The Happy Eggheads in: Social Distancing

Sonntag, 12. April 2020 13:21


FRAU EIERMANN. Meine Güte, wie siehst du denn aus?

HERR EIERKOPF (seufzt). Wie einer, der von einem mit Infektionshandschuhen bemalt wurde.

FRAU EIERMANN. Du solltest den verklagen!

HERR EIERKOPF. Ich würde ja klagen. Aber wer hört zu?

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Abteilung: Bored beyond belief, SARS-CoV-2, Unerhört nichtig | Kommentare deaktiviert für The Happy Eggheads in: Social Distancing

DRECK – Das Making-of

Samstag, 11. April 2020 8:00

© DRECK-Magazin


Es gibt in diesen extratrüben Tagen auch Erhellendes, Erfreuliches, Erbauliches. Es gibt, zum Beispiel, das neue DRECK. Nach 32 Jahren Funkstille haben die „Super-Redakteure“ Christian Y. Schmidt, Rüdiger Stanko, Fritz Tietz
und Hans Zippert endlich wieder kollaboriert und ihr ziemlich legendäres Magazin für „fiktiven Journalismus“ neu aufgelegt.

Was von diesem Relaunch zu halten ist (vorab so viel: sehr viel), habe ich ausführlich für die heutige Ausgabe der „jungen Welt“ aufgeschrieben. Wie es zu DRECK 16 kam und welche Wackersteine gerollt werden mußten, um dies Prachtstück zu errichten, hat Fritz Tietz mir in einem gründlichen E-Mail-Interview geschildert.

Wer keine Lust hat (wehe!), diesen hochinteressanten Werkstattbericht zu lesen, befolge bitte trotzdem meine Order und hole sich DRECK ins Haus!

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Abteilung: Litterarische Lustbarkeiten, Sokolowsky anderswo | Kommentare (6)

Antivirus-Programm (1)

Dienstag, 31. März 2020 1:06

Leben ist Schönheit an sich: Kleiner Schillerfalter (Photo: Udo Theiss)


Ich könnte jetzt ein klafterlanges Posting schreiben über das Totalversagen des Neoliberalismus in den Tagen der Covid-19-Pandemie. Ich könnte mich darüber auslassen, wie die wahre Natur, deren Todfeind der Kapitalismus aus seiner Natur immer gewesen ist, ihm sowie den Untertanen des „Marktes“ zur Zeit demonstriert, daß die Menschheit ihre Mutter Erde zwar vergewaltigen, doch niemals beherrschen kann.

Ich könnte auf all die Leitartikler ätzen, die heuer posieren wie Regierungsangestellte, könnte die Journalistentrottel verspotten, die sich einbilden, ihre Video-Tagebücher aus dem kontaktarmen Home-office-Alltag würden irgendwen interessieren außer andere Journalisten in der gleichen Lage. Ich könnte dieses Blog täglich bis zum Rand mit den Wutanfällen füllen, in die ich beim Hören der Nachrichten ausbreche. Ich könnte allein über den Krankheitsminister Spahn ein Pamphlet verfassen, das romanhafte Ausmaße annähme und zur Hälfte justiziabel wäre.

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Abteilung: Gute Nachrichten, Musicalische Ergetzungen, SARS-CoV-2 | Kommentare (9)

Wir warten auf Covid-19

Samstag, 14. März 2020 23:29

Ein Tag ohne Brot ist lang.
Russisches Sprichwort


Vorteig (12 Stunden Gärung)

3 EL Sauerteig
100 g Dinkelfeinmehl
100 g Roggenfeinmehl
250 ml Wasser

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Abteilung: Die Spezies hat‘s verkackt, Lieder ohne Werte, SARS-CoV-2 | Kommentare (4)

The real pulse of Europe (4): Kaltes Blut

Montag, 9. März 2020 23:17



Europa muss auch die Sprache der Macht lernen.
EU-Kommissionspräsidentin v. d. Leyen, 8.11.2019

Sie haben aus einem Meter Entfernung Gas geschossen auf einen Mann,
aus nur einem einzigen Meter Entfernung.

