Gaudeamus igittur

Montag, 14. März 2016 0:01

Piramide_in_Amsterdam_Sloterdijk_(c)_Dqfn13

Die ideale Gesellschaftsformation à la Sloterdijk, modelliert in Sloterdijk (Amsterdam)

Ruf hinein in den deutschen Wald, und die Wildsau schallt raus … Selbstredend wußte das neofeudale Mastermind, was passieren würde, als es vor ein paar Wochen in Cicero losbölkte:

Die deutsche Regierung hat sich in einem Akt des Souveränitätsverzichts der Überrollung preisgegeben.

Er wußte um die Folgen, der Herr und Professor Sloterdijk, als er außerdem zackigere Zeiten anmahnte:

Auf die Dauer setzt der territoriale Imperativ sich durch. Es gibt schließlich keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung.

Es sind mehrere logische Verrenkungen nötig, um diese Sätze anders zu verstehen denn als Plädoyer für einen Nationalismus à la Wilhelm Eins mit Anteilen von Zwo. Was das Superhirn in alter Übung hinter Blendbegriffen („territorialer Imperativ“), Misanthropie („Selbstzerstörung“) und Zynismus („Überrollung“) verbirgt, hat Armin Nassehi sehr studierenswert zunächst in der Welt und kürzlich für die Zeit aufgeschrieben. Eine echte Überraschung kann des langjährigen TV-Nachtdenkers Beschwörung einer irgendwie gottgegebenen, das heißt, wenn schon, von unserem Gott gegebenen Identität der Deutschen, die desintegriert werde unter der rollenden Lawine der Fremden, nicht sein (ich bitte um Entschuldigung für die gewundene Syntax und die Metapher, aber schlechte Manieren färben schon bei flüchtigem Umgang ab).

Weiterlesen

Abteilung: Man schreit deutsh, Undichte Denker | Kommentare (4)

Round midnight: Cinéma vérité (1)

Mittwoch, 9. März 2016 1:38

Star_Trek_X_(c)_Kay_SokolowskyMarginalien zu Kino & Wirklichkeit.
Heute:

Ein X für ein „Oooh …!“

Warum in phantastischen Filmen die Spezialeffekte regelmäßig besser und authentischer aussehen als die Menschen, die zwischen ihnen herumstehen, hat William Shatner aka Captain Kirk mal erläutert. Amüsiert und zart verzweifelt zugleich berichtete er viele Jahre danach über die Dreharbeiten zu „Star Trek – The Motion Picture“ (1979 – hier geht‘s zum schön zeitgenössischen Trailer):

Let me take a piece of paper … And let‘s say … (Shatner zeichnet auf einen Notizzettel ein großes X und ahmt den Regisseur nach.) Okay: here‘s the monster. Monster is right over here over your right shoulder. Now, when I snap my finger, look at it as though it‘s going to eat you. We don‘t know exactly what it looks like, or how it‘s going to eat you, or what it says, or what it does, or how it looks, nor how it blinks its eyes, nor where it moves its legs and its arms and its ears. And it really doesn‘t have ears, that much we know. So, react! That‘s acting in a science fiction film.

Gewiß, es gibt ein paar phantastische Spielfilme, in denen die Schauspieler sich gegen die visuellen Wunder behaupten können, wo sie das X nicht mehr sehen, sondern etwas zu sehen scheinen, was für sie unsichtbar ist. Aber das sind die Ausnahmen, die die Regel usw. Mir fallen nach langem Überlegen nur „2001“, „Close Encounters of the Third Kind“ und „Blade Runner“ ein. Vielleicht noch „Jurassic Park“ und „Terminator 2“, aber die eher wegen einzelner Szenen.*

The human adventure is just beginning

– verspricht die 37 Jahre alte Kinowerbung (s. o.), und obwohl der große, etwas verkannte Regisseur Robert Wise mit dem ersten Enterprise-Spielfilm keine Ausnahme, sondern eines seiner nicht so runden Stücke abgeliefert und die Verheißung der Reklame kaum zur Hälfte eingelöst hat – ich läse solche kühnen Versprechen gern wieder öfter, nicht allein auf der Leinwand.

* Welche Ausnahmen dieser Art fallen wohl Ihnen, geschätzte Leserin, werter Leser, ein? Das interessiert mich. (Zuschriften bitte auf dem bekannten Weg an den Admin richten. Eine Begründung ist nicht erforderlich, wäre freilich erfreulich.)

