Aufgelesen (4): Biermann, Merkel, NSA

Freitag, 17. Februar 2017 3:36


Das Unbelehrte an den albernen, gleichermaßen beleidigten und gestelzten resp. düpierten Gesten der Qualitätsjournalisten, das Publikum, das sie mit ihrer Masche vergrämten, wieder zu vergähnen, läßt sich klar erkennen, wo diese Qualitätsjournalisten eine Schreckschraube schönschreiben, die so plan- und gewissenlos, so opportunistisch usw. ist wie, fälltmirgradein: Kanzlerin Merkel. Sie, die Qualitätsjournalisten, möchten sie, die Schnurzundschönschwaflerin*, unbedingt behalten, weil die und sie im Wesen identisch einfältig sind. Und darum zeichnen die edlen Federn, wenn die Kanzlerin ihre Verachtung für das Amt und die Moral des Amts vor einem Parlamentsausschuß grienend preisgibt, so was Phantasmagorisches:

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Zeuge der Geschichte (10)

Dienstag, 14. Februar 2017 23:14


Als mir die Nachricht vom Tod Michael Nauras zu Ohren kam, habe ich erst den Blues geschoben, dann ein Bebop-Medley in die Playlist geladen, um es abschließend swingen zu lassen, daß der Fußboden groovte.

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Mit großer Verspätung: Kniefall vor Kirk

Dienstag, 14. Februar 2017 0:10

Eine lebende Legende im März 2011


Als der eminente Schauspieler Kirk Douglas
am 9. Dezember 2016 seinen 100. Geburtstag beging, war unter den ehrenden Gästen auch Steven Spielberg. Der mächtigste Regisseur, der je gelebt hat, verneigte sich vor dem würdigen Greis so tief, wie es nur geht, als er in seiner Laudatio erklärte:

I wanted to come here and say I‘ve been shooting movies and television shows for now 47 years and I‘ve worked with the best of them and you’re the only movie star I ever met.
[The Telegraph, 10.12.2016]

Douglas verdiente die Huldigung vollauf. Als Darsteller und Produzent hat er dem diabolischen Studiosystem des alten Hollywood Spielfilme abgetrotzt, deren Eindringlichkeit Douglas‘ physischer Präsenz vielleicht noch mehr zu verdanken ist als der Integrität der Inszenierung.

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Trumpology (2)

Freitag, 10. Februar 2017 3:44

Washington D. C., Lafayette Square, 30.1.2017


Die Katastrophe namens Trump übertrifft solche Desaster wie „Dubya“ Bush auch deshalb um mindestens eine Potenz, weil Trump jede Kritik an seiner Politik als Herausforderung versteht, die Politik nicht etwa zu überdenken, sondern sinnlos zu verschärfen. Der Tölpelpräsident zog sich 2000–2008 bei Kritik lieber zurück und ließ Cheney und Rumsfeld machen, was dann zwar bestimmt nicht gut, aber annähernd kalkulabel war. Nicht mal „Darth Dick“ wäre eingefallen, die US-Justiz an sich in Frage zu stellen. Verarschen, ja, korrumpieren und ignorieren, ja, ja, ja – aber zerstören?

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Trumpology

Sonntag, 29. Januar 2017 0:37

Minneapolis, 21.1.2017

In den vergangenen Tagen habe ich viel Zeit auf dezidiert linken US-Websites verbracht und noch mehr Stunden auf YouTube, zumal im Kanal von „Democracy Now!“ Denn die gleichermaßen stupide wie stumpfe Machtvorführung des neuen US-Präsidenten seit Tag 1 vermögen jene Menschen am besten zu erklären, die das Unheil unmittelbar erleiden und die im Aufstieg Trumps weder einen „Unfall“ noch eine russische Verschwörung sehen, wie es die neoliberalen Qualitätsquatschköpfe tun. Sondern im 45sten die Konsequenz eines Systems erkennen, das Colin Crouch „Postdemokratie“ nennt.

Bei den langen, zunehmend bangen Stunden am Monitor wurde mir erstmals klar, wie nah die USA daran sind, in eine echte Autokratie transformiert zu werden, und wie leicht die unzähligen Einschränkungen der Bürgerrechte unter Trumps Amtsvorgängern es dem Neonfaschisten bei seiner Mussolini-Nummer machen. Die Vereinigten Staaten durchzieht seit vielen Jahren ein tiefer sozialer und ideologischer Riß, nicht erst seit der Kandidatur des Unholds. Und das einzig Positive, was sich über den Jerk-in-chief sagen läßt, ist dies: Er legt offen, was die glänzende Rhetorik Obamas acht Jahre lang verschleierte. Das System hat schon vor langer Zeit versagt, nicht erst bei der Wahl im Herbst, sonst gäbe es den Unhold am Roten Knopf nicht, sonst wäre auch die korrupte, verlogene und beispiellos verhaßte Kandidatin Clinton nie möglich gewesen.