Flüchtling Reza, 2.3.2020

Wie werden – sollte es sie geben – Menschen in ferner Zukunft über den Pseudokontinent Europa, dieses „zerklüftete Westkap Asiens“ (Arno Schmidt) urteilen, über seine Insassen und Geschichte? Über die tiefen Spuren von Blut und Gewalt, Terror und Eigensucht, Raub und Machtgier, die sich durch die Jahrtausende bis in unsere Gegenwart ziehen? Wie werden diese Zukunftsmenschen über das angebliche „Friedensprojekt“ Europäische Union befinden? Werden sie anders als mit Begriffen aus der forensischen Psychiatrie beschreiben können, wie unfaßbar schäbig, steinherzig und brutal die Einwohner der reichsten aller Erdgegenden sich im März 2020 gegen Menschen verhielten, die in schierer Not sind, erniedrigt und verzweifelt, und dies bestimmt nicht zuletzt wegen der Politik der EU –?

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Abteilung: Die beste aller Welten, Ironie off, Kaputtalismus, Man schreit deutsh, SARS-CoV-2, The real pulse of Europe | Kommentare (12)

Twitterwitz (1): À la lanterne!

Freitag, 28. Februar 2020 21:21

Die „asozialen Netzwerke“ (H. L. Gremliza) rauben Nerven und Zeit. Gelegentlich jedoch schenken sie Erkenntnis und Freude. In dieser neuen „Abfall“-Rubrik will sich der Blogger bei den Nestbeschmutzern bedanken, die seiner täglichen Twitter-Vogelschau einen Sinn verleihen und ihm ein bißchen Glauben ans Menschengeschlecht zurückgeben.
Der „Abfall“-Admin


Sie kochten ihre Larvenschminke
aus unserm Blut und unserm Schweiß.
Sie traten uns vor Bauch und Steiß,
und wir gehorchten ihrem Winke.
Sie fühlten sich unendlich wohl,
sie schreckte kein Gewitter. […]
Wir haben nur die Faust erhoben,
da ist der ganze Spuk zerstoben.

Erich Mühsam: Rebellenlied (1918)


Als braves Kind meiner Klasse hege ich nichts als Verachtung für die Aristokratie. Es ist unmöglich, eine humane, egalitäre Gesellschaft aufzubauen, so lange das adelige Gschwörl nicht um seine durch Mord, Raub und Betrug zusammengerafften Schätze erleichtert wird. Der feudale Titel sollte in einem wahrhaft freien Gemeinwesen ein Schandfleck sein und alle, die ihn als Distinktionsmerkmal tragen, hätten als personae non gratae zu gelten.

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Abteilung: Aufgelesen, Schwammintelligenz, Twitterwitz | Kommentare (7)

Schnipsel: Die Humburg-Wahl

Mittwoch, 26. Februar 2020 19:51

Die Frage heißt: Soll ich überhaupt wählen oder tue ich besser, zu Hause zu bleiben?
Überlege jeder, daß er mit jedem Schritte, den er zum Wahllokal lenkt, sich öffentlich
zur Erhaltung des kapitalistischen Staatssystems bekennt.
Erich Mühsam: Der Humbug der Wahlen (1912)

Ich blieb nicht zu Hause (obwohl es Hunde und Katzen regnete), und ich bekannte mich (obschon ich nicht als Stütze des kapitalistischen Staatssystems bekannt bin). Hernach mußte ich, wie immer, Erich Mühsam recht geben und ging, wie immer, mit Kopfweh von all den Dummheiten, Phrasen, Lügen, die stundenlang aus dem TV-Gerät in meine Ohren tropften, zu Bett. Und ich werde beim nächsten Mal, wie immer, den Humbug wieder mitmachen.

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Abteilung: Kaputtalismus, Schnipsel | Kommentare (5)

He’s here, there, everywhere: Ror Wolf

Freitag, 21. Februar 2020 23:32


Was ich vom bourgeoisen Preßwesen halte, habe ich oft genug gesagt, ich will es heute nicht wiederholen. Es war jedenfalls keine Überraschung für mich, daß viele Artikel zum Tod Ror Wolfs lieb- und kenntnislose Pflichtübungen waren, aus Textbausteinen zusammengehauener Wortmüll, luschig redigiert und fehlerhaft wie das Gewerbe an sich.

Zum Glück hatte die Regel auch Ausnahmen – etwa Helmut Böttigers berührenden Abgesang im Deutschlandfunk. So etwas hilft, das gedankenarme Geräusch anderswo sogleich wieder zu vergessen, diesen Schwallqualm, der einem die dunklen Stunden sonst noch mehr verfinsterte.

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Abteilung: Per sempre addio, Sokolowsky anderswo | Kommentare (3)