Abteilung: Aufgelesen, Moving Movies, Round midnight | Kommentare (2)

Round midnight: Alptraum No. 6287

Montag, 7. März 2016 0:00

Ringing_the_elevator_alarm_(c)_Dieselducy_Andrew_R

Falls es Sie interessiert, warum ich nach 18 Uhr so ungern in Fahrstühle einsteige, obwohl ich dafür immer wieder „Hast-du-eine-Meise“-Blicke kassiere – ich finde immer wieder neue Gründe für meine Phobie. Zum Beispiel heute im Guardian:

Und wer war wieder mal schuld an dieser Horrorgeschichte? Handwerker, natürlich, Zwiebelmettbrötchenfresser, Blaumanntypen wie der Möbeltischler in „The Texas Chainsaw Massacre“:

The Gaoling district government in the north-western city of Xi’an, Shaanxi province, said on Saturday that two maintenance workers turned off the power source on 30iJanuary in a residential building after they were called to check on a glitch. However, they failed to check if anyone was inside the elevator.

Die beiden Schlauköpfe sitzen jetzt in U-Haft, aber das wird dem Opfer ihrer Expertise, einer 43-jährigen Frau, auch nicht mehr helfen. So wenig wie mir mit meiner Angst, nach 18 Uhr Fahrstühle zu benutzen. Falls überhaupt jemals wieder. Zum Glück wohne ich in der ersten Etage.

Schlafen Sie gut!

Photo: „Ringing the elevator alarm“
by Dieselducy, Andrew R (Own work) [CC BY-SA 3.0 ],
via Wikimedia Commons

Abteilung: Aufgelesen, Bored beyond belief, Round midnight, Selbstbespiegelung, Unerhört nichtig | Kommentare (2)

Anständige Menschen

Sonntag, 6. März 2016 1:20

Emmakreuz_(c)_Kay_Sokolowsky

Vorschlag für ein zeitgemäßes Emma-Logo (zu verschenken)

Jeder hat die Bewunderer, die er verdient:

Auf die Frage, warum er den Islam alsi„Aggressionsreligion“ bezeichne, erklärt ein NPD-Autor [vor dem Bundesverfassungsgericht; K. S.], auch Alice Schwarzer habe doch vor der Islamisierung der Gesellschaft gewarnt.
Spiegel online, 4.3.16

Sie hat noch weiteres getan, was in den Mördergruben, die gewisse Autoren statt Herzen haben, gut aufgehoben sein dürftei–: Leni Riefenstahl, beispielsweise, zum Opfer* umdeklariert oder, betreffs der Zustände zu Silvester zwischen Kölner Dom und Bahnhof, dies daherspekuliert:

Doch der Terror kam (noch) nicht aus der Kalaschnikow oder von Sprengstoffgürteln, er kam aus Feuerwerkspistolen und von Feuerwerkskrachern. Und von den grabschenden Händen der Männer. Die Jungs üben noch. (…)
Hat der deutsche Staat also punktuell sein Gewaltmonopol schon verloren und gibt es längst rechtsfreie Räume, auch mitten in Deutschland? (…)
Wenn wir sie [die männlichen Flüchtlinge; K.S.] nun bei uns aufnehmen, haben auch sie das Recht darauf, eine Chance zu bekommen: die Chance, anständige Menschen zu werden.
Aliceschwarzer.de, 5.1.16 [Kursivierung von K. S.]

Und was tun anständige Menschen so? Darüber weiß jemand mehr als punktuell bescheid, der bei der NPD zweifellos auch einen guten Ruf hat, ein staatlicher Gewaltmonopolist namens Heinrich Himmler:

Weiterlesen

Abteilung: Die spitze Feder, Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus | Kommentare (3)

Hokuskrokus

Samstag, 27. Februar 2016 22:55

Abendrot_Groenenweg_02_(c)_Kay_Sokolowsky

Ernst Jandl und Willy Steputat zugeeignet;
auf die Romanza des Hornkonzerts KV 417 zu jodeln


Abendrot o Abendrot
Gaa Gnadenbrot
Abendbrot
Aa Aufgebot o rot a Brot
Abendbrot o rot o a Gebot
Aa Atemnot o a ooo Abendrot
Abendrot o Abendroot oo Abendrooot gaaa Gnaaadenbrooot oaa

Abend o Abend o o o Abendrot
Sapperlot
Abendrot o Kot
Schockschwerenot
Brot o Abend o rot a Aaabend o rot ooo Nooot
Ooo Iiidiot o Kotverbot

Abendrot rot rot a rot aaa rooot
Halb a halb aaa halb o a ooo halbverloht loooht
Angedroht rot o Abend o Aaabend ooo
Abendrot a Abend aaa Abendrot o, oo, ooo
Hlllbvrrrloooht
O a Abendrot!