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Die Spezies hat‘s verkackt (3)

Mittwoch, 25. Januar 2017 0:45

Nur eine Menschheit, der der Tod so gleichgültig geworden ist wie ihre Mitglieder:
eine, die sich selber starb, kann ihn administrativ über Ungezählte verhängen.
Theodor W. Adorno,
Minima Moralia, „Abdeckerei“ (1951)


Beweisstück 3: Pfleger
der Landschaft

Die Zerstörung aller Existenzgrundlagen im Auftrag von Wachstum und Rendite
verläuft auch deshalb so glatt und flott, weil die Spezies nicht kapiert, daß sie untrennbar der Natur angehört, über welche sie rücksichtslos verfügt. Weil Menschen weiterhin an die Technik als Lösung für alle Probleme, welche die Technik erschafft, glauben, kommt uns die Biosphäre wie etwas vor, das sich nach Belieben verschmutzen läßt – irgendeine Maschine wird den Mist schon wegmachen. Und er verschwindet auch, doch nur für unseren Augenschein. Er wird in die Elendsregionen der Erde exportiert oder kilometertief vergraben oder, beliebtester Trick, in den Ozeanen verklappt. Aber so lange der Warenweltbürger giftiges Wasser aus Plastikflaschen säuft, wird er sich an giftigem Plastik im Wasser so wenig stören wie an einer Verschwendung, die desto rasender grassiert, je weniger zum Verschwenden da ist.

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Live-Blog: President erect

Freitag, 20. Januar 2017 17:55


23.59 Uhr
Erlösung: Phoenix beendet die Live-Übertragung! Und ich desgleichen.
Gute Nacht, liebe Leserin, werter Leser; und freuen Sie sich ab sofort jeden Morgen, daß die Welt noch da ist! Verlassen dürfen Sie sich nämlich nicht mehr darauf:

The Trump Administration is committed to a foreign policy focused on American interests and American national security. Peace through strength will be at the center of that foreign policy.
(„The White House“)

23.49 Uhr
Bislang der ansehnlichste Teil der Parade: Die vier Straßenkehrer zwischen den beiden Blaskapellen. Leider war ich zu langsam für einen Screenshot. Verdammtes Alter – mit 20 hätte ich das nicht vergeigt! Mit 20 hatte ich allerdings auch keinen Computer. (Und wenn ich so weiterquassel, laden sie mich demnächst als Gastkommentator bei Phoenix ein.)

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Die Spezies hat‘s verkackt (2)

Freitag, 20. Januar 2017 0:32

Man möchte wahrlich sagen: die Menschen sind die Teufel der Erde,
und die Tiere die geplagten Seelen. […]
Die Welt ist kein Machwerk und die Tiere kein Fabrikat zu unserm Gebrauch.“
Arthur Schopenhauer,
Parerga und Paralipomena.
Zweiter Band, Kapitel 15:
Über Religion
(1851)

Beweisstück 2: Kronprätendenten der Schöpfung
Vor kurzem wurde der Konzernatlas 2017
veröffentlicht. Er widmet sich den Konzentrationsprozessen in der Landwirtschaft, der immer stärkeren Monopolisierung in Produktion und Vertrieb von Nahrung. Die Herausgeber – Oxfam, BUND, Germanwatch, Le Monde Diplomatique, Heinrich-Böll- und Rosa-Luxemburg-Stiftung – schreiben im Vorwort:

Die Agrar-, Lebensmittel- und Handelskonzerne treiben die Industrialisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Acker bis zur Ladentheke voran. Sie fördern mit ihrer Verkaufs- beziehungsweise Einkaufspolitik eine Landwirtschaft, bei der die Steigerung der Produktivität im Mittelpunkt steht und der Kampf um Marktanteile häufig zulasten der schwächsten Glieder in der Lieferkette geht: der Bäuerinnen und Bauern sowie der Arbeiter und Arbeiterinnen.

Das ist der kapitalistische Lauf der Dinge, der – anders als die Herausgeber hoffen – nicht durch eine „sozial-ökologisch orientierte politische Regulierung“ aufzuhalten ist, sondern allein durch die Entfernung des Kapitalismus. Die Folgen einer auf Profitmaximierung und Shareholder-value getrimmten Agrarindustrie nicht bloß für die Bauern, sondern auch für die Kundschaft sind im Konzernatlas zum Entsetzen genau beschrieben. Doch weder die zuständigen Ministerien und Behörden noch gar die profitierenden Konzerne dürften sich von der Lektüre beeindrucken lassen; sie werden drauf scheißen, wie sie generell auf alles scheißen, was die Geschäfte oder die „Rahmenbedingungen“ stört. Und die Leute, die die Suppe auslöffeln? Die freuen sich über die scheingünstigen Preise im Supermarkt und fressen jeden Scheißdreck, den die Herren des Marktes ihnen servieren.

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