimedia Commons

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Zeuge der Geschichte (1)

Dienstag, 10. November 2015 21:16


Als ich die Nachricht vom Tod Helmut Schmidts erhielt, hab ich erstimal eine geraucht.

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So ein Dummerjan

Mittwoch, 4. November 2015 22:37

Glockebuxach_(c)_Memmingen

Was dieses Photo an dieser Stelle bedeuten soll, erfährt nur, wer diesen Blogpost liest

Den Denkapparat J. Fleischhauers zu analysieren, ist viel zu simpel, als daß es mich reizen könnte. Zudem läßt der Qualitätsjournalist Jan F. sich allein darüber definieren, was er bestimmt nicht ist (z. B. tiefgründig, philanthrop, witzig, begabt). Da hat sogar Akif Pirinççi mehr zu bieten, und über den mag ich erst recht nicht schreiben.

Ich fasse mich also kurz und überlasse es weitgehend Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, sich ein Urteil über die intellektuelle Integrität sowie Sauberkeit eines Burschen zu bilden, der zunächst, Ende Februar, anläßlich des griechischen Widerstands gegen die deutsche Austeritätsdiktatur, folgendes in seinen „Schwarzen Kanal“ plumpsen ließ:

Das Meinungsklima meint es derzeit nicht besonders gut mit uns Deutschen. Kein Tag, an dem die Kanzlerin nicht irgendwo in eine Nazi-Uniform gesteckt wird und man wieder Hakenkreuze hervorkramt. Da nützt es auch nichts, daß wir brav ein Hilfspaket nach dem anderen schnüren. (…)
Es fehlt nicht mehr viel, und sie verbrennen deutsche Flaggen. Aber halt, auch das tun sie ja bereits. (…) Aber so ist es, wenn man aus Sicht anderer als zu erfolgreich, zu selbstbewußt, zu stark gilt. Wir sind jetzt die Amerikaner Europas. (…)
Wahrscheinlich müssen wir uns einfach daran gewöhnen, daß wir in manchen Ländern Europa (sic!) für einige Zeit nicht mehr sehr beliebt sind.

Gestern dann schwamm, gleichsam als Baumaterial für die Einmaurer der EU, dies obenauf:

Weiterekeln

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Heiteres Ratespiel für die gebildeten Stände (5)

Sonntag, 1. November 2015 13:20

Finden Sie den Fehler? (Ein Tip: Er steht gleich zweimal da!)

Thinkfarm_SPON_31-10-15

Spiegel online, 20.10.2015

 

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Elegie vom letzten Apfel

Samstag, 31. Oktober 2015 19:52

Letzter_Berlepsch_01_(c)_Kay_Sokolowsky


Voller Laub noch, doch fruchtlos glaubt‘ ich die Äste,
Die den welkenden Garten, das Gras zart beschatten.
Wochen erst ist es her, da die Erde bedeckt war,
Wespen und Schnecken zur Freude, mit Fallobst.

Weiterschmachten

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