Aufgelesen (5): Dr. Köhler übers Vadderland

Mittwoch, 8. März 2017 0:36


Jeden Tag les ich allerlei, das mir allen Mut nehmen will. Ich finde aber auch täglich etwas, das mein Herz stärkt.

Folgendes zum Beispiel ist ein ABC-Schüler-Merksatz, wenn es je einen gab – der große Peter Köhler hat ihn ins neue KONKRET-Heft graviert:

Nun mag Patriotismus in anderen Ländern harmlos sein. In Deutschland ist Patriotismus ein Verbrechen gegen die Menschheit.

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Saint Martin und die Oscar-Nacht

Freitag, 3. März 2017 21:22

Heute gleich zwei Hinweise in eigener Sache – der eine etwas spät, der andere ganz schön aktuell.

Was mir zu Martin Scorseses neuem Spielfilm „Silence“ eingefallen ist, können Sie gegen die entsprechende Verkaufsgebühr aus der Märzausgabe von KONKRET erfahren. Es sind nicht nur Nettigkeiten; und man darf mir glauben, daß ich kein Vergnügen dabei empfinde, einem Scorsese-Film Abzüge in der B-Note zu erteilen. Die makellose Konstruktion und Bildgestaltung von „Silence“ bewundere ich zwar ohne Rest. Aber die Geschichte, die Moral, der Katholizismus … Na ja.

Ich verfaßte die Rezension Anfang Februar. Inzwischen hege ich den Verdacht, daß Scorsese mit „Silence“ Buße tun will für die Obszönitäten des „Wolf of Wall Street“, für den Heidenspaß, den er dabei hatte. „Kundun“ folgte ja ebenfalls auf eine große Ausschweifung und Höllenfahrt, nämlich „Casino“.

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Die Spezies hat‘s verkackt (4): Epitaphe

Freitag, 24. Februar 2017 23:57

Keine Klageschrift heute, auch keine Strafmaßnahme. Bloß einige Zitate, die zum Untergang der Welt passen wie Grabinschriften. Denn daß die Verhältnisse, über die besonders die Bürger der westlichen Welt seit fast 200iJahren leben, sehr bald schon ein Ende finden werden – ob durch ökonomischen Zwang, atomaren Suizid oder den Kollaps der Biosphäre –: Dasesteht fest wie die Unmöglichkeit, eine Spezies zu retten, die sich ums Verrecken nicht helfen lasseniwill.

Epitaphe also, nicht gesucht, sondern zugefallen. Zum Beispiel aus dem Guardian vom 27. Januar 2017. Der Reporter Ed Pilkington war im „Rust belt“ von Michigan unterwegs und wollte von Trump-Wählern wissen, was sie an dem Unhold so toll finden. Im Grunde wenig, antworten die meisten. Aber sie hoffen sehr, daß Trump die Öl-Pipeline Keystone XL mit aller Macht und Gewalt weiterbauen läßt, denn von diesem Wahnsinnsprojekt erhoffen sie sich Wohlstand und Glück. Es spricht Wallace Kotharz, 74, Einwohner des Städtchens Macomb:

I believe in the pipeline; I also believe in global warming but you can’t have everything.

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#FreeDeniz !

Mittwoch, 22. Februar 2017 23:16



Ganz gleich, was eins von den Arbeiten des Journalisten Deniz Yücel oder seinem Hausblatt hält – die mittlerweile acht Tage währende Einkerkerung Yücels ist zweifelsfrei ein Justizverbrechen und Solidarität mit diesem politischen Gefangenen eine Selbstverständlichkeit für alle, die ihren Kopf nicht im Anus spazierentragen.

Warum Protest gegen die Verknastung Yücels ein Gebot der Humanität ist, warum sich jede Süffisanz vor dem Opfer eines Willkürregimes verbietet, haben besonders eindrucksvoll Hasnain Kazim für Spiegel online, Samael Falkner für das Weblog Prinzessinnenreporter und Mely Kiyak für die Zeit aufgeschrieben.

Man hat weniger Ärger mit [Yücel], wenn man ihm seine Freiheit gibt. Und man hat weniger Ärger mit mir, denn ich kann niemals Ruhe geben, solange mein Kollege, Hate-Poetry-Bruder und Freund Deniz Yücel nicht frei ist

sagt Kiyak; nur Dummbeutel und Drecksäcke kämen auf die Idee, ihr nicht beizupflichten, sich ihrer Sache nicht uneingeschränkt anzuschließen.

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Aufgelesen (4): Biermann, Merkel, NSA

Freitag, 17. Februar 2017 3:36


Das Unbelehrte an den albernen, gleichermaßen beleidigten und gestelzten resp. düpierten Gesten der Qualitätsjournalisten, das Publikum, das sie mit ihrer Masche vergrämten, wieder zu vergähnen, läßt sich klar erkennen, wo diese Qualitätsjournalisten eine Schreckschraube schönschreiben, die so plan- und gewissenlos, so opportunistisch usw. ist wie, fälltmirgradein: Kanzlerin Merkel. Sie, die Qualitätsjournalisten, möchten sie, die Schnurzundschönschwaflerin*, unbedingt behalten, weil die und sie im Wesen identisch einfältig sind. Und darum zeichnen die edlen Federn, wenn die Kanzlerin ihre Verachtung für das Amt und die Moral des Amts vor einem Parlamentsausschuß grienend preisgibt, so was Phantasmagorisches:

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Zeuge der Geschichte (10)

Dienstag, 14. Februar 2017 23:14


Als mir die Nachricht vom Tod Michael Nauras zu Ohren kam, habe ich erst den Blues geschoben, dann ein Bebop-Medley in die Playlist geladen, um es abschließend swingen zu lassen, daß der Fußboden groovte.

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Mit großer Verspätung: Kniefall vor Kirk

Dienstag, 14. Februar 2017 0:10

Eine lebende Legende im März 2011


Als der eminente Schauspieler Kirk Douglas
am 9. Dezember 2016 seinen 100. Geburtstag beging, war unter den ehrenden Gästen auch Steven Spielberg. Der mächtigste Regisseur, der je gelebt hat, verneigte sich vor dem würdigen Greis so tief, wie es nur geht, als er in seiner Laudatio erklärte:

I wanted to come here and say I‘ve been shooting movies and television shows for now 47 years and I‘ve worked with the best of them and you’re the only movie star I ever met.
[The Telegraph, 10.12.2016]

Douglas verdiente die Huldigung vollauf. Als Darsteller und Produzent hat er dem diabolischen Studiosystem des alten Hollywood Spielfilme abgetrotzt, deren Eindringlichkeit Douglas‘ physischer Präsenz vielleicht noch mehr zu verdanken ist als der Integrität der Inszenierung.

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Trumpology (2)

Freitag, 10. Februar 2017 3:44

Washington D. C., Lafayette Square, 30.1.2017


Die Katastrophe namens Trump übertrifft solche Desaster wie „Dubya“ Bush auch deshalb um mindestens eine Potenz, weil Trump jede Kritik an seiner Politik als Herausforderung versteht, die Politik nicht etwa zu überdenken, sondern sinnlos zu verschärfen. Der Tölpelpräsident zog sich 2000–2008 bei Kritik lieber zurück und ließ Cheney und Rumsfeld machen, was dann zwar bestimmt nicht gut, aber annähernd kalkulabel war. Nicht mal „Darth Dick“ wäre eingefallen, die US-Justiz an sich in Frage zu stellen. Verarschen, ja, korrumpieren und ignorieren, ja, ja, ja – aber zerstören?

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Abteilung: Die beste aller Welten, Ironie off, Kaputtalismus | Kommentare (8)