Abendrot_Groenenweg_01_(c)_Kay_Sokolowsky

KlGV Grönenweg, 27. Februar, 18.25 Uhr

Abteilung: Bored beyond belief, Kreatiphe Orthogravie, Lieder ohne Werte | Kommentare (5)

Der Blogger ist schon noch da, keine Sorge …

Montag, 15. Februar 2016 18:08

Meles-meles-tracks-on-snow_(c)_James_Lindsey… und sollten Sie keine gehabt haben, bin ich nicht gram, i wo.

Bevor ich gleich wieder den Kopf in die Höhle einziehe, darf ich mitteilen, daß das, was ich in Bezug auf dieses Weblog zur Zeit tue bzw. lasse, bei manchen Tieren, Bären zum Beispiel –, ja, eben nicht Winterschlaf, sondern, Achtung!, „Winterruhe“ heißt. Das lernte ich heute morgen gemeinsam mit einem aufgeweckten Neunjährigen (was eine eigene Geschichte ist, doch die erzähle ich, wenn überhaupt, ein anderes Mal).

In dem Buch unseres neu erworbenen Wissens wird die „Winterruhe“ so beschrieben:

Das ist zwar kein richtiger Winterschlaf, aber sie schlafen trotzdem die meiste Zeit. Die Bären atmen dann nur noch ganz wenig, ihr Herz schlägt sehr langsam, und sie leben bis zum Frühjahr von ihrem Winterspeck.

Für Dachse gilt das Gleiche. Und, stellen Sie sich vor: Ich hab bestimmt um zwei Kilo, auch Altpapier, abgenommen seit Neujahr!

Nun jedoch die Schneeglöckchen in Büscheln aus dem Boden wachsen und die Amseln bereits Liebeslieder proben, werde ich mich hier wohl schon bald mehr (wow, fünf Adverbien am Stück!) regen.

PS. Eine aufrichtige Bitte um Entschuldigung für meine „Bärenhäuterei“ (Schopenhauper, u. a. Par. und Par. II) und das daraus folgende, elend lange Nichtveröffentlichen ihrer interessanten Kommentare geht an Ted Eichinger und Kai Pichmann. Sie kommt hoffentlich an.

Photo: „Meles meles tracks on snow“ by
James Lindsey at Ecology of Commanster [CC BY-SA 2.5 or CC BY-SA 3.0],
via Wikimedia Commons

Abteilung: Bored beyond belief, Selbstbespiegelung | Kommentare (3)

Dschungelexpertise

Donnerstag, 21. Januar 2016 0:36

Gar nicht leicht zu sagen, wer peinlicher und blöder ist: die Leute, die bei „Ichibin ein Star, holt mich hier raus“ mitwirken, oder ihre Zuschauer. Am peinlichsten aber, am allerblödesten und außerdem erbärmlichsten sind jene Journalisten, die täglich das Nichtgeschehen im australischen Freiluftstudio fürs stumpfe Presspublikum referieren. Dieser Show zuzusehen oder Farbe beim Trocknen, macht schon keinen großen Unterschied. Über die infantile Nullität jedoch nicht bloß zu quatschen, sondern professionell zu reden, und zwar so, als handele es sich um ein Ding von Relevanz und Witz statt von Nichtigkeit und Deppenhumor -: Das faßt das ganze Elend des Journalistenlebens, seine Verächtlichkeit und Miserabilität wie in einer Dumpfnußschale.

Es geht freilich immer noch schlimmer, und deshalb mußte ich heute nachmittag auf der Website der Hamburger Morgenpost das hier sehen:

MOPO_Dschungelexpertin_Screen_01_20-01-16

Mopo.de, 20.1.2015

Weiterlesen

Abteilung: Bored beyond belief, Qualitätsjournalismus, Unerhört nichtig | Kommentare (4)

2016: Sokolowsky schaut voraus

Dienstag, 5. Januar 2016 22:38

Augen_auf_(c)_Kay_Sokolowsky

Ich weiß natürlich genausowenig wie Sie, liebe Leserin, lieber Leser, was in den nächsten 361 Tagen auf uns zukommt. Aber mit den Jahren – von denen ich inzwischen einen ordentlichen Haufen zusammen habe – lernt der Mensch, die Zeichen zu deuten, die sich zeigen, wenn das Vergangene an der Schwelle zum Zukünftigen hockt, das heißt, so um Silvester herum.

Weitergucken

Abteilung: Bored beyond belief, Kaputtalismus, Selbstbespiegelung, Stadtstreicherei, Unerhört nichtig | Kommentare deaktiviert für 2016: Sokolowsky schaut voraus